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Palo
Tesla will zum Energiekonzern werden

Palo. Die kalifornische Firma hat die Autobranche bereits aufgemischt, nun will sie ein Solar-Unternehmen kaufen. Von Florian Rinke

Alto Einmal im Jahr entsteht in der Wüste Nevadas eine Klein-stadt. 70.000 Menschen pilgern dann ins Niemandsland, um dabei zuzusehen, wie eine riesige Holzstatue verbrannt wird. Das "Burning Man"-Festival ist zu einem Treffpunkt der Tech-Elite aus dem Silicon Valley geworden. Auch Elon Musk und seine Cousins Lyndon, Peter und Russ Rive mieteten 2004 einen Wohnwagen und machten sich auf den Weg ins Black Rock Desert. Unterwegs sprachen sie über neue Geschäftsideen, an denen es dem Südafrikaner Musk, dem Gründer des Elektroauto-Herstellers Tesla und des Raumfahrt-Unternehmens SpaceX, noch nie gemangelt hatte. Musk schlug vor, in Solarstrom zu investieren.

Zwei Jahre sammelten die Rives danach Informationen über die Branche, 2006 gründeten sie SolarCity. Die Idee war recht simpel: Das Unternehmen wollte den Einstieg für Kunden ins Sonnengeschäft viel einfacher machen. Sechs Jahre später war SolarCity der größte Installateur von Solarmodulen in den USA. - und Elon Musk einer der größten Aktionäre.

In der Person Elon Musk waren SolarCity und Tesla von Anfang an miteinander verbunden. Nun sollen sie endgültig verschmelzen. Bis zu 2,8 Milliarden Dollar bietet Tesla den SolarCity-Aktionären für die Übernahme des Ökostrom-Unternehmens an. Das entspricht einem Aufschlag von bis zu 30 Prozent auf den Schlusskurs der SolarCity-Aktie von Montag.

Schon jetzt gibt es enge Verflechtungen zwischen den beiden Musk-Unternehmen. Seit 2014 verkauft SolarCity Energiespeicher, die in Zusammenarbeit mit Tesla entstanden. So können Kunden ihren Sonnenstrom auch zwischenspeichern, um ihn zu nutzen, wenn diese mal gerade nicht scheint. Umgekehrt liefert SolarCity die Solarmodule für die Tesla-Ladestationen, an denen Kunden ihr Elektroauto kostenlos aufladen können. Nun könnten die beiden Unternehmen komplett verschmolzen werden.

Tesla würde sich damit einen strategischen Vorteil gegenüber Auto-Herstellern verschaffen: Schon jetzt verkauft das Unternehmen nicht nur das Auto, sondern stellt auch die nötige Ladeinfrastruktur bereit, deren Nutzung für Kunden kostenlos ist. Zudem bietet es seit einiger Zeit Energiespeicher an, die auch in Privathäusern verbaut werden können. Durch die Übernahme von SolarCity entstünde eine Art Energie-Ökosystem, in dem das Elektroauto nur noch ein Teil ist.

Selbst Konkurrenten äußern sich inzwischen lobend über Tesla. Lange Zeit hatten sie die Versuche der Kalifornier belächelt, nicht geglaubt, dass es tatsächlich gelingen könnte, ein rein elektrisch betriebenes Auto mit hoher Reichweite zu bauen. Inzwischen sagt etwa Thomas Hausch, Geschäftsführer von Nissan-Deutschland: "Tesla ist eine super-fantastische Marke." Auch Nissan bietet inzwischen kostenlose Ladungen an - allerdings nur bei den eigenen Händlern. Die großen Auto-Hersteller drängen daher auf einen Ausbau der Ladeinfrastruktur, weil sie hoffen, dass sich so Vorbehalte der Menschen gegenüber Elektroautos (und ihrer vergleichsweise geringen Reichweite) abbauen lassen. Hausch sagt: "Zukünftig ist Elektromobilität nicht nur was für Auto-Hersteller, auch beim Bau von Häusern müssen Steckdosen für das Auto mitgedacht werden."

Doch an denen wollen natürlich viele verdienen - zum Beispiel hierzulande große Energiekonzerne wie RWE oder Stadtwerke. Tesla könnte durch den Kauf von SolarCity alles aus einer Hand bieten.

Trotzdem stürzte die Tesla-Aktie nach Bekanntwerden der Pläne ab. Der Grund: So logisch die Idee zu sein scheint - so groß sind die Probleme. Sowohl Tesla als auch SolarCity machen regelmäßig Verluste. Es deutet wenig darauf hin, dass sich dies bald ändert. Trotzdem sagt das Tesla-Management: "Wir wären in der Lage, die Kernkompetenzen beider Unternehmen zu maximieren und auszubauen." Einer würde so oder so profitieren: Elon Musk. Seine Anteile würden von der einen in die andere Tasche wandern.

Quelle: RP
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