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Bonn
Telekom muss schwierige Personalie klären

Bonn. Am Dienstag kommt der Aufsichtsrat zusammen. Gegen einen Vorstand wird ermittelt.

Der Aufsichtsrat der Telekom wird am Dienstag wohl keine Alternative haben, als sich mit einer unangenehmen Thematik zu beschäftigen: Schon seit rund fünf Monaten ermittelt die Staatsanwaltschaft Bremen gegen den Telekom-Vorstand Thomas Kremer. Sie wirft ihm vor, als früherer Chief Compliance Officer von ThyssenKrupp indirekt für Korruption mitverantwortlich zu sein. Dieser öffentlich bekannte Vorwurf ist für den promovierten Juristen umso ärgerlicher, weil eine seiner Hauptaufgaben auch bei der Telekom ist, für sauberes Management ("Compliance") zu sorgen. Und die Justiz meint, vielleicht habe sich der 1958 geborene Kremer mitschuldig gemacht, weil er bei einer Gemeinschaftsfirma von ThyssenKrupp und Airbus zu wenig gegen fragwürdige Machenschaften vorgegangen sei.

Kremer streitet alle Vorwürfe ab. Er genießt soviel Rückhalt im Aufsichtsrat, dass keiner auf die Idee kam, ihn wegen der Affäre freizustellen. Aufsichtsratschef Ulrich Lehner lobte ausdrücklich die Arbeit von Familienvater Kremer - aber bezogen auf die Telekom. Die Telekom erklärte gestern auf Nachfrage, es gäbe zu den Ermittlungen keine neuen Erkenntnisse - das Verfahren scheint also nicht zu Ende.

Die Frage ist nun, ob die Aufseher den im Sommer 2017 auslaufenden Vertrag von Kremer am Dienstag trotz der Vorwürfe vorzeitig verlängert. Hätte Familienvater Kremer die Ermittlungen nicht am Hals, wäre das wahrscheinlich - der Konzern verlängert Verträge von Vorständen meist ein Jahr vor Auslaufen. Denkbar wäre auch eine Verlängerung mit Einschränkung: Rücktritt bei Anklage oder Verurteilung.

(rky)
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