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Essen
Thyssenkrupp-Vorstand räumt Geschenkannahme ein

Essen. Die Compliance-Organisation hat eine interne Untersuchung eingeleitet. Der Manager spricht von einem Fehler. Von Maximilian Plück

Der Chef der Thyssenkrupp-Sparte Industrial Solutions (TKSI), Jens Michael Wegmann, gerät wegen des Geschenkes eines pakistanischen Handelsvertreters in Bedrängnis. Wie zunächst der "Spiegel" berichtete, drehen sich die Vorwürfe um die Geschäftsbeziehung zu Azadullah Kazmi, dessen Firma Capital Strategies Group (CSG) mit Sitz in Islamabad bis März 2016 im Auftrag von TKIS tätig war. Wegmann räumte gestern in einem Brief an die Belegschaft ein, dass Kazmi ihm nach einem ersten Treffen im April 2015 "im Namen seiner Gattin ein persönliches Gast-Geschenk für meine Frau übergeben" habe. Nach "Spiegel"-Informationen soll es sich um ein Goldarmband für umgerechnet 4770 Euro gehandelt haben.

"Wir haben klare Regeln für den Umgang mit Geschenken bei Thyssenkrupp", schrieb der 51-Jährige an die TKIS-Belegschaft. "Deshalb war die Annahme eines Armbands als Gastgeschenk mit unbekanntem Wert ein Fehler. Mir ist bewusst, dass ich mit meinem persönlichen Verhalten meinem eigenen Anspruch an gute Unternehmensführung in diesem Fall nicht gerecht geworden bin." Thyssenkrupp erklärte, man werde den Fall nun intern untersuchen. Auf die Frage, ob Wegmann angesichts der Vorwürfe noch das volle Vertrauen von Konzernchef Heinrich Hiesinger genieße, wollte sich ein Sprecher gestern nicht äußern.

Kazmi soll Wegmann zudem im Rahmen seines Umzugs von Dubai nach Pakistan einen Ferrari-Oldtimer zum Verkauf angeboten haben. Der Thyssenkrupp-Manager zeigte nach eigenen Angaben Interesse, bat Kazmi um Bilder des Fahrzeugs und blieb wegen eines möglichen Kaufs mit dem Handelsvertreter in Kontakt. Am Ende lehnte er aber nach Konsultation eines Experten den Kauf ab. Der Sachverständige habe bestätigt, dass es sich nicht um einen Oldtimer gehandelt habe, schreibt Wegmann.

Der Handelsvertreter wird für den Essener Konzern auch an anderer Stelle zur Bedrohung: Kazmi fordert von TKIS eine Provision im Wert von 20 Millionen Dollar (rund 18 Millionen Euro). Hintergrund ist die Vermittlung eines Projektes zum Bau einer Düngemittelfabrik im US-Bundesstaat Idaho. Thyssenkrupp hatte Anfang 2016 den Zuschlag bekommen. Nach "Spiegel"-Informationen soll Kazmi bei der Staatsanwaltschaft Essen Strafanzeige wegen Betrugs gegen Wegmann eingereicht haben. Der Konzern erklärte, es gebe unterschiedliche Auffassungen zu einem Provisionsanspruch. Ein mit Kazmi geschlossener Rahmenvertrag sei "von den operativ zuständigen Einheiten auf Basis einer unternehmerischen Kosten- und Nutzenabwägung" im März 2016 nicht verlängert worden.

Quelle: RP
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