Abfindung für Eick: 15 Millionen für Arcandor-Chef
VON REINHARD KOWALEWSKY - zuletzt aktualisiert: 26.08.2009 - 20:55Essen (RP). Sechs Monate nach seinem Start bei dem Krisenkonzern steht fest, dass Karl-Gerhard Eick in den nächsten Tagen zurücktreten wird. Er wird eine Superabfindung bekommen - denn der Ex-Telekom-Finanzchef kann gut verhandeln.
Der Mann kann mit Geld umgehen. Als Finanzvorstand der Deutschen Telekom baute Karl-Gerhard Eick den von Ex-Vorstandschef Ron Sommer angehäuften Schuldenberg in fünf Jahren von 65 Milliarden Euro auf etwas unter 40 Milliarden ab. Anders formuliert: Er senkte das Defizit um 25.000 Millionen Euro, also an einem Tag um 15 Millionen Euro.
Genau diesen Betrag wird der Betriebswirt wohl insgesamt für seine sechs Monate Arbeitszeit bei Arcandor, dem vor der Zerschlagung stehendem Mutterkonzern von Karstadt und Quelle kassieren. Aufsichtsräte des Konzerns erwarten einen Rücktritt von Eick in den nächsten Tagen. Denn am 1. September wird der Konzern in die tatsächliche Insolvenz überführt; der Vorstand hat ab dem Tag praktisch nichts mehr im Konzern zu sagen.
Und da Eick sich seine knapp drei Millionen Euro Gehalt von Großaktionär Sal. Oppenheim garantieren ließ, verliert er wegen der Insolvenz von Arcandor auch keinen Cent. "Ich bin alles andere als ein Abenteurer", rechtfertigt er sich gegenüber unserer Zeitung. "Da mein Vertrag in Bonn noch vier Jahre lief, habe ich darum gebeten, mir eine ähnliche Sicherheit auch bei Arcandor zuzusichern."
Der Deal stößt auf äußerst gemischte Reaktionen. "Gut verhandelt, Eick ließ sich nicht von Sal. Oppenheim an der Nase herumführen", sagt ein früherer Kollege aus Telekom-Zeiten. "Kein Kommentar", äußert zu unserer Zeitung Margrit Mönig-Raane, stellvertretende Aufsichtsratschefin von Arcandor und Bundesvorstand von Verdi. Tatsächlich, so die Verdi-Spitze, ließen sich solche Zahlungen aber nicht vermitteln, wenn gleichzeitig Tausenden Mitarbeitern nun die Entlassung drohe.
Eine Mitarbeiterin der Arcandor-Personalabteilung sieht das allerdings anders: "Natürlich hätten wir auch alle gerne eine Superabfindung wie der große Chef, falls wir gehen müssen. Aber wenn Oppenheim und nicht Arcandor das Geld zahlt, kann uns das am Ende doch egal sein."
Top-Gehalt und Zuschläge
Ähnlich gespalten ist auch die Reaktion unter den Kollegen in der Chefetage von Arcandor: Eine durch Sal. Oppenheim ausgesprochende Gehaltsgarantie wie Eick bekamen auch Finanzvorstand Andreas Günther sowie zwei weitere von Eick angeheuerte Vorstände sie alle erhalten jeweils einige Jahre ausgezahlt. Ihnen gegenüber stehen jedoch mit Marc Sommer und Stefan Herzberg zwei Vorstands-Habenichtse: Die Chefs von Quelle und Karstadt hatten ihre Verträge so früh unterschrieben, dass sie gar nicht auf die Idee kamen, eine Versicherung gegen die Pleite zu fordern. Sie bekommen nicht einmal Insolvenzgeld.
Eick selbst sieht das alles mit äußerst gemischten Gefühlen: Einerseits hat der 55-jährige, der im Nebenjob Aufsichtsrat der Deutschen Bank ist, nun wirklich ausgesorgt: Der Telekom-Vertrag lief noch vier Jahre und garantierte ein Grundgehalt von zwei Millionen. Jetzt bekommt er für ein weiteres Jahr ein Top-Gehalt und hat den bei der Telekom versprochenen Zuschlag von einer Million Euro im Jahr sicher.
Tatsächlich sind Eick Geld und Statussymbole so egal, wie nur wenigen Top-Managern. Während Vorgänger Thomas Middelhoff bevorzugt per Privatjet unterwegs war, reiste Eick oft mit dem Zug auf Termine für Arcandor. Er verzichtete auf einen neuen Dienstwagen sondern brachte einen Audi von der Telekom mit. Und in Köln-Marienburg besitzt er nicht etwa eine riesige Villa, sondern lebt mit seiner Frau in einer Eigentumswohnung. Also alles in Butter? Nein. Dennder Vater eines Sohnes wechselte zu Arcandor nur, um sich zú beweisen, dass er einen Konzern eigenständig führen kann. Neun Jahre Nummer Zwei bei der Telekom - da wollte er einmal zeigen,was er wirklich kann.
Jetzt wird Arcandor zerschlagen Erfolg sieht anders aus. Wie geht's weiter? "Ich bin manchmal frustriert und kaputt", verriet er mitten im Kampf um Arcandor. Und so richtig toll fand er nur einen Tag in Essen: Als er per Megaphon versprach, um alle Jobs zu kämpfen. Der Konkurs kam trotzdem.
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