Tausende Arbeitsplätze bei Schaeffler in Gefahr: Scholz: "Man kann nicht im Nerzmantel nach Staatshilfe rufen"
zuletzt aktualisiert: 21.02.2009 - 22:15Frankfurt/Main (RPO). Bei einer Zerschlagung der Autozuliefergruppe Schaeffler-Continental droht nach Darstellung der Eigentümerfamilie der Verlust von Tausenden Arbeitsplätzen. Die Unternehmerin Maria-Elisabeth Schaeffler verglich ihr Unternehmen mit der US-Bank Lehman Brothers, deren Zusammenbruch im vergangenen Jahr die Finanzkrise deutlich verschärfte. Bundesarbeitsminister Olaf Scholz kritisierte unterdessen die Familie, weil sie vom Staat Kredite bekommen will. "Man kann nicht im Nerzmantel nach Staatshilfe rufen", sagte er.
Mitbesitzer Georg Schaeffler sagte der "Bild am Sonntag", eine Zerschlagung der Gruppe könnte schwerwiegende Folgen für die Autoproduktion in Deutschland haben. "Der Verbund der Unternehmen schafft mit der Hochpräzisionsmechanik von Schaeffler und der Elektronik von Conti eine technologische Zukunftsperspektive. Dadurch behalten Tausende von hoch qualifizierten Arbeitnehmern einen sicheren Arbeitsplatz in Deutschland", wurde der Besitzer zitiert. Das könne aber nur funktionieren, wenn die Einheit von Schaeffler und Continental erhalten bleibe.
Maria-Elisabeth Schaeffler sagte dem Blatt, das gemeinsame Unternehmen stehe für eine industrielle Substanz, die es weltweit nicht nochmal gebe und die nicht einfach ersetzt werden könne. "In jedem Auto auf dieser Welt finden Sie im Durchschnitt 60 Teile allein aus der Schaeffler-Produktion. Eine Störung in unserer Produktion hat für die Automobilindustrie weltweit schwerwiegende Auswirkungen."
Die Firmeninhaberin zog dem Bericht zufolge Parallelen zur Finanzkrise. "Eine renommierte Unternehmensberatung hat unsere Bedeutung für die Industrie mit derjenigen von Lehman Brothers für die Bankenwelt verglichen."
Schaeffler will Zinsen für Staatsgeld zahlen
Maria-Elisabeth Schaeffler machte deutlich, dass die Firmengruppe auf Geld vom Staat angewiesen sei. "Ohne eine zeitlich begrenzte finanzielle Überbrückung durch den Staat wird es für die Einheit und Zukunft von Continental und Schaeffler schwierig." Die Abhängigkeit vom Steuerzahler treffe sie persönlich. "Wichtig ist aber, dass das Unternehmen alles mit Zinsen auf Heller und Pfennig zurückbezahlen wird. Es geht nicht um ein Geschenk."
Das fränkische Familienunternehmen will den größeren hannoverschen Konzern Continental übernehmen, ist aber wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise in Schwierigkeiten. Weltweit haben alle großen Autohersteller massive Auftragsrückgänge, was sich direkt auf Zulieferbetriebe auswirkt.
Bundesarbeitsminister Olaf Scholz kritisierte die Familie. "Man kann nicht im Nerzmantel nach Staatshilfe rufen", sagte der SPD-Politiker dem "Tagesspiegel am Sonntag". Der Staat sei nicht dafür da, für Fehlentscheidungen von Milliardären geradezustehen. "Es kann jedenfalls nicht sein, dass jemand, der sich verspekuliert hat, auch noch einen Reibach auf Steuerzahlerkosten macht." Es dürfe nur um Arbeitsplätze gehen, nicht darum, Eigentumsverhältnisse mit staatlichem Geld zu sichern.
Seehofer lehnt direkte Staatsbeteiligung ab
Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer erklärte sich dagegen zu Hilfen für Schaeffler bereit, lehnt aber eine direkte Beteiligung ab. Der Staat solle diesen Firmen helfen, wenn sie ein zukunftsfähiges Konzept hätten und dazu die wichtigsten Banken dieser Firmen stünden, sagte der CSU-Vorsitzende dem "Kölner Stadt-Anzeiger".
Es gehe um Tausende Arbeitsplätze. "Dann kann man durchaus Garantien und Bürgschaften übernehmen und als Staat mithelfen, die Arbeitsplätze zu sichern." Der Staat solle aber nicht direkt als Unternehmer tätig werden, wurde Seehofer zitiert. "Das ist in der Menschheitsgeschichte noch nie gutgegangen."
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