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Düsseldorf
Trivago kündigt Börsengang an

Düsseldorf. Die Hotel-Suchmaschine aus Düsseldorf strebt an die Wall Street. Bei der US-Börsenaufsicht SEC wurde dazu ein entsprechender Antrag eingereicht, der interessante Fakten über das 2005 gegründete Unternehmen enthält. Von Thorsten Breitkopf und Florian Rinke

Von Düsseldorf an die Wall Street: Die Hotel-Suchmaschine Trivago bereitet ihren Börsengang vor. Spekulationen hatte es diesbezüglich bereits seit einigen Monaten gegeben, nun hat das Unternehmen den entsprechenden Antrag bei der US-Aufsichtsbehörde SEC eingereicht.

Unklar ist, ab wann die Aktien des Unternehmens gehandelt werden sollen. In der Vergangenheit war immer wieder darüber spekuliert worden, dass es Ende dieses oder Anfang kommenden Jahres so weit sein könnte. Das Volumen des Börsengangs beziffert Trivago auf bis zu 400 Millionen Dollar. Allerdings handelt es sich dabei um eine Art Platzhalter-Summe, auf deren Basis die Gebühren berechnet werden. Das Volumen des Börsengangs könnte sich also noch ändern.

Auch die Anzahl der Anteilsscheine und die Preisspanne, in der die Aktien erstmalig angeboten werden, steht noch nicht fest. Der Mehrheitseigner, der US-Online-Reiseanbieter Expedia, wolle keine Anteilsscheine platzieren, hieß es. Dafür werden die Gründer Ralf Schrömgens, Peter Vinnemeier und Malte Siewert, die 2012 knapp ein Viertel der Anteile behalten hatten, einen Teil ihrer Anteile vermutlich verkaufen. Deshalb wird es zwei verschiedene Sorten Aktien geben: Klasse A-Aktien sollen öffentlich gehandelt werden, die Anteile von Expedia wiederum werden zu Klasse B-Aktien, die nicht gehandelt werden und gleichzeitig mehr Stimmrechte erhalten werden.

Expedia hatte 2012 für 477 Millionen Euro 61,6 Prozent an Trivago gekauft, das 2005 von den dreien in Düsseldorf gegründet worden war. Ihre Suchmaschine, mit der nach eigenen Angaben 1,3 Millionen Hotel-Angebote auf zahlreichen Buchungsportalen durchforstet werden können, ist eine der größten Erfolgsgeschichten der deutschen Digitalszene in den vergangenen zehn Jahren - und ein Aushängeschild der NRW-Digitalwirtschaft.

Daran wird sich trotz eines möglichen Börsengangs in den USA wohl auch nicht so schnell etwas ändern. Im Düsseldorfer Innenhafen baut Trivago gerade für rund 200 Millionen Euro eine neue Firmenzentrale mit Joggingstrecke auf dem Dach und 3500 Quadratmeter Balkonen. Im März 2018 soll das Gebäude fertig sein, der Mietvertrag hat eine Laufzeit von zehn Jahren.

Bis zu 2000 Mitarbeiter sollen hier Platz finden, 1100 arbeiten aktuell bei Trivago - es gibt also noch ausreichend Möglichkeiten zu wachsen. Gleiches gilt auch für das Geschäft mit den Hotelbuchungen. Bislang werden nach Zahlen des Verbands Internet Reisevertrieb erst 42 Prozent der Unterkünfte online gebucht. Mit frischem Kapital könnte Trivago weitere Teile des Marktes erobern, der aktuell von Booking.com angeführt wird. Auf Platz zwei liegt die HRS-Gruppe, es folgen Trivago und andere Portale, die zu Expedia gehören.

Bereits in den vergangenen Jahren ist Trivago rasant gewachsen. In den Unterlagen, die Trivago in den USA eingereicht hat, ist davon die Rede, dass man in den ersten drei Quartalen des Jahres 2015 insgesamt 393,8 Millionen Euro umgesetzt hat - ein Jahr später sind es bereits 585 Millionen Euro. Der größte Teil entfällt dabei mit 276 Millionen Euro auf Europa (2015: 209,1 Millionen Euro), doch auf dem amerikanischen Markt, zu dem Trivago auch Kanada und südamerikanische Staaten zählt, ist das Unternehmen mit 223,5 im Vergleich zu 137,6 Millionen Euro sogar noch stärker gewachsen. Auch das Geschäft im restlichen Teil der Welt entwickelt sich unter anderem immer besser. In den ersten neun Monaten 2016 lag der Umsatz bei 79,8 Millionen Euro, 2015 waren es 45,6 Millionen Euro im gleichen Zeitraum. Gleichzeitig schrieb man 2016 einen Nettoverlust von 51,5 Millionen Euro.

Quelle: RP
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