Opel-Krisengipfel: 100.000 Arbeitsplätze in Gefahr
zuletzt aktualisiert: 17.11.2008 - 10:48München/Bochum (RPO). Am Nachmittag tagt der Opel-Krisengipfel. Katastrophenszenarien kursieren. Die Experten-Prognose: Springt der Staat dem Unternehmen nicht bei, droht ein Verlust von mindestens 100.000 Arbeitsplätzen. Aber Bundeswirtschaftsminister Michael Glos will eine mögliche Bürgschaft in Milliardenhöhe an Bedingungen knüpfen.
Der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer warnt sagte dem Radiosender Bayern2 am Montag, es liege eine "außerordentliche Situation" vor, "und selbstverständlich kann man in so einer Situation, die in Deutschland mindestens 100.000 Arbeitsplätze betrifft, die Zulieferer mit nach unten reißen würde, nicht einfach sagen", dass der Staat damit nichts zu tun habe.
"Es steht sehr sehr viel auf dem Spiel", betonte Dudenhöffer. Mittelständische Unternehmen, die stark mit dem Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) zusammenarbeiteten, würden "gegen die Wand fahren".
Dudenhöffer deutete an, man solle in Deutschland nur helfen, wenn die US-Regierung GM ebenfalls helfe. "General Motors fährt an die Wand, wenn nicht der amerikanische Staat diese Woche ein Rettungsprogramm auflegt", erklärte der Autoexperte. Das Programm würde einige Milliarden Dollar umfassen und es werde vermutlich kommen. "Das Bargeld, um die Rechnungen, die Mitarbeiter und Zulieferer zu bezahlen, reicht vielleicht noch zwei, maximal drei Monate", erklärte Dudenhöffer. Keine Bank der Welt gebe GM jetzt ohne Bürgschaften einen Kredit.
Unterdessen warnte der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, im Zusammenhang mit Opel vor der Gewährung von Staatshilfen. "Man muss, gerade bei der Internationalität des Problems bei General Motors und Opel, sorgfältig darauf achten, dass eine staatliche Hilfe mit deutschem Steuergeld nicht dazu führt, dass wir etwas in die Konkursmasse überweisen und damit weder den Arbeitern bei Opel noch den europäischen Autokäufern eine Hilfe geben", sagte Walter im ZDF-"Morgenmagazin". Wenn deutsches Steuergeld investiert werde, sollte das auch helfen.
Glos stellt Bedingungen
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) will eine mögliche Bürgschaft für den angeschlagenen Autobauer Opel an Bedingungen knüpfen. "Wir können die Bürgschaft nicht einfach so über den Tisch schieben. Wir müssen wissen, ob das Geld in Deutschland bleibt oder nach den Strukturen dieses Konzerns möglicherweise abgezogen wird", sagte Glos am Sonntagabend in der ARD-Talkshow "Anne Will".
Die Regierung müsse sich erläutern lassen, "wie zukunftsträchtig das ganze ist, wie weit man Opel für sich abschirmen kann in Deutschland", sagte der CSU-Politiker. Sonst könne sie die Bürgschaft nicht gewähren.
Auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) will Bürgschaften für den Autokonzern Opel an Bedingungen knüpfen. Es müsse sichergestellt werden, dass das Geld nicht an den angeschlagenen US-Mutterkonzern General Motors (GM) abfließe, warnte Rüttgers am Montag in Berlin. Grundsatzlich bekräftigte er allerdings die Bereitschaft zur Hilfe. "Bund und Länder wollen alles tun, um die schwierige Situation bei Opel in den Griff zu bekommen", fügte er hinzu. Die Einzelheiten müssten nun ausgehandelt werden. Er betonte, dass Opel selbst keine Liquiditätsprobleme habe und das Management keine Fehler gemacht habe.
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück erteilte derweil allen Hoffnungen auf mögliche weitere Hilfen für die Automobilindustrie eine Absage. Der SPD-Politiker sagte der "Bild"-Zeitung: "Ein generelles Konjunkturprogramm für die deutsche Automobilindustrie macht keinen Sinn." Der Staat könne die private Kaufkraft nicht ersetzen, und er sei "auch nicht für die Fehler der Industrie verantwortlich", erklärte der SPD-Politiker.
Die schweren Probleme der Autoindustrie stehen heute im Mittelpunkt zweier hochrangiger Treffen in Berlin: Bundeskanzlerin Angela Merkel, Kanzleramtschef Lothar de Maizière, Steinbrück und Glos, treffen sich im Kanzleramt mit der Opel-Führungsspitze und Gesamtbetriebsratschef Klaus Frantz, um über eventuelle Hilfen zu sprechen. Am Abend wollte Bundesaußenminister und Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier die Betriebsräte deutscher Autokonzerne empfangen.
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