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Bochum
Thyssen-Aktionäre fordern mehr Gewinn

Bochum. Auf der Hauptversammlung bekam Konzernchef Hiesinger Lob für seine Sanierungsarbeit. Von Thomas Reisener

Die meisten der weltweit 160 000 ThyssenKrupp-Mitarbeiter kommen langsam wieder zur Ruhe. Auch die Aktionäre zeigten sich gestern auf der Hauptversammlung in Bochum mit dem Krisenmanagement von Konzernchef Heinrich Hiesinger zufrieden. Nur für die Stahlsparte, zu der auch der Duisburger Standort mit seinen knapp 14 000 Mitarbeitern gehört, bleiben die Zeiten ungemütlich. "Wir können für diesen Bereich keinen langfristigen Plan vorstellen", sagte Hiesinger, "aber in drei, fünf oder sieben Jahren gibt es in der Branche eine Konsolidierung. Dann werden wir uns aus der Position der Stärke heraus an einer solchen Konsolidierung beteiligen."

Ob Thyssens Stahlsparte dann Wettbewerber übernimmt? Oder selbst zum Verkauf steht? Dazu macht Hiesinger noch keine Angaben. Aber dass er die Stahlsparte in der Tendenz zugunsten der Technologie-Geschäftsfelder schrumpfen will, ist bekannt. Akute Probleme hat ThyssenKrupp in diesem Bereich jedoch nicht. "Unserem europäischen Stahlgeschäft ist es gelungen, Ergebnis und Marge zu steigern", lobte Hiesinger gestern die Wurzel des Konzerns. Zusammen mit der amerikanischen Stahlsparte, die im wesentlichen nur noch aus dem Werk in Brasilien besteht und den Materialdienstleistungen erwirtschaftete der Bereich im zurückliegenden Geschäftsjahr ein Plus von etwa 369 Millionen Euro gegenüber einem Minus von rund 116 Millionen Euro. Das konzernweite Mittelfrist-Ziel lautet zwei Milliarden Euro vor Zinsen und Steuern (Ebit). "Die zwei Milliarden, die wir angekündigt haben, funktionieren inklusive des europäischen Stahlgeschäfts", sagte Hiesinger gestern.

Insgesamt sieht er den Konzern auf gutem Weg. "Aber wir sind noch nicht über den Berg", gab er zu. Dem stimmten auch die wesentlichen Aktionärsvertreter zu. Allerdings pochten sie auf mehr Tempo bei der Konzernsanierung und drängten auf mehr Gewinn. "ThyssenKrupp ist ein Koloss auf tönernen Füßen. Der Konzern dürfe nicht zum Ankündigungsweltmeister verkommen, sagte zum Beispiel Union-Invest-Manager Ingo Speich.

Den Vorstand entlasteten die Aktionäre mit 99,6 Prozent des anwesenden Kapitals, den Aufsichtsrat mit 99,2 Prozent. Das schlechteste Ergebnis fuhr Aufsichtsratschef Ulrich Lehner mit trotzdem immer noch guten 94,7 Prozent ein. Mehrere Aktionärsvertreter kritisierten, dass Lehner mit seinen 68 Jahren vergleichsweise alt sei und außerdem zu viele Aufsichtsratsmandate auch bei anderen Konzernen wahrnehme. Unter anderem führt Lehner den Aufsichtsrat der Deutschen Telekom. Neu oder wiedergewählt in das Kontrollgremium wurden neben Lehner unter anderem Jens Tischendorf vom neuen Großaktionär Cevian, Lufthansa-Chef Carsten Spohr und der Ex-Chef der Telekom, René Obermann.

Quelle: RP
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