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Düsseldorf
Schmolz+Bickenbach droht feindliche Übernahme
Düsseldorf. Der Düsseldorfer Familienkonzern ist in einer Schieflage. Finanzinvestoren prüfen den Kauf des Stahlunternehmens. Von Thomas Reisener

Dem mit 821 Millionen Euro verschuldeten Düsseldorfer Stahlunternehmen Schmolz+Bickenbach droht eine Übernahme durch Finanzinvestoren. Das "Handelsblatt" nennt als Interessenten unter anderem die auf Sanierungsfälle spezialisierten Private-Equity-Unternehmen Apollo und Triton.

Das vor 94 Jahren von Arthur Schmolz und Oswald Bickenbach in Düsseldorf gegründete Unternehmen, deren Erben immer noch 43 Prozent an der Firma halten, war zuletzt durch zahlreiche Übernahmen stark gewachsen. Neben der börsennotierten Swiss Steel hatten die Düsseldorfer die französische Ugitech-Gruppe und kleinere Stahlproduzenten wie die Edelstahlwerke Witten-Krefeld gekauft und stiegen damit zum Weltmarktführer bei Werkzeugstahl und bei rostfreien Langprodukten auf.

Die Gruppe hat das aggressive Wachstum schlecht verkraftet. Hinzu kam zuletzt die weltweite Absatzflaute beim Stahl, die selbst Weltkonzernen wie Arcelor-Mittal und ThyssenKrupp zu schaffen macht. In den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres machte die inzwischen börsennotierte Gruppe bei rund vier Milliarden Euro Umsatz 24 Millionen Euro Verlust. Das vierte Quartal dürfte angesichts der Überkapazitäten im Stahlmarkt kaum bessere Zahlen geliefert haben. Im Mai musste der Konzern wegen schlechter Rating-Urteile fast zehn Prozent Zinsen auf eine Anleihe über 258 Millionen Euro zahlen. Und das Vertrauen der Investoren ist seither noch weiter gesunken: Selbst diese ungewöhnlich hoch verzinsten Papiere notieren inzwischen deutlich unter dem Nennwert. Bei einer Übernahme durch Finanzinvestoren könnten sie jetzt eine zentrale Rolle spielen: Ein möglicher Übernahmeinteressent könnte die Anleihe aufkaufen und in Eigenkapital wandeln. Das würde ihm bereits die Mehrheit an Schmolz+Bickenbach sichern.

Weder die Düsseldorfer noch die genannten Finanzinvestoren wollten die Situation gestern öffentlich kommentieren. Dem Vernehmen nach reden die Düsseldorfer unter der Führung von Johannes Nonn, den Schmolz+Bickenbach kürzlich beim Rivalen Salzgitter abgeworben hat, Ende März mit ihren Banken.

Zu besprechen gibt es einiges: So setzte das Unternehmen im vergangenen Sommer über Nacht den langjährigen Konzernchef Benedikt Niemeyer sowie Finanzchef Axel Euchner vor die Tür. Niemeyer und Euchner waren die Architekten des Expansionskurses und hatten die Firma fast zehn Jahre geführt. Sie waren enge Vertraute des ehemaligen Verwaltungsratspräsidenten Michael Storm, der nicht nur größter Aktionär von Schmolz+Bickenbach war, sondern vor gut einem Jahr auch Firmengelder in Höhe 1,5 Millionen Euro veruntreut haben soll. Storm zahlte das Geld zurück und wurde von seinem Vize Hans-Peter Zehnder ersetzt.

Quelle: RP
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