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Frankfurt
Sorge vor hartem Brexit lässt Pfund abstürzen

Frankfurt. Die britische Währung fällt auf ein 31-Jahres-Tief. Premier Theresa May hatte für März harte Austrittsverhandlungen angekündigt. Von Michael Braun

An den Finanzmärkten ist die Angst vor einem harten Brexit zurück. Die Ankündigung von Premierministerin Theresa May, das Verfahren zum Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union bis Ende März einzuleiten, setzte das Pfund stark unter Druck. Die britische Währung fiel gestern auf eine Stand, der tiefer war als am 23. Juni, dem Tag des Brexit-Votums. Das Pfund stürzte auf 1,27 Dollar ab. Das war der tiefste Stand seit Juni 1985. Gegenüber dem Euro fiel der Sturz etwas geringer aus, weil auch der Euro unter Druck geriet. Ein Pfund brachte nur noch 1,14 Euro. Vor einem Jahr waren es noch 1,25 Euro. Die Briten müssen also immer mehr Pfund in die Hand nehmen, wenn sie Waren aus Deutschland, aus anderen Euroländern und dem Dollarraum kaufen wollen.

"Der Brexit wird durchgezogen", dieser Eindruck verbinde sich mit dem jüngsten Auftritt der britischen Premierministerin auf dem Parteitag der Konservativen, sagte Antje Praefcke, Devisenmarktanalystin der Commerzbank. Theresa May hatte am Sonntag in Birmingham ein "Great Repeal Bill" ("Großes Abschaffungsgesetz") angekündigt. Es solle "die Herrschaft des EU-Rechts über Großbritannien beenden". Zugleich hatte sie harte Verhandlungen angekündigt: "Wir verlassen die EU nicht, um noch einmal die Kontrolle über die Einwanderung abzugeben." May habe damit deutlich gemacht, dass sie einen harten Brexit anstrebe, schreibt Eugen Keller vom Bankhaus Metzler.

Dass zugleich der Londoner Aktienmarkt fester notierte, irritierte einige Beobachter. Sie erklärten es sich damit, dass der Devisenmarkt die "Risikoperspektive" einnehme, während der Aktienmarkt auf die Chancen der Geldpolitik setze. Seit März 2009 lag der britische Leitzins bei nur 0,5 Prozent. Die Bank von England hatte ihn kürzlich auf 0,25 Prozent halbiert und das Anleihekaufprogramm beibehalten - trotz recht guter Konjunkturdaten. Die waren der Zentralbank aber weniger wichtig als die Sorge, der Brexit könne die Lage bald schon verschlechtern. Gut kamen an der Börse auch Hinweise des britischen Finanzministers Philip Hammond an. Der will die Staatsausgaben erhöhen, um die Wirtschaft zu stützen.

Das wird sie nötig haben, erwartet Antje Praefcke: "Investitionen werden zurückhaltender kommen", sagt die Commerzbank-Expertin voraus, und zwar nicht nur die aus dem Ausland, sondern auch die britischer Unternehmen. Schließlich wisse niemand, wie sich die britische Wirtschaft ohne Zugang zum europäischen Binnenmarkt schlagen werde. Der Zugang ist in der Tat bedroht. Denn wenn London den Arbeitnehmern der anderen EU-Länder keine Freizügigkeit gewährt, wird die EU nicht bereit sein, den britischen Unternehmen freien Zugang zu ihren Warenmärkten aufrecht zu erhalten. Mit anderen Worten: Die britische Exportwirtschaft muss sich auf empfindliche Einbußen einstellen.

Der Pfund-Absturz wiederum trifft deutsche Exporteure, da ihre Waren für die Briten immer teurer werden. Allein die Hälfte aller deutschen Autoexporte gehen auf die britische Insel. Die Chemieindustrie schaffte im vorigen Jahr chemische und pharmazeutische Produkte für 12,9 Milliarden Euro auf den britischen Markt. Deutsche Maschinenbauer erlösten 7,2 Milliarden Euro im Handel mit den Briten.

Quelle: RP
 
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