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Düsseldorf
Thyssenkrupp geht mit U-Booten baden

Düsseldorf. Die Essener unterliegen im Rennen um den australischen 34-Milliarden-Euro-Auftrag dem französische Konzern DCNS. Von Maximilian Plück

Australiens Premier Malcolm Turnbull steht an diesem Morgen vor einem Dock in Osborne, einem Vorort von Adelaide. Im Hintergrund schwimmt ein stattliches U-Boot im Wasser. Turnbull gibt sich betont staatsmännisch, als er die Entscheidung im größten Rüstungsgeschäft der australischen Geschichte verkündet: "Unsere zukünftigen zwölf überragenden U-Boote werden hier bei uns gebaut - in Osborne, Südaustralien. Das U-Boot-Projekt allein bedeutet, dass australische Arbeiter australische U-Boote mit australischem Stahl bauen werden." Als Partner für den 50-Milliarden-Australische-Dollar-Auftrag (34 Milliarden Euro) hat sich Turnbull den staatlichen französischen Rüstungskonzern DCNS ins Boot geholt.

Turnbulls Auftritt markiert eine herbe Niederlage für den deutschen Konkurrenten Thyssenkrupp. Die Essener hatten sich mit ihrer in Kiel beheimateten Tochter Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) ebenfalls um den lukrativen Job in Südaustralien beworben. Der japanische Konzern Mitsubishi, der ebenfalls eine Offerte abgegeben hatte, war Medienberichten zufolge bereits vor einer Woche aus dem Rennen ausgeschieden.

Für Thyssenkrupp wäre der Zuschlag bei dem australischen Großauftrag inmitten der zahlreichen Nachrichten rund um Stahlkrise, Konjunktureintrübung und Druck vom Großaktionär Cevian eine dringend benötigte Erfolgsstory gewesen - und vor allem eine Möglichkeit, die dünne Eigenkapitalausstattung des Konzerns auf ein komfortables Niveau aufzustocken. 34 Milliarden Euro - das wären 80 Prozent des Konzernumsatzes im vergangenen Jahr gewesen.

Im Aufsichtsrat soll nach Angaben der IG Metall bis zuletzt große Zuversicht geherrscht haben, dass TKMS den Zuschlag bekommen könnte. Erst vor wenigen Tagen hatten die Deutschen ihre Anstrengungen noch einmal erhöht und mit einer Anzeigenkampagne für sich geworben. TKMS wollte eine Variante seiner U-Boote vom Typ 214 aufpeppen und vor Ort in Adelaide bauen. Die Offerte der Essener für die gesamte Flotte soll sich auf 20 Milliarden Australische Dollar (13,7 Milliarden Euro) belaufen haben - viel weniger, als von Turnbulls Regierung verlangt. Dass die Franzosen den Zuschlag bekommen, liegt laut Turnbull daran, dass deren Angebot am stärksten der Ausschreibung entsprochen habe - insbesondere in puncto Sensorik, Tarnvorrichtung und Reichweite.

Thyssenkrupp teilte mit, man respektiere die Entscheidung. "Thyssenkrupp Marine Systems verfügt im U-Boot-Bereich über eine hohe Auslastung, einen soliden Auftragsbestand und damit eine gute Planbarkeit für die kommenden Jahre."

Eigentlich war der Tag aus Sicht der Essener dazu gedacht, auf der Hannover Messe Erfolgskonzepte zu präsentieren - etwa das Wartungs-System "Max": Mit Hilfe von Cloud-Daten will der Konzern künftig seine Aufzugs-Wartungsarbeiter schon frühzeitig zum Kunden schicken, also bevor dort Probleme überhaupt erst entstehen. Die Vorstellung des Projekts reichte aber nicht, um Anleger zu beruhigen. Unter dem Eindruck der Schlappe in Australien rauschten die Thyssenkrupp-Papiere in den Keller: Mit einem Verlust von minus 2,23 Prozent war Thyssenkrupp größter Verlierer im Dax.

Quelle: RP
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