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Fessenheim
Streit um AKW-Panne in Frankreich

Fessenheim. Nach Überflutung und Zwangsabschaltung schlagen Atomkraftgegner Alarm. Von Christine Longin

Der Bericht erschien ausgerechnet am Tag des Besuchs von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Paris: Im Atomkraftwerk (AKW) Fessenheim an der deutsch-französischen Grenze soll sich vor zwei Jahren eine schwere Panne ereignet haben. Eine Überflutung in Block eins habe zu einer "Abfolge von technischem Versagen und Chaos" geführt, schrieb die "Süddeutsche Zeitung". Experten sehen einen bisher einzigartigen Vorfall in Westeuropa. Die Reaktion aus Berlin folgte nur wenige Stunden später: "Fessenheim muss vom Netz", forderte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Doch die französische Atomaufsicht ASN sieht dazu keinen Grund.

Der Störfall im ältesten französischen Atommeiler soll sich am 9. April 2014 ereignet haben. Eine Überschwemmung brachte Wasser in die Schaltschränke mit der Sicherheitselektronik in Reaktor eins. Die Steuerstäbe, mit denen die Leistung des Reaktors gelenkt wird, waren manövrierunfähig. Obendrein wurde durch das Wasser in den Schaltschränken eines der beiden parallelen Sicherheitssysteme außer Kraft gesetzt, so dass der Reaktor durch eine Einleitung des chemischen Elements Bor heruntergefahren werden musste.

Der Betreiber EDF ordnete den Vorfall auf der internationalen siebenstufigen INES-Skala nur auf Stufe eins ein. Experten sehen die Situation deutlich dramatischer: "Mir ist kein Fall bekannt, bei dem ein Leistungsreaktor in Westeuropa störfallbedingt durch Zugabe von Bor abgefahren werden musste", sagte der AKW-Experte Manfred Mertins. Grünen-Chefin Simone Peter kritisierte im WDR: "Ein Betreiber, der wie ein Hasardeur agiert, eine Aufsicht, die beide Augen zudrückt, und ein AKW, das aus dem letzten Loch pfeift. Das ist nicht hinnehmbar." Atomkraftgegner aus Deutschland, der Schweiz und Frankreich weisen seit Jahren auf die Gefahren in Fessenheim hin. Die beiden Reaktoren liegen in einer erdbebengefährdeten Zone am Oberrheingraben, knapp 30 Kilometer von Freiburg entfernt.

Doch die französische Regierung spielt auf Zeit: Präsident François Hollande hatte im Wahlkampf die Schließung des AKW bis zum Ende seiner Amtszeit im Mai 2017 versprochen. Umweltministerin Ségolène Royal ist davon abgerückt. Sie knüpft das Aus für Fessenheim an die Inbetriebnahme des Druckwasserreaktors EPR in Flamanville, die sich immer weiter verzögert. Inzwischen ist vom vierten Quartal 2018 die Rede.

Quelle: RP
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