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Umweltministerin bittet um Entschuldigung
Royal rudert nach Aufruf zu Nutella-Boykott zurück

Ségolène Royal rudert nach Aufruf zu Nutella-Boykott zurück
Ségolène Royal hat sich für ihre Aussagen entschuldigt. FOTO: afp, bs/kb
Paris. Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royal hat nach ihrem Aufruf zum Boykott von Nutella zurückgerudert. "Ich bitte wegen der Polemik über Nutella tausend Mal um Entschuldigung", erklärte die sozialistische Politikerin am Mittwoch über den Kurznachrichtendienst Twitter.

Die französische Sozialistin sprach in der Sendung "Le Petit Journal" im Privatsender Canal Plus am Montagabend gerade über Klimawandel und die Abholzung von Wäldern, da sagte sie unvermittelt: "Man muss beispielsweise aufhören, Nutella zu essen, denn das ist Palmöl."

Das Argument der früheren Lebensgefährtin von Staatschef François Hollande, die mitten in den Vorbereitungen für die Weltklimakonferenz im Dezember in Paris steckt: Für Ölpalmen-Plantagen werden Regenwälder gerodet - und der Verzehr der beliebte Nuss-Nougat-Creme ist somit in gewisser Weise Umweltfrevel: "Das richtet beträchtliche Schäden an."

Der Moderator der Sendung warf noch scherzhaft ein: "Aber Nutella ist doch lecker!", die Ministerin ließ das aber nicht gelten: "Ja gut, aber man sollte trotzdem nicht. Das ist Palmöl, das Bäume ersetzt hat." Und als der Moderator anmerkte, mit solchen Äußerungen könne die Umweltministerin ein Unternehmen "versenken", antwortete die nur schnippisch: "Sie müssen halt andere Rohstoffe verwenden."

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Bereits 2012 war Nutella ins Visier französischer Politiker geraten: Der Senat wollte eine Nutella-Steuer genannte Zusatzabgabe auf Palmöl in Lebensmitteln einführen, 300 Euro pro Tonne Palmöl sollten fällig werden. Neben der Umwelt wurden auch gesundheitliche Gründe angeführt, umgesetzt wurde die Abgabe aber letztlich nie.

Auch Royals Boykott-Aufruf dürfte bei Frankreichs Verbrauchern eher ungehört verhallen - von ihren Ministern lassen sich die Franzosen nicht vorschreiben, was sie zu essen haben. Französische Medien reagierten eher erstaunt auf den Vorstoß der Sozialistin, und Ferrero selbst wollte die Äußerungen nicht direkt kommentieren. Der Konzern erklärte lediglich, Umweltbelange ernst zu nehmen. Das Unternehmen sei eine Reihe von Verpflichtungen beim Palmöl eingegangen, der Anbau der Ölpalme könne "mit dem Respekt von Umwelt und Bevölkerung einhergehen".

(AFP)
 
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