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Experten beantworten Leserfragen
So finden Sie beim Geldanlegen den richtigen Kurs

Experten beantworten Leserfragen: So finden Sie beim Geldanlegen den richtigen Kurs
Die Experten bei unserer Telefonaktion (von links): Manuel Janzer (Commerzbank), Thomas Lang (Verbraucherzentrale NRW), Christiane Hölz (Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz), Norbert Toups (PSD Bank Rhein-Ruhr) und Elke Occhipinti (Stadtsparkasse Düsseldorf). Nicht im Bild: Karin Baur (Finanztest). FOTO: Andreas Krebs
Düsseldorf . Bei niedrigen Zinsen Geld anlegen - aktuell ein schwieriges Unterfangen. Sechs Experten beantworteten Leserfragen. Gemeinsam wurde nach Lösungen für die Anlagen unserer Leser gesucht.

Ich möchte einen größeren Betrag anlegen und suche einen seriösen Finanzpartner. Was soll ich tun?

Antwort Am besten, Sie fragen bei mehreren Geldhäusern an. Wichtig ist: Legt der Berater Ihnen ein schlüssiges Konzept für die Geldanlage vor oder will er nur ein bestimmtes Produkt verkaufen? Der Berater muss außerdem offen über Kosten und Risiken der Geldanlage reden. Und sich genug Zeit für den Kunden nehmen.

Ich bin Kundin einer Vermögensverwaltung. Macht das aktuell überhaupt noch Sinn, oder wäre in der aktuellen Niedrigzinsphase nicht ein einfaches Tagesgeldkonto ausreichend?

Antwort Tagesgeld ist bei den aktuellen Zinsen auch keine gute Alternative, aber als Liquiditätsreserve sinvoll. Reden Sie mit Ihrem Berater darüber, ob die Zusammensetzung des Portfolios noch zu Ihrer Risikoneigung und Ihren persönlichen Verhältnissen passt.

Wie riskant sind Exchange-Traded Funds (ETFs)? Ich bin 80 Jahre alt und möchte das Geld gern möglichst schnell verfügbar haben.

Antwort Ich empfehle Ihnen, 20 bis 30 Prozent in ETFs zu stecken. Dazu würde ich Mischfonds wählen - beispielsweise aus Aktien und Rentenpapieren zusammengesetzt. Und einen kleineren Teil in Immobilienfonds.

Wir würden gern ein Haus an der Nordsee kaufen, teils zur Eigennutzung, teils, um es zu vermieten. Wir haben aber noch kein konkretes Objekt in Aussicht.

Antwort Dann sollten Sie erst mit Ihrer Bank reden, um zu klären, wie viel Immobilie Sie sich leisten können. Erst dann sollten Sie einen Makler kontaktieren, mit dessen Hilfe Sie ein geeignetes Objekt finden.

Tages- und Festgeldkonten bringen ja nichts mehr. Was mache ich mit 60.000 Euro? Ich hatte mal Daimler-Aktien und Anteile an Deka-Technologiefonds. Da habe ich gewonnen und verloren. Jetzt habe ich keinen Mut mehr, in Wertpapiere zu investieren.

Antwort Falls Ihr Anlagehorizont längerfristig ist, würde ich Ihnen zu einer speziellen Form der Rentenversicherungen raten, bei der zwischenzeitliche Auszahlungen möglich sind. Da ist dann auf jeden Fall das Kapital gesichert.

Was mache ich, wenn der Euro auseinanderbricht?

Antwort Investieren Sie in Sachwerte wie Aktien, Immobilien und Gold. Oder in andere Währungen wie den Schweizer Franken oder den US-Dollar. Aber da sollten Sie nicht nur Liquidität halten, sondern auch über Anleihen und Aktien in diesen Fremdwährungen nachdenken.

Ich bin 80 Jahre alt, lebe in einer lastenfreien Immobilie, die 500.000 Euro wert ist. Wir bekommen eine kleine Rente und haben vier Kinder. Jetzt würden wir gern einen Kredit aufnehmen über 50.000 bis 100.000 Euro, weil wir uns was leisten wollen. Aber einen Kredit bekommen wir wegen unseres Alters nicht mehr. Was können wir tun?

Antwort Gegebenenfalls sollten Ihre Kinder den Kredit aufnehmen. Sie könnten das Immobilien-Eigentum an die Kinder oder eines von Ihnen übertragen und mit Ihrer Familie ein Nießbrauchrecht vereinbaren, also beispielsweise lebenslanges Wohnrecht in der Immobilie.

Ich bin Rentner, 78 Jahre alt und möchte gern zweimal 15.000 Euro anlegen - am liebsten in Silber.

Antwort Ich würde Ihnen ETFs empfehlen und nur einen kleinen Teil physisch in Silber investieren - aber nicht mehr als fünf Prozent.

Was mache ich mit einer zusätzlichen Altersvorsorge von rund 500.000 Euro. Soll ich das Geld in einen Auszahlplan bei der Bank stecken?

Antwort Das sollten Sie nicht mit dem kompletten Betrag machen. Einen Teil würde ich auch auf Festgeldkonten einzahlen. Wenn die Zinsen wieder steigen, bringt das auch wieder Ertrag.

Wir haben unser Haus verkauft und wohnen jetzt zur Miete. Wir wollen 170.000 Euro anlegen.

Antwort Zwei Vorschläge: Sie kaufen Sich von dem Geld eine Immobilie und vermieten sie. Dann haben Sie durch die Mietzahlungen zusätzliche Einnahmen. Oder Sie streuen das Geld in Aktienfonds, die weltweit investieren.

Wir erwarten 60.000 bis 70.000 Euro aus einem Hausverkauf. Wie sollen wir die anlegen?

Antwort Streuen sie das Geld auf jeden Fall. Kaufen Sie beispielsweise Aktien und/oder Fonds, Anleihen und Gold. ETFs sind sehr kostengünstig.

Meine Frau und ich haben unsere eigene Eigentumswohnung und die unseres Sohnes finanziert. Jetzt läuft die Zinsbindung aus. Sollen wir den Kredit ablösen oder lieber neu finanzieren und unser Geld anders anlegen? Wir wollen aber kein Risiko eingehen.

Antwort Derzeit sind die Zinsen extrem niedrig. Das ist aber ein Argument sowohl für eine höhere Tilgung als auch für eine weitere Finanzierung. Auf jeden Fall würde ich einen Teil des freien Geldes als Rücklage behalten.

Wir haben 200.000 Euro in einer Stiftung stecken, von denen jetzt 55.000 Euro frei werden. Wir suchen nach nachhaltigen Anlagechancen.

Antwort Ich würde dividendenstarke Aktien kaufen, eventuell über ETFs. Alternativ oder als Ergänzung könnten Sie offene Immobilienfonds in Erwägung ziehen. Oder spezielle Nachhaltigkeits-Fonds oder ETFs, die die Bedürfnisse von Stiftungen berücksichtigen.

Ich bin 93 und habe mein Vermögen sowohl in Aktien als auch in vermietete Immobilien investiert. Ich habe fünf Enkel. Was kann ich denen Gutes in Sachen Geldanlage tun?

Antwort Sie könnten Ihren Enkeln Goldbarren schenken. Die werden nicht so schnell verflüssigt wie Geld. Und sie sind als Anlage anonym - es gibt im Gegensatz zu Wertpapieren oder Immobilien kein Bankdepot und keinen Eintrag im Grundbuch.

Wir möchten für unsere Kinder (21 und 23, beide studieren) Geld anlegen, jeweils 10.000 bis 15.000 Euro für etwa sechs bis sieben Jahre. Spekulieren wollen wir nicht. Gute Aktien sind aus unserer Sicht schon eine sichere Geldanlage.

Antwort Reden Sie mit einem Vermögensverwalter. Denkbar wäre zum Beispiel ein offensiver Mischfonds mit einem Aktienanteil von 70 Prozent.

Ich habe mein Geld bei einem Robo-Advisor angelegt und dieses Jahr schon 2,5 Prozent Verlust gemacht. Was empfehlen Sie?

Antwort Vermögensverwaltung ist eine langfristige Sache. Gerade, wenn Aktien im Spiel sind, sollten Sie nicht aufgrund kurzfristiger Kursverluste verkaufen. Solche Schwankungen sind immer möglich.

Ich bin Mitte 70 und möchte mein Geld sicher anlegen, aber trotzdem Zinsen bekommen. Zudem muss ich rankommen können. Was raten Sie?

Antwort Versuchen Sie es doch mit der Treppenstrategie. Dabei teilen Sie Ihr Geld in mehrere Tranchen auf, zum Beispiel in fünf. Schließen Sie Festgelder mit verschiedenen Laufzeiten ab, zum Beispiel 5, 4, 3, 2 und ein Jahr. Auf diese Weise wird jedes Jahr ein Festgeld fällig und ein Teil Ihres Geldes ist verfügbar. Brauchen Sie es nicht, legen Sie es erneut für fünf Jahre fest.

Ich habe Geld für eine Immobilie gespart, will jetzt aber doch keine kaufen. Wie soll ich das anlegen?

Antwort Wenn Sie zehn bis 15 Jahre Zeit haben, können wir Ihnen zum Beispiel die Pantoffelmethode empfehlen. Das ist ein Depotvorschlag von Finanztest mit ETF. Die Geldanlage heißt so, weil sie so bequem ist. Ein Teil des Geldes fließt in einen weltweiten Aktien-ETF, der andere in Zinsanlagen. Einmal angelegt, können Sie das Depot weitgehend sich selbst überlassen.

Ich bin mir unsicher, was die Zukunft des Euro angeht. In welche Währung soll ich mein Geld am besten in Sicherheit bringen?

Antwort Die Frage ist, was passieren würde, wenn der Euro wirklich zusammenbräche. Hätten wir dann eine neue, harte Mark, könnten Sie Ihr Geld womöglich nur mit Kursverlusten zurücktauschen. Geldanlagen in fremden Währungen sind immer spekulativ.

Mein Enkel will vermögenswirksame Leistungen anlegen. Was empfehlen Sie?

Antwort Für junge Leute empfehlen sich vor allem Aktienfonds. Die haben die größten Renditechancen. Und die Arbeitnehmersparzulage ist höher.

Ich überlege mir, einen Teil meines Geldes in Aktienfonds anzulegen. Allzuviel sollte es nicht sein, weil ich einen Teil des Geldes vielleicht bald brauche. Meine Bank empfiehlt mir einen Mischfonds.

Antwort Mischen Sie in diesem Fall lieber selbst. Dann können Sie den Aktienfonds längerfristig laufen lassen und das Geld, das Sie kurzfristig benötigen, aus den Zinsanlagen entnehmen. So sind Sie flexibler.

Ende des Jahres läuft eine Geldanlage mit 42.000 Euro zu zwei Prozent aus. Außerdem habe ich 14.000 Euro in Aktien- und 5000 Euro in Immobilienfonds investiert. Was empfehlen Sie bei mittlerer Risikoneigung?

Antwort Zertifikate auf den Euro Stoxx 50 oder Aktienkäufe für eine kleinere Summe. Möglich sind auch Mischfonds mit ertragreichen Anleihen (zum Beispiel von Schwellenländern). Klassische Anleihen werfen gegenwärtig kaum eine Rendite ab.

Quelle: RP
 
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