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Berlin
Trump und Brexit bremsen Konjunkturprognose

Berlin. Eigentlich steht die deutsche Wirtschaft unter guten Vorzeichen. Der private und der öffentliche Konsum bleiben die stärksten Motoren, vom Arbeitsmarkt kommen gute Zahlen. Trotzdem rechnet das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) für 2017 nur mit einem Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von gut einem Prozent. Für das laufende Jahr steht die Prognose bei 1,75 Prozent. "Mit dem Wahlausgang in den USA ist die ohnehin schon hohe globale Verunsicherung weiter angestiegen", sagt IW-Geschäftsführer Hubertus Bardt. Von Ludwig Krause

Im Raum stünden Drohungen, Zölle zu verhängen und Handelsbeschränkungen einzuführen. Die Ankündigung des künftigen US-Präsidenten Donald Trump, aus dem Handelsabkommen TPP auszusteigen, wertet der IW als deutliches Signal gegen den Freihandel. Gerade für Deutschland als Export-Nation wäre Protektionismus in den USA ein Wachstumsrisiko. "Kein Industrieland ist so abhängig vom amerikanischen Markt wie Deutschland", sagt Bardt.

In Europa seien die Probleme in den vergangenen Monaten ebenfalls nicht kleiner geworden. "Auch wenn die direkten Auswirkungen eines Brexit für die meisten EU-Mitglieder kurzfristig überschaubar sind, schaffen die Instabilität der EU und der Vertrauensverlust in die Zukunft Europas ein Klima verschlechterter Wachstums- und Investitionsaussichten", sagt der IW-Geschäftsführer. Hinzu kämen die andauernde Staatsschuldenkrise in Ländern Südeuropas, der Reform-stau in Frankreich und Schwierigkeiten im italienischen Bankensystem. "Europa muss seine hausgemachten Probleme lösen", forderte Bardt. "Wenn die USA künftig wirklich weniger berechenbar sind, muss die EU umso berechenbarer und entscheidungsfähiger werden."

Positiv bewertet das Institut vor allem das deutsche Konsumverhalten. Von öffentlicher Seite schlagen Zusatzausgaben für Unterbringung, Versorgung und Integration von Flüchtlingen zu Buche. Billige Kredite und geringe Sparanreize wegen niedriger Zinsen begünstigten zudem den privaten Konsum.

Die Produktionserwartungen deutscher Unternehmen bleiben trotz der gestiegenen globalen Verunsicherung nahezu gleich. Das ergab die halbjährlich durchgeführte IW-Konjunkturumfrage, die allerdings noch vor den US-Wahlen stattgefunden hat. Fast die Hälfte der rund 2900 befragten Unternehmen rechnet im kommenden Jahr mit einer Stagnation der Produktion. Immerhin 39 Prozent gehen demnach von steigenden Produktionszahlen aus. Nur knapp 13 Prozent erwarten einen Rückgang für ihren Betrieb.

Besonders optimistisch sind Industriefirmen mit 43 Prozent, Dienstleister kommen nur auf 36 Prozent, das Baugewerbe sogar nur auf gut 28 Prozent.

Quelle: RP
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