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Verbraucherschützer skeptisch
Sollten wir Krankenkasse oder Autoversicherung mit Daten bezahlen?

Welche Versicherungen brauchen Sie?
Welche Versicherungen brauchen Sie? FOTO: ddp
Frankfurt/M.. Die Digitalisierung krempelt auch die Versicherungsbranche um. Künftig wollen vor allem Krankenkassen und Kfz-Versicherungen ihren Kunden Vergünstigungen bieten, wenn die im Gegenzug Daten zu ihrer Gesundheit oder ihrem Fahrverhalten offenlegen. Verbraucherschützer sehen die Entwicklung sehr skeptisch.

Was tut sich bei den Kfz-Versicherern?

Bereits fünf Versicherungen, unter anderem die Signal Iduna und AXA bieten sogenannte Telematik-Tarife an. Die beiden größten Kfz-Versicherer, die Huk-Coburg und die Allianz, wollen 2016 nachziehen.

Wie funktionieren Telematik-Tarife?

Die Grundidee ist, das Fahrverhalten der Verbraucher zu überwachen und sicheres, vorausschauendes Fahren mit Preisnachlässen zu belohnen. Das funktioniert entweder über eine Smartphone-App oder ein Zusatzgerät, eine kleine Box, die der Fahrer in seinem Auto anbringt. Kriterien, die sich negativ auf die Versicherung auswirken, sind beispielsweise: hartes Bremsen, hohe Geschwindigkeit, Nachtfahrten oder schnelles Beschleunigen.

Wo liegen Vorteile der Telematik-Tarife?

Wer die Kriterien der Versicherer beherzigt, kann derzeit in Deutschland bis zu 40 Prozent sparen. In anderen Ländern sind die Tarife schon weiter verbreitet - etwa in den USA. Dort nutzen rund zehn Prozent der Versicherten Telematik-Angebote. Die Unfallzahlen der Kunden mit Telematik-Tarifen sanken einer Studie zufolge um 40 Prozent.

Welche Nachteile gibt es?

Problematisch sind die Bonus-Tarife unter Datschenschutzaspekten. Denn: Box oder App übermitteln zahlreiche sensible Daten. Der Versicherer weiß theoretisch wann, wo und wie der Kunde unterwegs ist. Im schlimmsten Fall kann die Police gekündigt werden. Auch Dritte könnten an die Daten gelangen.

Was tut sich bei den Krankenkassen?

Die Kassen denken über Tarife nach, mit denen Kunden Geld sparen können oder Sachprämien bekommen, wenn sie im Gegenzug gesundheitsbezogene Daten liefern. Die AOK Nordost etwa will Anfang 2016 ein "neues Bonus- und Prämienprogramm auf digitaler Basis" anbieten. Es soll die Versicherten "zu einem gesunden Lebensstil motivieren", erklärt die AOK. Wie genau es funktioniert, ist noch nicht bekannt.

Mehr ist dagegen über ein Vorhaben der Versicherungsgruppe Generali durchgesickert, das gesundheitsbewussten Kunden Rabatte gewährt. Es soll über ein Handyprogramm funktionieren und im ersten Halbjahr 2016 starten.

Wie funktionieren die neuen Gesundheits-Tarife?

Einfach ausgedrückt "überwachen" die Versicherungen ihre Kunden im Alltag und belohnen sie für eine gesunde Lebensführung. Kriterien dafür sind etwa Bewegungsprofile, Analysen vom Schlafverhalten oder Angaben über die Ernährung. Möglich ist, dass Versicherungen dafür eigene Apps anbieten, die Kunden auf ihrem Smartphone installieren oder eine Anwendung eines anderen Anbieters nutzen. Bereits jetzt gibt es einer Studie des Universitätsklinikums Freiburg zufolge weltweit mehr als 380.000 sogenannte Gesundheits- Lifestyle- oder Fitness-Apps.

Welche Vorteile könnten die neuen Gesundheits-Tarife mit sich bringen?

Abgesehen davon, dass sich mit den Tarifen wohl Geld sparen lässt, lernen die Kunden viel über ihre eigene Gesundheit und könnten durch die datenstarken Programme animiert werden, noch gesünder zu leben. Schon heute vermessen viele Hobby-Sportler beispielsweise ihre wöchentlichen Jogging-Runden im Park.

Warum warnen Verbraucherschützer davor?

Die Bundesdatenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff warnt vor Fitness-Apps, weil sie zum Teil "sehr sensible Gesundheitsdaten" von Versicherten an deren Krankenkassen übermitteln. Damit könnten Herzfrequenz, Trainingszustand, Essverhalten oder die komplette Krankengeschichte erhoben werden. Vor allem Kunden privater Krankenkassen sollten nicht unbedacht mit ihren Gesundheitsdaten umgehen, betont Voßhoff. Die mit der Offenlegung der Daten verbundenen kurzfristigen, finanziellen Vorteile sollten gegen die langfristigen Gefahren abgewogen werden.

(felt/AFP)
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