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Essen
Armband wird Manager zum Verhängnis

Thyssenkrupp-Manager: Armband wird zum Verhängnis
FOTO: End, TK | Montage: RP
Essen. Jens Michael Wegmann sollte die Thyssenkrupp-Sparte Industrial Solutions auf Vordermann bringen. Doch ziemlich schnell stolperte er über das Geschenk eines pakistanischen Handelsvertreters. Von Kirsten Bialdiga und Maximilian Plück

Das Geschenk eines pakistanischen Handelsvertreters kostet den Thyssenkrupp-Manager und engen Vertrauten von Konzernchef Heinrich Hiesinger, Jens Michael Wegmann, den Job. Der Chef der Sparte Industrial Solutions (Fabrikanlagen- und U-Boot-Bau) zog gestern die Konsequenz aus dem vor einer Woche bekannt gewordenen Fall und legte sein Amt mit sofortiger Wirkung nieder.

Wegmann hatte am 3. November in einem Brief an die Mitarbeiter eingeräumt, dass der Handelsvertreter Azadullah Kazmi ihm nach einem ersten Treffen im April 2015 "im Namen seiner Gattin ein persönliches Gast-Geschenk für meine Frau übergeben" habe. Nach "Spiegel"-Informationen soll es sich um ein Goldarmband für umgerechnet 4770 Euro gehandelt haben.

"Ich habe einen Fehler gemacht, den ich sehr bedauere und aus dem ich die Konsequenzen ziehe", schrieb Wegmann in seiner gestrigen Stellungnahme. Ihm sei bewusst, dass sein Handeln im Umgang mit einem Vertriebspartner nicht mit den Werten von Thyssenkrupp im Einklang gestanden habe und er damit notwendige Veränderungen bei Industrial Solutions nicht mehr glaubwürdig vorantreiben könne.

Der Ex-Siemens-Manager hatte bei Industrial Solutions das Restrukturierungsprogramm "Planets" aufgelegt, und unter seiner Leitung wurde unter anderem die komplette Führungsmannschaft ausgetauscht.

Der Essener Industriekonzern hatte nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen seinen Spartenmanager eine interne Untersuchung eingeleitet. Ein Sprecher erklärte gestern, diese sei vom Chief Compliance Officer gemeinsam mit einer externen Kanzlei durchgeführt worden. Das Ergebnis liege inzwischen vor, werde aber nicht nach außen kommuniziert.

Wie aus informierten Kreisen aber verlautete, sei die Untersuchung gegen Wegmann ausgefallen. Der Manager könnte mit seinem gestrigen Schritt offenbar einem Rauswurf zuvorgekommen sein. Damit ist auch höchst unwahrscheinlich, dass es für Wegmann, der erst seit Oktober 2015 Vorstandschef bei Industrial Solutions war, eine Abfindung geben wird.

Kazmi soll Wegmann im Rahmen seines Umzugs von Dubai nach Pakistan auch einen Ferrari-Oldtimer zum Verkauf angeboten haben. Der Thyssenkrupp-Manager zeigte nach Konzern-Angaben Interesse, bat Kazmi um Bilder des Fahrzeugs und blieb wegen eines möglichen Kaufs mit dem Handelsvertreter in Kontakt. Am Ende lehnte er aber nach Konsultation eines Experten den Kauf ab. Der Sachverständige habe bestätigt, dass es sich nicht um einen Oldtimer gehandelt habe, schrieb Wegmann an die Mitarbeiter.

Doch die Version des Handelsvertreters weicht in entscheidenden Punkten von der des Konzerns ab. "Herr Wegmann bot mir an, dass er meinen Ferrari wegen meines geplanten Umzugs von Dubai nach Pakistan in seiner Garage parken könnte", sagte Kazmi unserer Redaktion. Der Ferrari sollte nach Kazmis Angaben offenbar nach Deutschland überführt werden. Dass es sich bei dem Fahrzeug nicht um einen Oldtimer gehandelt habe, sei von vornherein klar gewesen. Wegmann habe lediglich 50.000 Dollar zahlen wollen für den Wagen, der nur vier Jahre alt sei und gerade einmal 4000 Kilometer gefahren sei. Nur wenige Wochen später sei es dann zur Übergabe des Gastgeschenkes für Wegmanns Frau gekommen, und zwar im Breidenbacher Hof in Düsseldorf. Zu dem fraglichen Zeitpunkt seien sie an der Bar unter sich gewesen, so Kazmi.

Zuvor hatte der Handelsvertreter nach eigenen Angaben seit zwölf Jahren mit Thyssenkrupp zusammengearbeitet und vermittelte in dieser Zeit Aufträge in Milliardenhöhe. Darunter seien Rüstungsaufträge gewesen und neben dem Anlagenbau unter anderem auch Geschäfte für die Aufzugsparte. Kazmi fordert von Industrial Solutions eine Provision im Wert von 20 Millionen Dollar (rund 18 Millionen Euro). Hintergrund ist die Vermittlung eines Projektes zum Bau einer Düngemittelfabrik im US-Bundesstaat Idaho. Thyssenkrupp hatte Anfang 2016 den Zuschlag bekommen. Kazmi soll bei der Staatsanwaltschaft Essen Strafanzeige wegen Betrugs gestellt haben.

Der Konzern erklärte, es gebe unterschiedliche Auffassungen zu einem Provisionsanspruch. Ein mit Kazmi geschlossener Rahmenvertrag sei "von den operativ zuständigen Einheiten auf Basis einer unternehmerischen Kosten- und Nutzenabwägung" im März 2016 nicht verlängert worden.

Für Konzernchef Hiesinger muss der Fall seines langjährigen Vertrauten Wegmann, den er noch aus seiner Zeit bei Siemens kennt, höchst unangenehm sein. Der Konzernchef hat saubere Unternehmensführung in dem von zahlreichen Skandalen gebeutelten Konzern zur obersten Maxime erklärt.

"Wir danken Jens Michael Wegmann für seine hervorragende Arbeit", hieß es in einer Mitteilung des Vorstands. Er habe Thyssenkrupp Industrial Solutions mit seinem Programm "Planets" strategisch neu ausgerichtet und begonnen, den Geschäftsbereich stärker auf Kunden und Märkte zu fokussieren. Hiesinger machte in einem Telefonat mit Führungskräften deutlich, dass an dem Programm nicht gerüttelt werde. Kommissarisch wird der Finanzvorstand von Industrial Solutions, Stefan Gesing, die Geschäfte führen. Die Suche nach einem dauerhaften Wegmann-Nachfolger läuft.

Quelle: RP
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