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Frankfurt/M.
Und wieder schrumpft die Deutsche Bank

Und wieder schrumpft die Deutsche Bank
FOTO: dpa, fru tba soe
Frankfurt/M.. Die Umbau-Strategie überzeugt die Börsianer nicht. Der Aktienkurs stürzt ab. Viele Filialen könnten schon bald geschlossen werden. Von Georg Winters

Irgendwie hat man immer das Gefühl, strategische Umbauten im Konzern seien unter anderem dazu gedacht, potenzielle Investoren von der künftigen Attraktivität eines Unternehmens zu überzeugen. Wenn die Deutsche Bank das gedacht und beabsichtigt hat, ist ihr Plan nicht aufgegangen. Die Aktie der größten deutschen Bank hat gestern mit deutlichen Kursverlusten auf die Details zum Umbau des Konzerns reagiert. Mehr als vier Prozent hat sie verloren. Das Urteil von Aktienhändlern: An den vergangenen Tagen sei eine positive Erwartungshaltung am Markt aufgebaut worden, und diese sei enttäuscht worden. Was so viel heißt wie: zu viel versprochen.

Ist das so? Ist die Deutsche Bank am Ende gar nicht so neu wie uns das Strategievorstand Stefan Krause und seine Mitentwickler glauben machen wollten? Und ist die Börse deshalb verstimmt? Sind die geplanten Einsparungen geringer als erwartet? Oder sind die Renditeaussichten immer noch zu klein?

Tatsache ist: Die Deutsche Bank hat wieder mal den Schrumpfkurs eingeschlagen. Als Privatkundenbank im Massengeschäft wird sie künftig nicht mehr flächendeckend vertreten sein. Beispiel: In Nordrhein-Westfalen hat das Institut derzeit noch rund 200 Niederlassungen. Da, wo Filialen in enger Nachbarschaft zueinander liegen, sind vermutlich Schließungen angesagt. Natürlich sagt das Unternehmen am ersten Tag nach der Bekanntgabe der Zahlen noch nicht, wo es Zweigniederlassungen künftig nicht mehr betreiben will. Aber: Was für Kunden und Betroffene in der Region wichtig ist, interessiert die Börsianer ohnehin nicht. Über die Zahlen ist schon seit Längerem spekuliert worden, und deshalb kann man die Börse dann auch nicht mehr mit den daraus resultierenden Kosteneinsparungen positiv überraschen.

Bei den Kosten will die Bank um 3,5 Milliarden Euro pro Jahr runter, und das will sie mit einmaligen Aufwendungen von 3,7 Milliarden Euro erreichen. Gespart wird nicht nur bei den kleinen Privatkunden, bei denen der Konzern etwa 200 der derzeit noch 700 Filialen schließen will, sondern auch im Investmentbanking. Auch da sollen Geschäftsbereiche verschwinden - der Rohstoffhandel, Teile des Derivate-Geschäfts und andere, renditeschwache Teile. Es bleiben Geschäfte mit einer Bilanzsumme von 700 Milliarden Euro. Das ist indes immer noch ein großes Rad, zumal die Bank ihr Anleihen-Geschäft forcieren will. Angesichts eines deutlich schrumpfenden Privatkundengeschäfts gerät manchem Börsianer da die Balance wieder durcheinander, weil das Massengeschäft als Ertragspfeiler weniger stabiler erscheint, als es mit der Postbank gewesen wäre. Womöglich reagiert die Börse auch aus diesem Grund skeptisch.

In die hochprofitable Sparte "Global Transaction Banking", also den weltweiten Zahlungsverkehr, fließt bis 2020 mehr als eine Milliarde Euro, mit deren Hilfe das Geschäft mit anderen Banken und großen Firmen weiter ausgebaut werden soll. Ein Wachstumsfeld, ebenso wie die Vermögensverwaltung, die zuletzt Vermögen von zusammengerechnet 1,2 Billionen Euro betreute und jährlich um mehr als fünf Prozent wachsen soll. Hier soll die Zahl der Berater auch steigen. Allerdings ist in der Sparte der Konkurrenzdruck auch extrem hoch.

Quelle: RP
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