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Essen
Steag geht bei Vattenfall leer aus

Essen. Der tschechische Versorger EPH soll die ostdeutsche Braunkohle bekommen.

Gute Nachricht für das Ruhrgebiet: Der Stromkonzern Steag, der im Besitz von sieben NRW-Stadtwerken ist, geht beim Bieterverfahren um die ostdeutsche Braunkohle wohl leer aus. Statt dessen soll der tschechische Versorger EPH den Zuschlag bekommen, wie es in Branchenkreisen heißt.

Vattenfall hat seine ostdeutschen Braunkohle-Kraftwerke und Tagebaue, die insgesamt 8000 Beschäftigte haben, zum Verkauf gestellt. Der schwedische Konzern will aus Klimaschutz-Gründen nichts mehr mit Braunkohle zu tun haben. Wegen der Talfahrt der Strom-Großhandelspreise haben die Kraftwerke im Zuge des Verkaufsprozesses aber dramatisch an Wert verloren. EPH und der Finanzinvestor PPF müssen jetzt wohl nur noch einen niedrigen Millionen-Betrag zahlen

Die Steag hatte sich mit dem Investor Macquarie verbündet und ihren Hut in den Ring geworfen. Das hatte in NRW Kritik ausgelöst. Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) hatte gewarnt: "Es ist nicht die Aufgabe von Stadtwerken im Ruhrgebiet, die Abwicklung der ostdeutschen Braunkohle zu organisieren und Braunkohle-Jobs in der Lausitz zu erhalten." Auch vier der hinter den Steag-Stadtwerken stehenden Kommunen wie Essen hatten Widerstand angekündigt.

Die Kritiker fürchten hohe Belastungen, die die Steag nicht stemmen könne. Ihr brechen bereits selbst die Gewinne weg. Sie und die Gewerkschaft IG BCE hatten sich für eine Stiftungslösung stark gemacht: Danach sollte eine Stiftung die Braunkohle übernehmen, die Steag sollte nur Betreiber sein. Am Ende sollte der Steuerzahler laut IG BCE für die Stiftung einstehen.

So kompliziert wollte es EPH nicht. Die Tschechen sollen am Ende die größten Zugeständnisse bei Rückstellungen und kaufpreis gemacht haben, hieß es gestern. EPH-Verwaltungsratschef Daniel Kretinsky hatte bereits im März erklärt, man sei sich bewusst, dass das Geschäft in den nächsten Jahren Geld verbrennen werde und man keine Dividende zahlen können werde. Die Verträge sollen in den kommenden Wochen unterzeichnet werden. Die Betroffenen wollten sich nicht äußern.

(anh/rtr)
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