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Essen
Städte verbitten sich Ratschläge von RWE

Essen. Die Städte sind sauer über den Finanzchef. Sie entscheiden heute, ob sie den Vorstand nicht entlasten. Von Antje Höning

Vor der Hauptversammlung des zweitgrößten deutschen Energiekonzerns gehen die Wogen hoch. Heute wollen die Kommunen, die rund ein Viertel der RWE-Anteile halten, festlegen, ob sie dem RWE-Vorstand um Peter Terium morgen die Entlastung verweigern, wie es aus kommunalen Kreisen heißt. Die Städte sind sauer über die Streichung der Dividende und das ruppige Verhalten des Vorstands.

Gestern hatte RWE-Finanzvorstand Bernhard Günther Öl ins Feuer gegossen. Ein Antrag auf Nicht-Entlastung würde keinem helfen. "Das wäre kein gutes Signal insbesondere an die großen Investoren aus der angelsächsischen Region", hatte Günther der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" gesagt.

Die Reaktion folgte prompt: "Wir kommunalen Aktionäre brauchen keine ungebetenen Ratschläge", sagte Ernst Gerlach, Geschäftsführer des Verbands kommunaler RWE-Aktionäre, unserer Redaktion. Bereits im Februar hatte Gerlach den "schlechten Stil" des Konzerns kritisiert, der die Städte mit der kompletten Streichung der Dividende für 2015 überrascht hatte. Das sei unglaublich vertrauenszerstörend gewesen.

Zudem will RWE den Kommunen keinen Sitz im Aufsichtsrat der Tochter Newco geben, in die er die Zukunftsgeschäfte Netze, Vertrieb und Ökostrom verlagert hat. Doch hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Um die Wogen zu glätten, verhandele der designierte Aufsichtsrats-Chef Werner Brandt noch mit allen Seiten, heißt es in Aufsichtsrats-Kreisen. Die Kommunen sind Partner bei vielen Newco-Geschäften, ein Kontrollmandat könnte sie wohl befrieden.

Doch auch von anderen Aktionären wird es Kritik geben. Die RWE-Aktie hat im vergangenen Jahr 54 Prozent an Wert verloren, Terium war größter Kapitalvernichter im Dax. Nun fällt die Dividende aus - und es ist nicht abzusehen, wann RWE je wieder welche zahlt. Die Commerzbank hatte jüngst in einer Analyse erklärt: "Wir halten es für wahrscheinlich, dass die Kern-RWE die Dividende für längere Zeit streicht, da sie ihre Mittel zum Schuldenabbau sowie zur Finanzierung der Atom- und Braunkohle-Rückstellungen braucht." Als Verschuldungsfaktor (Verhältnis Schulden zu Gewinn) erwartet die Bank fast fünf. Als gut tragbar gilt drei.

Die Dividende, die die Newco künftig an RWE ausschüttet, dürfte kaum reichen, um die künftigen Verluste der Kraftwerkssparte auszugleichen. Zudem sind auch die Aussichten für die Newco nicht rosig: Die staatlich regulierten Erträge im Netzgeschäft sinken. Und mit dem Ökostrom ist es bei RWE nicht weit her. Zur Bilanz-Vorstellung hatte Terium den Ökostrom-Anteil mit "zehn Prozent" angegeben. Doch das bezieht sich nur auf die Kapazität. Bei der Erzeugung sind es nur fünf Prozent.

Sollten die Städte ernst machen und dem Vorstand in der Grugahalle die Entlastung verweigern, hätte dies zwar keine unmittelbaren Folgen. "Doch sie wäre schleichendes Gift", heißt es in Aufsichtsrats-Kreisen. Eine Nicht-Entlastung würde den Börsengang der Newco ebenso belasten wie ihren Chef Terium.

Die Fondsgesellschaft Union Investment kündigte dagegen an: "Wir werden den Vorstand auf der Hauptversammlung trotz der hohen Kursverluste entlasten", sagte Fondsmanager Ingo Speich unserer Redaktion. "Wir werden auch der Streichung der Dividende zustimmen. Das hatten wir schon 2015 gefordert. RWE kann es sich derzeit nicht leisten, mehr Geld auszuschütten."

Quelle: RP
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