Commerzbank: 150 Manager kassieren hohe Prämien
VON MICHAEL BRÖCKER UND GEORG WINTERS - zuletzt aktualisiert: 25.02.2011 - 07:35Berlin (RP). Die mit Milliardenhilfen des Staates gerettete Commerzbank will für das vergangene Jahr mehr als 400 Millionen Euro Boni an Teile der Belegschaft ausschütten. Nach Informationen unserer Redaktion aus Bankenkreisen sollen dabei allein 150 Banker, vorrangig Mitarbeiter der Investmentsparte, inklusive Bonuszahlungen ein Jahressalär von mehr als 500.000 Euro erhalten.
Die gesamte Gehaltssumme für diese Beschäftigten beträgt demnach mehr als 75 Millionen Euro. Mehr als 22 Millionen Euro davon sollen den Bankern als "Erfolgsbeteiligungen" zugesichert worden sein.
Die Commerzbank wurde aufgrund von Milliardenverlusten in der Wirtschafts- und Finanzkrise teilweise verstaatlicht. Der Bund ist Haupteigentümer mit einem Paket von 25 Prozent der Anteile plus einer Aktie und über den Bankenrettungungsfonds Soffin mit einer stillen Einlage beteiligt. Diese Einlage beträgt mehr als 16 Milliarden Euro.
Für Vorstandsmitglieder hatte die Politik wegen der Finanzkrise die Gehälter verbindlich auf 500 000 Euro im Jahr gedeckelt, für Manager in der unteren Ebene galt das aber lange Zeit nicht. Erst im Oktober hatte der Finanzausschuss des Bundestages diese Gehaltsobergrenze auch für Management-Bereiche unterhalb der Vorstandsebene beschlossen. Allerdings gelten die neuen Regeln erst ab 2011 und wirken somit im Fall Commerzbank noch nicht. Denn die Boni sollen ja für das abgelaufene Jahr gezahlt werden.
Die Sonderzahlungen seien "politisch instinktlos", aber rechtlich nicht zu beanstanden, heißt es folgerichtig im Finanzministerium. In der Opposition stößt das Vorgehen der Commerzbank-Spitze dennoch auf Kritik. "Diese Bank existiert nur noch, weil der Steuerzahler sie mit Milliarden gestützt hat", sagte der Haushaltsexperte der Grünen-Fraktion, Alexander Bonde. "Da verfängt auch nicht das Argument, dass anderswo in der Branche besser gezahlt wird." Auch führende Unionspolitiker äußerten sich intern verärgert über das Vorgehen der Bank, betonten aber, dass sie keine rechtliche Handhabe hätten.
Die Commerzbank wollte sich zu den Bonuszahlungen gestern auf Anfrage nicht äußern. Vorstandschef Martin Blessing hatte bei der Bilanzpressekonferenz am Mittwoch generell Sonderprämien für Mitarbeiter verteidigt und angekündigt, noch in diesem Jahr einen Teil der Staatsgelder zurückzuzahlen. Mit den Prämien werde der Einsatz jener rund 59 000 Mitarbeiter honoriert, die "durch ihre Arbeit die vorzeitige Rückkehr der Bank in die Gewinnzone erreicht" hätten, hatte Blessing gesagt.
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