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Große Gewinne mit kleinen Preisen: 125 Jahre Woolworth: Einmal Imperium und zurück

VON ANJA WUNSCH - zuletzt aktualisiert: 22.02.2004 - 09:43
Düsseldorf (rpo). Er war der erste Kaufhauskönig: Frank Winfield Woolworth. Wie kaum ein anderer verkörpert der Erfinder der Selbstbedienung den amerikanischen Traum. Mit 300 Dollar Startkapital eröffnet er am 22. Februar 1879 im US-Bundesstaat New York sein erstes Geschäft. Der Clou: Jeder Artikel kostet genau fünf Cent.

Zwei Wochen läuft das Geschäft gut, aber bereits im Mai muss er mangels Nachfrage wieder schließen. Unverdrossen eröffnet Woolworth im Juni einen neuen Store in Lancaster, Pensilvania, diesmal in bester Innenstadtlage. Jetzt geht sein Konzept auf: Die Menschen reißen sich um die Selbstbedienungs-Artikel mit den Einheitspreisen.

Umsatz ist nichts – Gewinn ist alles

Doch ein Geschäft reicht dem Farmersohn nicht. Sein Ziel ist ein hoher Gewinn pro Stück. Er eröffnet weitere Geschäfte und kann dadurch direkt bei den Produzenten einkaufen. Das Angebot wird um 10-Cent-Artikel erweitert. Nach und nach spannt er seine ganze Familie als Leiter seiner ‚5-und-10-Cent-Stores’ ein. Sogar sein ehemaliger Chef, der Woolworth einmal als den „lausigsten Kaufmann aller Zeiten“ bezeichnet haben soll, wird Leiter einer Filiale.

Der Titel ‚pedantischster Kaufmann aller Zeiten’ hätte jedoch besser gepasst. Woolworth vertraute niemandem. Um die Aufmerksamkeit seiner Angestellten zu testen, besucht er unerkannt die Filialen und versucht zu stehlen. Auch die Geschäftsführer sind nicht vor ihm sicher. In einem Rundschreiben vom 14. Januar 1891 rät er: “Haben Sie keine Angst, ab und zu Ware in das Schaufenster zu stellen, die einen guten Gewinn bringt.“ Damit sie ein eigenes Interesse an hohen Gewinnen entwickelten, beteiligt er sie von Anfang an am Erlös.

Vom Börsengang bis zum Untergang

Bis 1904 eröffnet Woolworth 76 Geschäfte auf dem amerikanischen Kontinent. Der Umsatz erreicht die Zehn-Millionen-Marke. 1905 schließen sich die Geschäfte zur F. W. Woolworth & Co. zusammen und gehen an die Börse. Dem weltweiten Siegeszug der Kaufhäuser für ‚den kleinen Mann’ steht nichts mehr im Weg.

Im Juli 1927 erreicht die Welle Deutschland. Bis zum Kriegsausbruch gibt es hierzulande bereits 83 der ‚25- und 50-Pfennig-Läden’ mit Selbstbedienung. Woolworth verdient bald so viel Geld, dass er sich mitten in New York ein Denkmal leistet: Er lässt das damals mit rund 240 Metern höchste Gebäude der Stadt errichten und zieht dort mit der Firmenzentrale ein. Schon bald bekommt das Gebäude den Spitznahmen ‚Kathedrale des Handels’.

Als Woolworth 1919 im Alter von nur 66 Jahren stirbt, hinterlässt er ein florierendes Unternehmen. Erst in den 70er Jahren beginnt das Imperium in Amerika zu bröckeln. Den Woolworth-Geschäften in den Innenstädten laufen die Kunden weg. Mit den großen Shopping-Centern in den Vororten können sie nicht konkurrieren.

Die deutsche Woolworth-Tochter reagiert auf die geänderten Kundenwünsche und hat bald ein Sortiment von der Zahnpasta bis zum Fernseher. Der Wandel gelingt: 1998 kaufen sich die Deutschen sich von der amerikanischen Muttergesellschaft los. In der Heimat der Kaufhauskette erinnert heute nur noch ‚Kathedrale des Handels’ in New York an den Selbstbedienungs-Pionier.


 
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