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Tennet erhöht Netzentgelte um 80 Prozent
Strom wird für Durchschnittshaushalt 30 Euro teurer

So setzt sich der Strompreis zusammen
So setzt sich der Strompreis zusammen FOTO: ddp
Düsseldorf . Der Stromnetzbetreiber Tennet hebt die Netzentgelte zum Jahreswechsel kräftig an. Sie würden "um 80 Prozent steigen".

Das sagte der Vorsitzende der Tennet-Geschäftsführung, Urban Keussen, dem "Handelsblatt". Für einen Drei-Personen-Haushalt werde die zusätzliche Kosten von 30 Euro im Jahr bedeuten. Laut Bundesnetzagentur machen Netzentgelte etwa ein Fünftel des Strompreises für Privatkunden aus.

Als Hauptursache für die Preiserhöhung nannte Keussen, "dass der Netzausbau nicht so schnell vorankommt wie der Zubau der Erneuerbaren". Während der eigentliche Netzausbau lediglich für fünf Prozent der Kostensteigerungen verantwortlich sei, machten "netzstabilisierende Notmaßnahmen" 95 Prozent aus. Es werde somit deutlich, dass die Ausbauverzögerungen "wesentlich höhere Kosten zu Folge haben als der Netzausbau selbst".

Im Zuge der Energiewende sind neue Hochspannungsleitungen notwendig. Das hängt vor allem damit zusammen, dass in und an der Nord- und Ostsee immer mehr Strom aus Windkraft produziert wird. Zugleich werden bis 2022 nach und nach die Atomkraftwerke stillgelegt, von denen viele im Süden der Republik stehen. Der Strom muss deshalb anders verteilt werden als bisher - und die bestehenden Netze reichen dafür nicht aus.

Bürgerproteste verzögern Ausbau

Unter anderem wegen Bürgerprotesten verzögert sich der Ausbau seit Jahren. Zuletzt prognostizierte die Bundesnetzagentur in diesem Sommer, dass sich die Inbetriebnahme mehrerer großer Stromautobahnen um bis zu drei Jahr verzögert. Hintergrund ist die politische Entscheidung vom vergangenen Jahr, vorrangig Erdkabel zu verlegen, um Anwohner zu beruhigen.

Tennet ist einer von vier Übertragungsnetzbetreibern in Deutschland. Firmenchef Keussen sagte dem "Handelsblatt", die Netzbetreiber trieben den Ausbau zwar voran. Sie bräuchten aber "die Unterstützung der Politik und zügige Genehmigungsverfahren".

(felt/AFP)
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