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Europäische Zentralbank: Trichet beendet Spekulationen um Senkung des Leitzinses

zuletzt aktualisiert: 07.06.2005 - 12:44

Peking/Frankfurt (rpo). Die Europäische Zentralbank wird den Leitzins nicht senken. Das hat der Präsident der EZB, Jean-Claude Trichet, als Reaktion auf hartnäckige Diskussionen über eine mögliche Zinssenkung erklärt. Derzeit werde keine Zinsänderung für den Euroraum vorbereitet, betonte Trichet.

"Eine Zinssenkung würde die Glaubwürdigkeit der EZB in Frage stellen", sagte Trichet am Dienstag in Peking. Der Euro zog nach diesen Äußerungen gegenüber dem US-Dollar wieder an, da sich Marktteilnehmern zufolge Spekulationen auf eine Zinssenkung in der Eurozone verflüchtigten. Am Mittag notierte die Gemeinschaftswährung bei etwas über 1,23 US-Dollar.

Noch am Montag hatten Aussagen von EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing für Irritationen gesorgt. Issing hatte erklärt, die Strategie der EZB schließe eine Zinssenkung nicht aus. Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) ist momentan kein Zinsschritt erforderlich. "Unveränderte Leitzinsen für den Euroraum sind gegenwärtig angemessen", sagte IWF-Ökonom Michael Deppler am Dienstag in einer Telefonkonferenz.

Deppler verwies allerdings darauf, dass genau beobachtet werden müsse, ob die aktuelle konjunkturelle Schwäche vorübergehender oder längerfristiger Natur sei. Der für den Euroraum zuständige IWF-Direktor äußerte jedoch die Einschätzung, dass die Wirtschaft des gemeinsamen Währungsraums im Jahresverlauf wieder an Schwung gewinnen werde. Die momentane wirtschaftliche Schwäche begründete Deppler mit den Folgen der hohen Ölpreise, dem zuletzt noch hohen Euro-Kurs und Anpassungen an Strukturreformen.

Trichet: Reformen unverzichtbar

EZB-Präsident Trichet sagte bei einer Notenbank-Konferenz in Peking, dass das Wirtschaftswachstum der Eurozone derzeit moderat sei und unter der Potenzialrate liege. Daher seien Reformen für Europa unverzichtbar. Auch das historisch niedrige Zinsniveau von 2 Prozent sei für die Entwicklung förderlich. Er betonte, dass höhere Marktzinsen für die europäische Wirtschaft nicht gut wären.

Zum Euro-Kurs vertrat IWF-Ökonom Deppler die Auffassung, dass sich dieser gegenüber dem Dollar im Bereich 1,20 bis 1,30 US-Dollar in einer angemessenen Bandbreite befinde. "Sollte der Wechselkurs längerfristig in diesem Bereich bleiben, dürfte dies keine Probleme schaffen", sagte Deppler. Zu Diskussionen in Italien über eine Wiedereinführung der Lira erklärte er: "Die Leute sollten besser durchdenken, was sie sagen."

Zuvor hatten sich auch die Finanzminister der Eurozone hinter den Euro gestellt. Der amtierende EU-Ratspräsident, Luxemburgs Premier- und Finanzminister Jean-Claude Juncker, machte nach einem Treffen der Eurogruppe in der Nacht zum Dienstag klar, dass es auch nach der Ablehnung der EU-Verfassung in Frankreich und den Niederlanden sowie den anschließenden Turbulenzen um den Euro keine Debatte um die Zukunft des gemeinsamen Währungsraums gebe.

Die längerfristigen Wachstumsaussichten des Euroraums bezeichnete Deppler zwar als nicht überragend, "dennoch sollte man nicht zu negativ sein". Die Strukturreformen vor allem in Deutschland sollten sich längerfristig auszahlen. Der IWF geht im Rahmen seiner Frühjahrsprognose davon aus, dass die Wirtschaft des Euroraums im laufenden Jahr um 1,6 Prozent wachsen wird. Die EZB hat zuletzt ihre Schätzung auf 1,4 Prozent gesenkt.

Quelle: afp

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