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Magnetschwebebahn
Auch Schrotthändler bieten für Transrapid

Transrapid: Auch Schrotthändler bieten für Magnetschwebebahn
FOTO: Vebeg
Lathen. Einst war er Deutschlands Vorzeigeprojekt, jetzt feilschen Recyclingfirmen und Museen um den Transrapid in Lathen. Der Bund versteigert die letzte deutsche Magnetschwebebahn. Die Zahl der Interessenten ist allerdings überschaubar. Von Jörg Isringhaus

Der Transrapid sollte ein Beispiel für die Innovationskraft deutscher Technologie sein – ein Zug, der auf Magnetfeldern dahingleitet, ohne Räder, Achsen oder Antriebswellen, und dabei eine Geschwindigkeit von bis zu 500 km/h erreicht. Dass das Projekt hierzulande scheiterte, lag vor allem an den hohen Investitionskosten, die diese Technik mit sich brachte.

Ab 1987 wurden mehrere Prototypen auf einer Teststrecke in Lathen im Emsland auf Herz und Nieren geprüft, bis der Transrapid nach einem schweren Unfall im Jahr 2006 mit 23 Toten zum Kosten- noch ein Imageproblem bekam und das Projekt 2011 beerdigt wurde. Vor fünf Jahren fuhr der letzte Zug, der TR 09, über das Versuchsgelände. Nun kommt er im Auftrag des Verkehrsministeriums unter den Hammer - wer am meisten bietet, erhält wahrscheinlich den Zuschlag.

Wahrscheinlich, weil sich das Ministerium vorbehält, über den neuen Besitzer zu entscheiden. "Das hängt zum Beispiel auch vom weiteren Verwendungszweck ab", erklärt Claus Richter, Verkaufsleiter des Verwertungsunternehmens des Bundes. Nach der Besichtigung des Zuges gestern und heute können Gebote bis 25. Oktober abgegeben werden. Laut Richter gibt es weder ein Mindestgebot noch eine Erlöserwartung.

Spekulation auf den Schrottwert

Anzunehmen ist aber, dass sie deutlich unter den 40 bis 50 Millionen Euro liegen wird, die der Zug einmal gekostet hat. Insider rechnen mit einem niedrigen sechsstelligen Betrag, zumal der Käufer auch den aufwändigen Abtransport bezahlen muss. Dafür ist der aus drei Sektionen bestehende TR 09 nach Richters Angaben sofort einsatzbereit - sofern man über die nötige Betriebstechnik inklusive Fahrbahn verfügt.

Ob einer der zehn bis zwölf Interessenten wirklich beabsichtigt, den Magnetzug zu betreiben, ist nicht bekannt. Es sollen einige Recyclingfirmen mitbieten, die wohl vor allem auf den Schrottwert des 160 Tonnen schweren Transrapids spekulieren. Für Karl-Heinz Weber, Bürgermeister der Samtgemeinde Lathen, eine indiskutable Vorstellung. Er meint, dass die Gemeinde, in der der Transrapid fast 25 Jahre getestet wurde, einen Anspruch auf das Fahrzeug habe.

Der Plan sei es, ein Transrapid-Museum zu bauen, ein Stück des Fahrwegs zu erhalten, den TR 09 darauf zu setzen und so ein Kulturdenkmal zu schaffen. "Daher entscheidet der Rat jetzt darüber, ob wir ein Gebot für den Zug abgeben", sagt Weber. Das werde allerdings ein symbolischer Betrag sein. Man hoffe darauf, dass der Bund der Gemeinde den Transrapid als kostenlose Leihgabe zur Verfügung stelle. Wenn sich ohnehin nur ein Bruchteil des materiellen Werts erzielen lasse, könne die Entscheidung auch pro Lathen und damit für eine ideelle Nutzung fallen.

Nur in Schanghai im Einsatz

Darauf setzen aber wohl auch andere. So soll ein Verkehrsmuseum aus Ostdeutschland ebenfalls mitbieten. Auch das Kasseler Technikmuseum, das schon zwei ältere Transrapid-Modelle besitzt, hätte laut Medienberichten die Magnetbahn gerne als Exponat, will sich aber mangels Geld nicht an der Auktion beteiligen. Der Zug wurde in den 70er Jahren von der ThyssenTransrapid GmbH in Kassel gemeinsam mit Siemens entwickelt.

Geplant war damals zunächst eine Magnetbahntrasse zwischen Berlin und Hamburg, die aber 1999 wieder verworfen wurde. Danach sollte der schnelle Zug auf einer Referenzstrecke Passagiere vom Münchner Flughafen zum Hauptbahnhof bringen - aber auch dieses Projekt scheiterte an den Kosten. Diese hatten sich in der Kalkulation von rund 1,8 Milliarden auf mehr als drei Milliarden Euro erhöht. 2008 kam für diesen Plan das Aus. Zwei Jahre zuvor war auf der Teststrecke in Lathen ein Zug in ein Wartungsfahrzeug gefahren - 23 Menschen starben. Das ruinierte den Ruf eines rundum sicheren Verkehrsmittels endgültig.

Nur im chinesischen Schanghai ist seit 2004 ein Transrapid als Flughafenzubringer unterwegs. Unter den Bietern in Lathen, heißt es, sollen auch Ausländer sein. Vielleicht schwebt der TR 09 doch bald wieder.

Quelle: RP
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