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München
Siemens hebt Gewinnprognose deutlich an

Siemens hebt Gewinnprognose deutlich an
FOTO: Weber
München. Das Umbauprogramm und mehrere Großaufträge beflügeln im dritten Quartal das Ergebnis des Technologie-Riesen. Sorgen bereitet den Münchnern der Bereich Prozessindustrie und Antriebe. Zugleich steigen die Pensionslasten. Von Maximilian Plück

Für Joe Kaeser war der gestrige Tag einer der angenehmeren in seiner Zeit als Siemens-Chef. Denn augenscheinlich macht sich sein harter Sparkurs bei dem Münchener Technologiekonzern bezahlt. "Ich kann Ihnen heute gute Nachrichten anbieten", frohlockte Kaeser. Der jahrelang anhaltende Wachstumsverfall sei gestoppt. Im dritten Quartal blieb Siemens nach Ertragssteuern ein Gewinn von 1,37 Milliarden Euro bei einem Umsatz von 19,8 Milliarden Euro. Zwar fiel das Ergebnis damit etwas schwächer aus als im Vorjahr. Das führte der Konzern jedoch auf höhere Steuern und Zinslasten zurück. Operativ dagegen brummt das Geschäft. Im Industriesegment erfüllten sieben der acht Sparten die Erwartungen. Das Betriebsergebnis des Industriegeschäfts legte insgesamt um 20 Prozent zu.

Die Anleger freuten sich insbesondere darüber, dass Siemens bereits zum zweiten Mal in diesem Geschäftsjahr die Prognose anhob: "Statt der bisherigen Erwartung von sechs bis 6,40 Euro Ergebnis je Aktie gehen wir nunmehr von einer Spanne von 6,50 bis 6,70 Euro aus", sagte Kaeser. Für das im September endende Geschäftsjahr peilt Siemens damit einen leichten Umsatzzuwachs und einen Nettogewinn von 5,5 bis 5,7 Milliarden Euro an, nach 7,4 Milliarden Euro im Vorjahr. Der Dax-Wert schnellte daraufhin um mehr als vier Prozent in die Höhe und führte damit den Leitindex an.

Neben den Sparbemühungen des Managements sorgte auch eine Reihe lukrativer Großaufträge für die ordentlichen Zahlen: Die insbesondere durch den niedrigen Ölpreis angeschlagene Energiesparte Power and Gas, die in den vorangegangenen Monaten dank eines ägyptischen Großauftrags eine Atempause erhalten hatte, konnte mit Kraftwerksprojekten in den USA und Bolivien im Gesamtwert von 1,2 Milliarden Euro weiter Boden gutmachen. Noch erfreulicher entwickelte sich die Windenergiesparte, die nach Aussagen Kaesers sogar oberhalb der Erwartungen lag. Grund dafür ist das Projekt zum Bau je eines großen Offshore-Windparks vor Schottland und in der deutschen Ostsee. Während sich auch die Sparten Energie-Management, Gebäudetechnologie, Mobilität, Digitale Fabrik und Medizintechnik im Sinne des Vorstandes entwickelten, bleibt das große Sorgenkind der Bereich Prozessindustrie und Antriebe. Dort würden auch in den kommenden Quartalen die Zielwerte wohl verfehlt. Siemens verhandelt derzeit mit der IG Metall über einen Stellenabbau, sieht sich aber auf gutem Weg, dies im letzten Quartal des Geschäftsjahres über die Bühne zu bringen.

Zu einem weiteren Risiko könnten sich angesichts der Niedrigzinsen und der steigenden Lebenserwartung der Beschäftigten allerdings die Pensionsverpflichtungen des Konzerns entwickeln. Die Unterdeckung der Pensionspläne stieg nach Angaben von Finanzvorstand Ralf Thomas innerhalb eines Vierteljahres um 1,8 Milliarden auf nunmehr 12,7 Milliarden Euro. Das sei aber kein Grund nachzuschießen. "Selbst wenn das Zinsniveau so niedrig bleibt, hätten wir auf alle denkbaren Szenarien eine Antwort."

Quelle: RP
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