| 20.45 Uhr

Telekom-Konzernvorstand van Damme
"2018 haben 86 Prozent in NRW schnelles Internet"

"2018 haben 86 Prozent in NRW schnelles Internet"
Niek Jan van Damme gestikuliert gern und deutlich. FOTO: dpa
Bonn. Telekom-Konzernvorstand Niek Jan van Damme spricht im Interview mit unserer Redaktion über Netzneutralität, Bandbreiten und neue Angebote. Internet-Nutzern in NRW macht er Hoffnung auf schnelleres Internet. Von Reinhard Kowalewsky

Herr van Damme, die Telekom ist wichtigster Telefonkonzern in Deutschland und in NRW. Wird NRW es schaffen, bis 2018 wie angekündigt 95 Prozent der Haushalte mit schnellem Internet von mindestens 50 Megabit zu versorgen?

Van Damme Ich bin da sehr optimistisch. Laut Breitbandatlas haben ja 75 Prozent der Haushalte schon einen Zugang von mindestens 50 Megabit/Sekunde und wir bauen weiter aus. Ende 2018 werden wir – sofern die regulatorischen Rahmenbedingungen gegeben sind – von den 9,9 Millionen Anschlüssen in NRW rund 8,5 Millionen Anschlüsse, das heißt 86 Prozent, durch eigene Investitionen mit Bandbreiten bis zu 100 MBit/s (Megabit/Sekunde) im Download und mit bis zu 40 MBit/s im Upload anbieten. Bereits in diesem Jahr werden mehr als drei Millionen Anschlüsse fertiggestellt sein.

Und der Rest?

Van Damme Wir glauben, den Rest von NRW mit Kooperationen, bei denen die öffentliche Hand einen Teil der Kosten übernimmt, sowie über Mobilfunk erschließen zu können: Denken Sie daran: Mit LTE könnten wir Haushalte mit bis zu 300 Megabit pro Sekunde versorgen.

Einmalig für Deutschland will das Unternehmen Deutsche Glasfaser bis zu 300.000 Haushalte am Niederrhein direkt bis ins Haus mit Glasfaser ausrüsten. Warum traut sich die Telekom so etwas nicht und setzt fast nur auf aufgerüstetes DSL?

Van Damme Zum einen sind wir mit einem Netz von 400 000 Kilometern mit Abstand das größte Glasfaserunternehmen in Deutschland. Zum anderen sollten Sie unser Kupferkabel nicht unterschätzen. Wir sehen bei Kupfer derzeit mehr Innovationskraft als bei Glasfaser. So können wir mit der neuen Technik Super-Vectoring bald schon 250 Megabit pro Sekunde und mehr erreichen. Das reicht, um zum Beispiel drei Filme gleichzeitig in 4K zu übertragen. Aber auch jetzt sind wir mit den angebotenen 100 Megabit pro Sekunde absolut wettbewerbsfähig. Aber, anbieten können wir das alles nur, wenn wir die neue Technik Vectoring überall einsetzen dürfen.

Wettbewerber befürchten ein neues Monopol, weil Telekom in Ortsnetzen die ganze Technik steuern würde.

Van Damme Der Zusammenhang ist anders. Wenn wir auf Vectoring verzichten, haben die Kabelnetzfirmen wie Unitymedia in vielen Gebieten ein Monopol auf besonders schnelles Internet. Wenn wir dagegen aufrüsten, können auch andere Telefonfirmen unsere schnellen Anschlüsse anmieten. Wir schaffen also mehr Wettbewerb. Und Millionen Haushalte erhalten durch Vectoring erstmals superschnelle Anschlüsse. Darum befürwortet auch die Bundesnetzagentur unsere Vectoring-Strategie, und ich bin zuversichtlich, dass die EU unseren Vorschlag unterstützen wird.

Wächst die Nachfrage nach höheren Bandbreiten wirklich dauerhaft?

Van Damme Ja. Zusätzlich zum Boom mit Videos und Musik kommt zum Beispiel Virtual-Reality in Mode: Die Menschen können sich in einer künstlichen Welt bewegen, die sie dreidimensional mit einer Art Brille betrachten – die Menschen können sich dann ein Urlaubsziel einfach aus der Ferne anschauen.

Telefonfirmen sollen künftig Aufschläge nehmen können, wenn sie die Qualität der Durchleitung garantieren. Wann führt die Telekom dieses Zwei-Klassen-Internet ein?

Van Damme Es ist gut, dass wir künftig beim Internetverkehr etwas differenzieren können, um manche sensible Dienste erst zu ermöglichen. Mit einem Zwei-Klassen-System hat das nichts zu tun. Mit garantierter Übertragungsqualität können wir beispielsweise ermöglichen dass Ärzte Operationen live verfolgen können. Die meisten Anwendungen werden wir wohl bei der Kommunikation zwischen Maschinen sehen – eher Geschäftsanwendungen als Angebote für Privatkunden. Auch für Online-Spiele, die sehr schnelle Reaktionszeiten brauchen, können garantierte Übertragungsqualitäten sinnvoll sein.

Was habe ich davon?

Van Damme Ein virtueller Ball auf dem Bildschirm wird dann trotz vieler Kilometer Entfernung zwischen den Spielern ruckelfrei erkannt und zurückgeschossen.

Wird Google sich für viel Geld bevorzugte Einspeisung für sein Videoportal Youtube kaufen können?

Van Damme Es ist ein Missverständnis, dass gerade große Konzerne von der Differenzierung profitieren: Wir erwarten viele interessante Angebote von jungen, innovativen Dienstleistern.

Mit der breit geforderten Netzneutralität hat dies nichts zu tun.

Van Damme Um das mal klar und unmissverständlich zu sagen, die Deutsche Telekom steht für Netzneutralität. Aber ein freies und offenes Internet bedeutet auch, dass möglichst viele neue Dienste entstehen können. Also müssen wir für manche Angebote auch die dafür notwendigen technischen Voraussetzungen schaffen. Sonst würden wir die neuen Dienste ja faktisch verhindern – das wäre genau das Gegenteil eines freien Internets.

So richtig wichtig wird das Thema differenzierter Datendurchleitung doch erst mit dem ab 2020 startenden neuen Mobilfunkstandard 5G?

Van Damme Stimmt. Mit 5G werden sichere und verzögerungsfreie Übertragungswege besser möglich. Bei selbstfahrenden Autos muss die Warnung vor einer Kollision zwischen den Fahrzeugen im Millisekundenbereich erfolgen. Wenn Roboter untereinander Teile übergeben, müssen sie auch extrem schnell kommunizieren. Und wenn Ärzte einen Operationsroboter steuern, ist ja auch klar, dass etwa die Informationen der Tastsensoren in Echtzeit übertragen werden müssen.

Laut Experten können Daten nur verzögerungsfrei aufgerufen werden, wenn sie rund 100 Kilometer entfernt bereitstehen. Bauen Sie also künftig hunderte Datenspeicher entlang ihrer Telefonnetze ?

Van Damme Die Telekom wird ihr Geschäftsmodell mit der nächsten Mobilfunkgeneration erweitern. Natürlich leiten wir dann nicht mehr nur Daten durch, sondern bieten zunehmend auch entlang der Datenautobahnen Speicher- und Rechenkapazitäten an.

Zurück zum Festnetz: Würde es nicht Geld sparen, direkt Glasfaser in Häuser zu legen, statt die DSL-Netze erst aufzurüsten und dann später doch durch reine Glasfaser zu ersetzen?

Van Damme Bundesweit würde es zirka 90 Milliarden Euro kosten, jeden Haushalt mit Glasfaser direkt in die Wohnung zu versorgen – das wäre bei der jetzigen nur niedrigen Nachfrage nicht zu refinanzieren. Bedenken Sie: Von den bisher von uns gelegten Glasfaseranschlüssen bis in die Haushalte haben wir nur einen relativ geringen Teil vermarktet. Die Kunden rennen uns bei VDSL die Bude ein, dagegen ist Glasfaser mit fünf Euro Zuschlag noch kein wirklicher Renner.

Machen Sie doch Paketpreise inklusive Ihrem TV-Angebot "Entertain" und bestem Übertragungstempo.

Van Damme Paketangebote machen wir sowieso immer mehr und die kommen auch bestens an.

Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

"2018 haben 86 Prozent in NRW schnelles Internet"


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.