Umweltschützer skeptisch, FDP fordert Abschaffung: Streit um die "gelbe Tonne"
zuletzt aktualisiert: 21.07.2006 - 15:06Hamburg (rpo). Die "gelbe Tonne" wird zum Zankapfel. Umweltschützer bemängeln, dass das System mit der Mülltrennung nicht richtig funktioniert. Verbraucher boykottieren es. Die FDP findet, die Deutschen seien vom Sortier-Zwang lang genug geplagt worden. Das Umweltbundesamt aber erklärt: Vorerst wird weiter gesammelt und geordnet. Immerhin: Man suche nach neuen Wegen.
Tatsächlich forscht das Umweltbundesamt nach Methoden, Haushaltsmüll besser und günstiger zu trennen. "Bereits seit mehreren Jahren testen verschiedene Abfallentsorger Anlagen, die die Abfälle aus Haushalten vollautomatisch nach Wertstoffen wie Kunststoff, Glas, Metall oder Papier trennen", teilte die Behörde mit. Sollten die Versuche entsprechende Ergebnisse liefern, könnte die Trennung in den Haushalten einges Tages überflüssig werden.
Kurzfristig stehe das aber überhaupt nicht zur Debatte. Zwar gebe es "Testläufe" mit modernen Sortieranlagen, die verwertbare Materialien einfach aus dem Restmüll fischen. Aber, so ein Sprecher des Umweltbundesamtes: "Solche Systeme sind noch nicht marktfähig."
Für die Zukunft sei ausschlaggebend, ob eine neue Form der Trennung auch wirtschaftliche Vorteile habe. Dafür sei ein langfristiger Großversuch nötig. Einige Kommunen in Rheinland-Pfalz sowie in Leipzig sind bereits in diesen Genuss gekommen, in Nordrhein-Westfalen stehen Tests bevor. Dabei werfen die Bürger wieder alle Verpackungen und sämtlichen Restmüll in die graue Tonne. In modernen Test-Anlagen, wie es sie in Essen und Trier gibt, werden die Abfälle dann automatisch getrennt.
Verbraucher sind trennungs-müde
Hintergrund ist die zunehmende Trennungs-Müdigkeit der Bürger. In der grauen Tonne, also im Restmüll, landen nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe bis zu 35 Prozent Wertstoffe, die noch anderweitig genutzt werden können. Darunter sind auch viele Verpackungen vom Joghurtbecher bis zum Waschmittelpaket, die in die Gelbe Tonne gehören.
Dass sich jetzt etwas ändert fordert vor allem die FDP. "Die deutschen Haushalte wurden durch die jetzige Mülltrennung lange genug geplagt", befindet FDP-Umweltexpertin Birgit Homburger. Die Trennung von Hand sei "technisch überholt". Auf Bundesebene gibt es hierfür allerdings noch keine politische Mehrheit: Bereits Ende 2003 scheiterte die FDP im Bundestag mit einem Antrag zur Abschaffung des Gelben Sacks.
Umweltschützer sind skeptisch
Doch auch bei Umweltschützern ist die Gelbe Tonne umstritten. "Wir sind große Skeptiker des Grünen Punkts", sagt Eva Leonhardt von der Deutschen Umwelthilfe AFP. Grund sind die schlechten Verwertungsquoten.
Außerdem bereitet der Umwelthilfe die Übernahme des Dualen Systems Deutschland (DSD) durch den US-Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts (KKR) Anfang 2005 Unbehagen. Dem 1990 als Non-Profit-Organisation gegründeten DSD gehe es inzwischen "allein um den Preis", sagt Leonhardt. Eine DSD-Sprecherin sagte dagegen, es habe sich an der Geschäftstätigkeit "nichts geändert". Die Firma verfolge weiter hohe Umweltstandards.
Papier, Glas und Bioabfälle sollen auf alle Fälle weiter getrennt gesammelt werden.
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