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Düsseldorf
Telekom-Spitze treibt Diskussion über Grundeinkommen voran

Düsseldorf. Beim Empfang der IHK Düsseldorf trug Personalvorstand Illek Ideen seines Chefs Tim Höttges vor, hielt aber auch zu großen Teilen eine eigene Rede.

Eigentlich wollte Telekom-Chef Tim Höttges zum Neujahrsempfang der Industrie- und Handelskammer (IHK) kommen und mit den 1000 Gästen über die "Vernetzung Europas" reden. Doch da plötzlich seine Mutter gestorben ist, trug Telekom-Personalvorstand Christian Illek seine Rede vor und ergänzte sie mit vielen eigenen Gedanken.

Die Grundprognose der Rede: "Die Software siegt über die Hardware." Hier entstehe künftig die meiste Wertschöpfung. Beispiel: Beim Marktanteil von Smartphones  sei Samsung überlegen, jedoch habe Apple die Hoheit über das Betriebssystem und verdiene entsprechend mehr pro Gerät. Jedoch dürfe man sich nicht (wie etwa Blackberry) abschotten. Wichtiger sei es, Daten und Inhalte zu teilen. Dafür sei Datensicherheit zentral. Höttges und Illek warben für Clouds, in denen sich Datenmengen extern speichern lassen. Das sei sicherer als viele PC, zumal viele Nutzer einfallslos bei Passwörtern seien. Zu den 25 häufigsten Passwörtern der Welt zählen "123456", "Password", "Let me in" und "Superman".

Der Vorstand der Telekom ist überzeugt: "Digitalisierung schafft neuen Wohlstand." Die Rechnerleistung verdoppele sich alle 18 Monate, entsprechend leistungsfähiger würden Rechner und Roboter. Das bleibt nicht ohne Folgen: Die Arbeitswelt verändere sich radikal. "Arbeit erlangt die gleiche Mobilität wie Kapital." Es gebe immer weniger Festangestellte, aber immer mehr Projektarbeiter. "Schaffen Sie neue Arbeitszeitmodelle, öffnen Sie sich für neue Typen von Mitarbeitern", empfahl Illek als Personalvorstand den Düsseldorfer Unternehmern. Künftig würden Nerds die Unternehmensspitze erobern, also Mitarbeiter, die extrem auf Computerarbeit spezialisiert sind.

Die Kehrseite der Entwicklung: "Wir müssen den Mut haben, die soziale Sicherung neu zu denken." Damit das Versprechen der Marktwirtschaft, Wohlstand für alle, nicht in Gefahr gerate, müsse man auch über ein Grundeinkommen für jedermann nachdenken. Dies hatte Höttges vor einigen Wochen in einem Interview der "Zeit" vorgetragen, aber Illek bekannte sich als Personalvorstand ausdrücklich zu der Notwendigkeit, die Idee zu diskutieren. Das heißt: Jeder bekommt vom Staat ein Grundeinkommen, egal ob er arbeitet oder nicht.

Illek ordnete die Idee erneut ein: Ansätze wie jeder bekommt vom Staat auch ohne Arbeit ein Grundeinkommen seien für die Gegenwart nicht brauchbar. Da die Digitalisierung die Gesellschaft aber massiv verändere und immer mehr Arbeitsplätze unnötig mache, dürfe man solche Instrumente für die Zukunft nicht allein deshalb ausschließen.

Der Hintergrund ist ein Phänomen, das der gesamten Spitze der Telekom Sorgen macht: Die Digitalisierung führe dazu, dass sehr wenige Unternehmen wie Apple, Google, Facebook sehr große Teile der Wertschöpfung an sich ziehen und damit auch deren Aktionäre reich mache, aber das Einkommen der Bevölkererungsmehrheit würde beispielsweise in den USA stagnieren.  Um das Phänomen zu demonstrieren, war während der Rede ein Chart gezeigt worden, dass der Börsenwert von Apple, Google, Facebook und des Onlinehändlers Amazon höher sei als der Wert der 30 größten Aktiengesellschaften Deutschlands (Dax 30).

Genug Stoff für Debatten mit IHK-Präsident Ulrich Lehner, dem neuen Hauptgeschäftsführer Gregor Berghausen und seinem Vorgänger Udo Siepmann, der gestern verabschiedet wurde. Lehner spielte gemeinsam mit einer Band sogar das Lied "Autumn" (Herbst) zu Ehren von Siepmann auf der Bühne- es gab viel Beifall. Zu den Gästen zählten weiter Simone Bagel-Trah (Henkel), Werner Dornscheidt (Messe), Andreas Ehlert (Handwerk).

(anh/rky)
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