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Los Angeles
Snapchat plant den Börsengang

Los Angeles. Bei jungen Leuten liegt der WhatsApp-Rivale im Trend - jetzt strebt die Foto- und Video-App an die Börse. Die bisherigen Investoren hoffen auf einen Wert von 25 Milliarden Dollar. Weitere Börsengänge könnten folgen. Von Reinhard Kowalewsky

Bildern und Videos gehört die Zukunft im Internet. Das könnte ein im Frühling bevorstehender Börsengang aus den USA bestätigen. Die vor allem bei jungen Menschen äußerst beliebte App Snapchat möchte dann einen Teil ihrer Aktien an freie Investoren verkaufen. Als gesamten Börsenwert hoffen die jetzigen Inhaber auf bis zu 25 Milliarden Dollar (23,4 Milliarden Euro), berichtet die US-Finanzzeitung Wall Street Journal - das wäre eine sehr hohe Bewertung, gemessen am Umsatz von 350 Millionen Dollar, den Firmenkenner für dieses Jahr ungefähr erwarten.

"Snapchat wächst extrem schnell", sagt der Kölner Wirtschaftsprofessor Klemens Skibicki, "das könnte die Phantasie der Börse schon ansprechen." Der Düsseldorfer Kapitalmarktexperte Peter Barkow ergänzt: "Falls der Börsengang von Snapchat erfolgreich über die Bühne geht, könnte das in den USA und weltweit einige weitere Börsengänge von Technologie- und Internetfirmen nach sich ziehen."

Sicher ist jedenfalls, dass Snapchat sich gerade für Facebook und dessen zwei Ableger WhatApp und Instagram zum wichtigen Gegner entwickelt hat. Bei Snapchat verschicken die Nutzer an ihre Freunde und Bekannten Nachrichten, Fotos und mittlerweile auch Videos, die sich innerhalb weniger Sekunden vom Bildschirm des Empfängers tilgen. So teilen die Nutzer mit, wo sie sind, was sie gerade eingekauft haben, wo die beste Party ist oder was der Präsident der USA gerade macht. Denn seit Februar nutzt auch Barack Obama den Dienst, um sich zu präsentieren.

Snapchat zählt bereits mehr als 100 Millionen aktive Nutzer. 60 Prozent der Kunden sind zwischen 13 und 24 Jahre alt. Die große Stärke des Unternehmens aus wirtschaftlicher Sicht ist die Konzentration auf visuelle Inhalte, also Fotos und Videos: Das macht das Einblenden von passender Werbung deutlich leichter als beim notleidenden Kurznachrichtendienst Twitter.

Allerdings ist das Versenden von sich selbst wieder löschenden Fotos und Videos natürlich alles andere als eine nicht kopierbare Idee - Instagram als Tochterfirma von Facebook geht neuerdings einen ähnlichen Weg. "Instagram hat bereits 500 Millionen Nutzer und übernimmt Ideen von Snapchat", warnt Internetforscher Skibicki, "also könnte sich das Wachstum des Aufsteigers deutlich verlangsamen."

Damit stellt sich die große Frage, ob die erhoffte Bewertung von rund 25 Milliarden Dollar nicht deutlich überhöht ist. Das hängt alleine vom Wachstum ab: Facebook ist mit mehr als 1,5 Milliarden Nutzern mittlerweile sensationelle 250 Milliarden Euro wert und hat damit einen höheren Wert als VW, BMW und Siemens zusammen. Aber Facebook machte 2015 einen Umsatz von 18 Milliarden Dollar und einen Gewinn von vier Milliarden Dollar. Bei Snapchat ist dagegen nur absehbar, dass die Anlaufverluste vorerst hoch bleiben - ob und wann es jemals Gewinne gibt, bleibt abzuwarten. "Eine objektive Bewertung des Wertes ist schwer", sagt Experte Barkow, "denn der hängt weniger vom jetzigen Geschäft ab als von künftigen Erfolgen."

Klappt der Börsengang, würde dies bestätigen, dass Anleger ihr Geld wieder gerne in neue Technologiefirmen stecken. Während dieses Jahr erst elf Technikfirmen in den USA an die Börse gingen und 2015 auch nur 28, waren es in den Jahren davon jeweils rund 40.

Zwei der Kandidaten sind global bekannt. Der Fahrtenvermittler Uber wird auf einen Wert von bis zu 70 Milliarden Dollar geschätzt, der Bettenvermittler AirBnB auf 30 Milliarden Dollar. Woher kommen die hohen Prognosen? Beide Unternehmen sind kurz davor, ihr jeweiliges Geschäft weitgehend zu monopolisieren - die beste Basis zum Geldscheffeln im Internet.

Quelle: RP
 
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