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Düsseldorf
Thyssenkrupp verdient wieder Geld

Düsseldorf. Trotzdem bleibt Konzernchef Hiesinger beim Ausblick zurückhaltend. Als Grund nennt er globale Unsicherheiten. Das Effizienzprogramm "Impact" wird vorangetrieben und soll im laufenden Geschäftsjahr 850 Millionen Euro bringen. Von Maximilian Plück

Der Farbton "Preußisch Blau" ist Geschichte - zumindest beim Essener Industrie-Konzern Thyssenkrupp. Der hat sich gerade einen neuen Markenauftritt verordnet. Das Dunkelblau weicht dem helleren "Electric Blue". Auch das vom Konzernbetriebsrat als "Klingelknopf" verspottete alte Logo hat ausgedient, wird entschlackt und durch schlankere Formen ersetzt. Nach außen hin alles auf Neuanfang, so lautet die von Vorstandschef Heinrich Hiesinger ausgegebene Devise.

Die Marke Thyssenkrupp habe Kratzer bekommen, räumte der Thyssenkrupp-Chef jüngst bei der Vorstellung des neuen Logos vor Journalisten ein. Kratzer ist dabei noch eine recht milde Formulierung. Die spektakulären Fehlinvestitionen in Brasilien und den USA, Korruptionsfälle und Kartellabsprachen haben Thyssenkrupp stark zugesetzt. Nur langsam kommt der Ruhrkonzern wieder auf die Füße.

"Es wird keine millionenschwere Werbekampagne geben", beruhigte Hiesinger bei der Vorstellung der Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr 2014/15. Der Satz zeigt, wie schwer es dem Management gefallen sein dürfte, auch noch den Letzten von der Notwendigkeit eines neuen Markenauftritts inmitten einer so extrem heiklen Sparphase zu überzeugen. Bei Wanderungen im Salzburger Land und gutem Marillenschnaps, so heißt es aus Vorstandskreisen, sei aber auch der letzte Zauderer von der Vorstandsriege ins Boot geholt worden. Das war vor einem Jahr. Jetzt soll es frisch weitergehen mit "Electric Blue", neuem Logo und deutlich weniger als den bislang mehr als 180 Markenauftritten. Wie viele eingestampft werden, ist noch offen.

Neben der neuen Dachmarke hatte Hiesinger gestern auch noch gute Zahlen mit im Gepäck. Erstmals seit dem Geschäftsjahr 2005/06 hat Thyssenkrupp wieder Geld mit seinem operativen Geschäft verdient. Bislang hatten die Essener vor allem mit dem Verkauf von Unternehmensteilen die Zahlen gerettet. Der sogenannte Free Cashflow stieg diesmal jedoch auf 65 Millionen Euro. Finanzvorstand Guido Kerkhoff nannte dies "überschaubar". Sprich: Noch ist Luft nach oben.

Die versprochene Zielmarke von 1,7 Milliarden Euro bereinigtem Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) hat Thyssenkrupp erreicht. Der Hauptversammlung will Hiesinger eine Dividende von 15 Cent je Aktie vorschlagen - ein Plus von 36 Prozent und damit etwas niedriger als der Jahresüberschuss, der um 37 Prozent auf 268 Millionen Euro zulegte. Das ganz große Optimismusfeuerwerk wollte der Konzernchef bei alledem nicht abbrennen. Seine Erwartungen für 2015/16 fielen gelinde gesagt verhalten aus: Das Ebit soll am Ende zwischen 1,6 Milliarden und 1,9 Milliarden liegen. Damit schließt der Thyssenkrupp-Chef auch einen Ergebnisrückgang nicht aus. "Wir müssen die Risiken in unserem Werkstoffgeschäft abbilden", erklärte Hiesinger.

Vor allem Asien bereitet der Industrie inzwischen Kopfschmerzen. Nicht nur, weil die Chinesen auf dem Stahlmarkt mit teils aggressiven Dumpingpreisen angreifen, sondern auch weil die dortige Wirtschaft an Tempo eingebüßt hat.

Mittelfristig, so Finanzvorstand Kerkhoff, wolle man wieder in Ergebnisregionen jenseits der zwei Milliarden Euro vorstoßen - was "mittelfristig" heiße, lasse sich allerdings aufgrund der Unsicherheit an den Märkten nur schwer sagen.

Für den Konzern heißt das: Es wird weiter gespart. Das Programm "Impact" läuft weiter und soll im laufenden Jahr 850 Millionen Euro bringen - insbesondere der Einkauf biete noch Potenzial, etwa indem er stärker mit den Entwicklern zusammenarbeite. Und Thyssenkrupp bleibt auf der Suche nach Abnehmern für seine italienische Edelstahlsparte AST und sein brasilianisches Stahlwerk CSA.

Extrem vage blieb der Konzern-Chef, als er auf die zuletzt schwierige Zusammenarbeit mit dem schwedischen Großaktionär Cevian angesprochen wurde. Es gilt als offenes Geheimnis, dass die Investmentgesellschaft Hiesingers Strategie eines integrierten Konzerns missbilligt und eine Abspaltung des Stahlgeschäfts fordert. Offiziell äußerte sich Cevian dazu nicht. Hiesinger sagte lediglich: "Die gestrige Aufsichtsratssitzung verlief ruhig und positiv."

Quelle: RP
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