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Frankfurt
Uniper startet am Montag an der Börse

Frankfurt. Am Wochenende buchen die Banken den Eon-Anlegern die Aktien der Kraftwerks-Tochter ins Depot. Anleger müssen entscheiden, ob sie diese behalten wollen. Analysten über die Chancen und Risiken des neuen Papiers. Von Brigitte Scholtes

Der Energiekonzern Eon hat seine Kraftwerkstochter Uniper ins Handelsregister eingetragen. Damit ist für die Düsseldorfer der Weg an die Börse frei. Über das Wochenende buchen die Banken den Anlegern die Uniper-Aktien ins Depot, für zehn Eon-Aktien gibt es eine von Uniper. 53,5 Prozent der Anteile gibt Eon ab. Montag müssen sich die Eon-Aktionäre dann entscheiden: Wollen sie die Uniper-Aktien behalten oder verkaufen?

Für einige Aktionäre ist die Sache klar: so schnell verkaufen wie möglich. Das sind Fonds, die streng den Aktienindex Dax abbilden. Sie müssen bis Montagabend die Uniper-Anteile abstoßen. Denn die Eon-Tochter ist nur für einen Tag Mitglied im Dax. "Die Frage ist, ob sich so viele Interessenten finden, die die Uniper-Aktie von diesen Verkäufern aufnehmen", sagt Thomas Deser, Manager der Fondsgesellschaft Union Investment. Eon-Chef Johannes Teyssen rechnet mit Kurskapriolen am ersten Handelstag.

Am Montag sollten Privataktionäre das Feld erst einmal den Profis überlassen. Einige von ihnen könnten versuchen, die neuen Aktien zum Schnäppchenpreis zu kaufen. In den folgenden Tagen dürfte sich dann der Kurs deutlicher herausbilden. Denn die Bewertungen von Uniper gehen weit auseinander: Branchenexperten rechnen mit einem Firmenwert von vier bis 5,5 Milliarden Euro, das entspräche einem Kurs von elf bis 15 Euro. Die Mutter Eon setzt jedoch 12 Milliarden Euro an. Die Tochter hat netto 3,6 Milliarden Euro Schulden.

In Uniper haben die Düsseldorfer ihre Kohle- und Gaskraftwerke ausgelagert, die Kernkraftwerke in Schweden und die Gasförderung in Russland. Deshalb sollten Aktionäre vor allem die Strompreise in Deutschland im Blick haben, erklärt Deser. Wenn man damit rechne, dass die langfristig stiegen, sei Uniper interessant.

Uniper betreibt zwei Drittel der systemrelevanten Kohle- und Gaskraftwerke in Deutschland. Die springen ein, wenn nicht genug Wind- und Sonnenstrom erzeugt werden kann. Die Versorger fordern, dass der Stromkunde künftig für diesen Bereitschaftsdienst (Kapazitätsmarkt) zahlt. Kann die Branche diese staatlich organisierte Subvention nicht durchsetzen, wird es für Uniper allerdings schwer, meinen Bebachter.

Lüder Schumacher von der Société Générale meint jedoch, Uniper stehe stabiler da, als der Markt befürchte: Der Gewinnausblick sei relativ solide, die künftigen Dividenden dürften attraktiv ausfallen. Für das erste Jahr hat Eon 200 Millionen Euro angekündigt.

In jedem Fall gilt: Anleger müssen sich aktiv kümmern und die Energiemärkte im Auge behalten, meint Fondsmanager Deser. Ein "Witwen- und Waisenpapier", wie es die Versorgeraktien früher waren, ist Uniper jedenfalls nicht.

Quelle: RP
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