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Düsseldorf
Terrorangst: Deutsche reisen lieber mit Auto

Düsseldorf. Statt in den Flieger zu steigen, wählen die Bundesbürger dieses Jahr vermehrt Reiseziele aus, die auch mit dem Pkw zu erreichen sind. Von Beate Wyglenda

Nicht erst die jüngsten Anschläge am Flughafen in Brüssel haben die Lust der Deutschen aufs Fliegen getrübt. Reisebüros beobachten eine Zurückhaltung der Kunden. Der Deutsche Reiseverband veröffentlichte erst kürzlich Zahlen, denen zufolge die Nachfrage für einen Urlaub im eigenen Land um 15 Prozent gestiegen ist. Nun bestätigt auch eine Studie der Suchmaschine für Ferienwohnungen, Holidu: Jene, die sich für einen Trip entscheiden, wählen lieber Reiseziele, die mit dem Auto erreichbar sind. Auf Platz eins der Nordrhein-Westfalen stehen die Niederlande.

Vor allem bei Familien und Paaren seien Fahrten etwa auf die westfriesische Insel Texel, zum Badeort Zandvoort oder in die Hauptstadt Amsterdam beliebt. Das passt: Laut einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) reagieren gerade Familien mit Kindern sensibel auf die Anschläge der vergangenen Monate. 30 Prozent der Befragten gaben an, auf Sicherheit zu setzen und die Reisepläne anpassen zu wollen. Bei den Befragten ohne Kinder waren es nur 16 Prozent.

Die unter 34-Jährigen, so Holidu, ziehe es derzeit nach Kroatien. Aber auch die übrigen Bundesländer lasse das Land der Windmühlen kalt. Während der Norden Deutschlands Dänemark bevorzugt, zieht es die Einwohner der südlichen und östlichen Bundesländer am liebsten nach Italien. Ein Trend ist aber in allen Bundesländern zu erkennen: "In ganz Deutschland sind erdgebundene Ziele derzeit sehr gefragt, also Reisedestinationen in Autodistanz", sagt Johannes Siebers von Holidu. "Wir sehen eine starke Nachfrage für die nahen Reiseziele in Deutschland und der direkten Umgebung, weil die Leute wohl wirklich weniger fliegen möchten."

Das stellt zurzeit auch Dieter Commodore, Büroleiter des Thomas-Cook-Reisebüros in Düsseldorf, fest. "Das Kundenverhalten ist dieses Jahr sehr zurückhaltend. Es herrscht allgemein eine Verunsicherung wegen der Terroranschläge", erklärt er. Ein Teil der Kunden verschiebe daher die Entscheidung über den Sommerurlaub und warte ab. Besonders starke Zurückhaltung sei bei Buchungen in arabische Länder zu beobachten. Die Buchungen für die Türkei liegen etwa 25 Prozent unter dem Vorjahreswert. Der touristische Aufschwung in Ägypten ist verpufft. Und Tunesien gilt vielen seit dem Blutbad am Strand von Sousse als überhaupt nicht mehr sicher. Gewinner sind dagegen alle Länder im Westen Europas, darunter Spanien, Portugal, Griechenland oder Italien. "Und natürlich sind auch erdgebundene Reiseziele, die mit dem Pkw zu erreichen sind, gefragt", sagt Commodore.

Dieses Jahr nochmals beliebter als üblich ist der Urlaub im eigenen Land. "Deutschland ist das beliebteste Reiseziel der Bundesbürger und wächst bei den im Reisebüro gebuchten Veranstalterreisen aktuell um 15 Prozent", sagt eine Sprecherin des Deutschen Reiseverbands (DRV). Gerade Nord- und Ostseeküste seien besonders bei Familien in den Sommermonaten gefragt. Eine Flugangst der Bundesbürger aufgrund der politischen Situation könne der Reiseverband allerdings nicht bestätigen. So erfreuen sich auch Fernziele wie die Karibik, Mittel- und Südamerika eines Nachfrageanstiegs im zweistelligen Prozentbereich. Asien ist auf dem gleichen hohen Niveau wie 2015.

Und auch Commodore ist sich sicher, dass es die Deutschen langfristig wieder in die Ferne ziehen wird. "Der deutsche Gast schaut vor allem aufs Wetter, und damit können die mit Pkw zu erreichenden Reiseziele nicht unbedingt punkten."

Quelle: RP
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