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Düsseldorf
Ufo prüft Klage gegen Air-Berlin-Tarifvertrag

Düsseldorf. Die Flugbegleiter-Gewerkschaft wirft Verdi und der Airline vor, den Manteltarifvertrag inmitten des Konzernumbaus still und heimlich ausgehandelt zu haben - ein weiteres Beispiel dafür, wie sich beide Gewerkschaften ins Gehege kommen. Von Maximilian Plück und Thorsten Breitkopf

Der Sparkurs bei Air Berlin stößt auf ein positives Echo in der Politik: "Die Entscheidungen von Air Berlin sind nachvollziehbar", sagte Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) der "Bild am Sonntag". "Es ist ein wichtiger Schritt, um das Unternehmen wieder auf Erfolgskurs zu bringen." Die Fluggesellschaft hatte den Abbau von 1200 Stellen angekündigt. Air Berlin will sich mit nur noch 75 Maschinen auf das Geschäft von den beiden Drehkreuzen Berlin und Düsseldorf aus konzentrieren. 40 der derzeit 144 Air-Berlin-Maschinen gehen an die Lufthansa. Der "Express am Sonntag" hatte berichtet, Air-Berlin-Chef Stefan Pichler habe im Rahmen einer Betriebsversammlung in Ratingen auch einen Stellenabbau für Düsseldorf angekündigt. Dem Bericht zufolge sollen 160 Jobs in den Bereichen Airline-Service, Crewplanung und Abrechnung wegfallen. Rund 2400 Mitarbeiter gibt es in Düsseldorf. Ein Sprecher von Air Berlin dementierte die Zahlen. Es gebe zwar Gespräche, eine Zahl abzubauender Stellen stehe aber noch nicht im Raum, so der Sprecher.

Das Management einigte sich am Wochenende mit der Gewerkschaft Verdi auf einen neuen Manteltarifvertrag für die 2600 Kabinen-Beschäftigten. "Wir haben alle Mitarbeiter ausführlich über die Details der Restrukturierung informiert und setzen jetzt ein umfangreiches Programm für die persönliche Betreuung aller betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf", teilte Konzernchef Pichler mit. Der Manteltarifvertrag soll ab November für alle Beschäftigten in der Kabine gelten. Für viele brächte die Vereinbarung bessere Arbeitsbedingungen mit kürzeren Arbeitszeiten und längeren Pausen, sagte Verdi-Vorstandsmitglied Christine Behle.

Kritik kommt von der Gewerkschaftskonkurrenz. Nicoley Baublies, Chef der IG Luftverkehr und Vorstandsmitglied der Unabhängigen Flugbegleiter-Organisation (Ufo), warf im Gespräch mit unserer Redaktion Air Berlin und Verdi einen Verstoß gegen das Tarifeinheitsgesetz vor. Der Abschluss sei in Geheimverhandlungen zustande gekommen. "Die anderen Gewerkschaften im Konzern - und damit auch wir - hätten über die Aufnahme und den Fortschritt der Gespräche informiert werden müssen." Weil dies unterblieben sei, liege ein Rechtsbruch vor. "Wir werden deshalb in der Tarifabteilung diese Woche beraten und werden dabei auch prüfen, ob wir gegen das rechtswidrige Zustandekommen dieses Tarifvertrags rechtliche Schritte einleiten." Verdi biedere sich beim Management geradezu an, so der Ufo-Vertreter weiter: "Stefan Pichler lobt die Verdi über alle Maßen, das sollte jeden Mitarbeiter hellhörig werden lassen." Baublies warnte davor, dass selbst wenn die neuen Regeln greifen sollten, immer noch die Gefahr bestehe, dass Mitarbeiter im Zuge der Sparmaßnahmen in die österreichische Tochtergesellschaft ausgelagert würden - und gegebenenfalls ein Jahr nach Übertritt zu schlechteren Bedingungen oder sogar ganz ohne Tarifregelungen dastünden. "Verdi versucht derzeit krampfhaft, nicht in der Luftfahrt an Boden zu verlieren", so Baublies. Das merke man etwa auch an den Versuchen, die Ufo bei Eurowings in der Kabine herausdrängen zu wollen. "Die Dienstleistungsgewerkschaft hat eine sehr eigenwillige Art, Tatsachen zu interpretieren: Es ist zwar richtig, dass es seit einigen Jahren kaum Tabellenerhöhungen bei der Eurowings gab. Verdi verschweigt aber, dass die Ufo sehr wohl Verbesserungen für die Belegschaft durchgesetzt hat - etwa mit Verbesserungen bei Teilzeit, freien Tagen sowie Bezahlung von Zulagen für Chef de Cabins, wie die Purser bei Eurowings heißen", so Baublies. Mit solchen populistischen Aussagen wolle Verdi kurzfristig Stimmung machen und Mitglieder gewinnen.

Verdi-Verhandlungsführerin Hülya Grünefeld hatte kürzlich erklärt, beide Gewerkschaften sollten - wie im Tarifeinheitsgesetz vorgesehen - offenlegen, wer mehr Mitglieder bei Eurowings organisiere. Das bezeichnete Baublies als "geradezu putzig". Selbst wenn Verdi merklich Mitglieder dazugewonnen hätte, sei maßgeblich der Zeitpunkt, zu dem der letzte Tarifvertrag gekündigt worden sei. Und das wäre technisch gesehen die Kündigung des Tarifvertrags vor sieben Jahren. "Damals hatte sich Verdi komplett bei der Eurowings zurückgezogen. Wir sind aber auch bei Eurowings mitgliedertechnisch ohnehin gut aufgestellt. Insofern sehen wir die Drohungen sehr gelassen und bauen darauf, dass die Flugbegleiter die Verdi-Strategie durchschauen." Baublies plädierte für gemeinsame Gespräche.

Quelle: RP
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