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Berlin
Schulden-Hauptstadt Oberhausen

Berlin. In den Großstädten wächst die Verschuldung. Vor allem NRW wird schlechter.

Viele deutsche Großstädte geraten trotz sprudelnder Steuereinnahmen und guter Konjunktur immer tiefer in die Schuldenfalle. Nach einer Übersicht der deutschen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young sind bei der Mehrheit der 73 Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern im vergangenen Jahr die Schulden gestiegen. Vor allem Städte in Nordrhein-Westfalen hätten höhere Schuldenstände gehabt, heißt es in der Studie. 19 der 29 Großstädte im bevölkerungsreichsten deutschen Bundesland hätten zusätzliche Kredite aufnehmen müssen.

Im Rest der Republik hätten dagegen die meisten Städte ihre Verschuldung reduziert. Unterm Strich sei die Gesamtverschuldung aller Großstädte um 0,2 Prozent auf knapp 81 Milliarden Euro gesunken. Auf jeden Großstadtbewohner entfielen damit im Schnitt kommunale Schulden von 4099 Euro, nach 4166 Euro im Vorjahr.

Die am stärksten verschuldete Großstadt ist laut Ernst & Young Oberhausen mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von 9792 Euro, gefolgt von Saarbrücken mit 8739 Euro und Mühlheim an der Ruhr mit 8527 Euro. Die am wenigsten verschuldeten Großstädte sind weiter Braunschweig mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von 394 Euro, Wolfsburg (730 Euro) sowie Jena (1109 Euro).

Die durchschnittliche Pro-Kopf-Verschuldung der ostdeutschen Großstädte sei weiter deutlich niedriger als die der westdeutschen Großstädte. Während sie im Osten seit dem Jahr 2012 um gut vier Prozent gesunken sei, sei die Pro-Kopf-Verschuldung der West-Großstädte im gleichen Zeitraum um 0,2 Prozent gestiegen, teilten die Wirtschaftsprüfer mit. Sie haben nach eigenen Angaben neben den Schulden der kommunalen Kernhaushalte auch die Schulden der Extrahaushalte und sonstigen öffentlichen Fonds sowie Einrichtungen und Unternehmen, an denen die Kommunen zu 100 Prozent beteiligt sind, berücksichtigt. Die Stadtstaaten wurden in der Analyse nicht einbezogen.

Die positive Konjunktur- und Einnahmenentwicklung der vergangenen Jahre sei an den besonders stark verschuldeten Großstädten offenbar weitgehend vorbeigegangen, erklärte Ernst & Young. Dabei seien die Rahmenbedingungen für die wirtschaftliche Entwicklung derzeit günstig. Die Beschäftigung steige, die Steuereinnahmen sprudelten, die Zinsen seien extrem niedrig. Bei einem Konjunkturabschwung werde sich die Situation rasch verschlechtern: "Um dafür gewappnet zu sein, müsste die Sanierung der kommunalen Finanzen sehr viel schneller vorangehen", erklärte Ernst & Young.

(dpa)
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