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Düsseldorf
Thyssenkrupp-Beschäftigte machen Druck

Düsseldorf. Heute werden bis zu 7000 Mitarbeiter des Stahlkonzerns gegen die geplanten Sparmaßnahmen demonstrieren. Die Sorge ist groß, dass das Management wortbrüchig wird und die Standort- und Stellengarantie ignoriert. Von Maximilian Plück

Beim Stahlaktionstag im April versammelten sie sich noch gemeinsam auf dem Platz vor der Duisburger Thyssenkrupp-Steel-Zentrale. Beschäftigte und Manager standen beieinander, um bessere Bedingungen für ihre Branche zu fordern: Zölle gegen Dumping-Stahl aus China, Ausnahmen bei der Ökostrom-Umlage und eine Schonung bei der geplanten Verschärfung der Klima-Zertifikate durch die EU.

Heute werden wieder Tausende auf dem Rasen zwischen Kaiser-Wilhelm- und Franz-Lenze-Straße stehen und lautstark protestieren. Allerdings wird man Manager des zweitgrößten europäischen Stahlkonzerns unter den Demonstranten vergeblich suchen. Denn aus den Mitstreitern vom Aktionstag im April sind inzwischen Gegner geworden.

Aufgerufen zu dieser zweiten Großdemonstration innerhalb von nur knapp fünf Monaten hat die IG Metall. Der Veranstaltungsbeginn wurde bewusst auf "fünf vor zwölf" gelegt, um 14 Uhr tagt in Sicht- und Hörweite der Aufsichtsrat der Thyssenkrupp-Stahlsparte.

Auf der Tagesordnung dürften die geplanten Sparmaßnahmen stehen. Dass es zu Einschnitten kommt, ist beschlossen. Dabei spielt keine Rolle, ob die derzeit verhandelte Fusion mit dem indischen Stahlhersteller Tata zustande kommt oder doch noch abgeblasen wird. So oder so wird Thyssenkrupp den Rotstift ansetzen. Das hatte Konzern-Chef Heinrich Hiesinger den Betriebsräten erstmals im Juni eröffnet, Stahl-Chef Andreas Goss hatte dies bei einer Versammlung von Betriebsräten Anfang August noch einmal bekräftigt. Gestopft werden muss eine Wertlücke in Höhe von 800 Millionen bis 1,6 Milliarden Euro.

Die Belegschaft ist sauer. Sie fühlt sich von der Unternehmensführung nicht ausreichend über die geplanten Schritte informiert. Denn wo genau gespart wird und welche Stellen und Standorte betroffen sind, ist unklar - zumal die Beschäftigten eine Stellen- und Standortgarantie bis 2020 haben. "Wir würden uns natürlich wünschen, dass Herr Hiesinger vor der Sitzung des Aufsichtsrates zu den Beschäftigten spricht", sagte Thomas Kennel, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall in Duisburg, unserer Redaktion. Dass es dazu kommt, ist aber höchst unwahrscheinlich. Ein Thyssenkrupp-Sprecher erklärte auf Anfrage: "Andreas Goss hat ja erst vor Kurzem bei der Betriebsräteversammlung in Duisburg die Situation erläutert und die weiteren Schritte aufgezeigt. Da es darüber hinaus keinen neuen Sachstand gibt, ist nicht damit zu rechnen, dass Herr Goss oder Herr Hiesinger bei der IG-Metall-Veranstaltung auftreten werden."

Für Unruhe dürfte zudem ein Interview des Weltstahl-Präsidenten Wolfgang Eder gesorgt haben. Der Voestalpine-Chef hatte im "Handelsblatt" trotz der inzwischen aufgelegten EU-Zölle und der anziehenden Stahlpreise Einschnitte in der Branche angeregt: "Wir müssen den Mut aufbringen, auch Standorte zu schließen und Kapazitäten abzubauen." Es mache keinen Sinn abzuwarten, bis man pleite sei.

Quelle: RP
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