Ex-Chef Axel Wieandt: 240.000 Euro Pension für HRE-Banker
VON BIRGIT MARSCHALL - zuletzt aktualisiert: 25.09.2010 - 12:45Berlin (RP). Neue Details des äußerst lukrativen Arbeitsvertrags von Bankmanager Axel Wieandt, der im Frühjahr die Münchner Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) überraschend wieder verlassen hatte, bringen die Bundesregierung unter Druck. Derweil wurde bekannt, dass zwei weitere Spitzenkräfte die Bank verlassen - beide fürstlich entlohnt.
"Der Bund hat es nicht geschafft, der Selbstbedienungsmentalität bei der HRE Einhalt zu gebieten", kritisierte Grünen-Finanzpolitiker Gerhard Schick. "Es stellt sich die Frage, ob der Bundesfinanzminister bei der Bewältigung der Krisenfolgen noch alles im Griff hat", sagte SPD-Haushaltspolitiker Carsten Schneider unserer Redaktion.
Mitten in der Finanzkrise hatte der HRE-Aufsichtsrat mit Wieandt Ende 2008 einen äußerst attraktiven Arbeitsvertrag ausgehandelt. Wieandt erhält demnach unbegrenzt vom 60. Lebensjahr an ein jährliches Altersgeld von 240 000 Euro, unabhängig davon, wie lange er der Bank diente. Der Vertrag "unterlag damals noch nicht den Berichtspflichten gegenüber der Finanzmarktstabilisierungsanstalt (FMSA) oder einem Zustimmungserfordernis seitens der FMSA", heißt es in einer Antwort des Finanzministeriums auf eine Anfrage der Grünen. Die FMSA soll die HRE kontrollieren.
"Der Vorgang ist empörend, weil hier leichtfertig das Geld der Steuerzahler verschleudert wurde", sagte Grünen-Politiker Schick. Der Bund habe dabei arg- und tatenlos zugesehen. Im privaten Bankgeschäft seien Pensionszusagen erst üblich, wenn Manager mindestens fünf Jahre lang im Amt blieben.
Die Opposition monierte falsche Angaben des Parlamentarischen Staatssekretärs im Finanzministerium, Steffen Kampeter. Der CDU-Politiker hatte zunächst erklärt, die FMSA und die Regierung hätten keine Kenntnis von dem Arbeitsvertrag Wieandts gehabt. Am 22. September musste sich Kampeter korrigieren: Der FMSA sei der Vertrag sehr wohl zugeleitet worden.
Die HRE hat bislang staatliche Garantien im Umfang von 142 Milliarden Euro erhalten und soll weitere zehn Milliarden als Eigenkapital bekommen. Wieandt war als HRE-Vorstandschef im März zurückgetreten, weil er Vorstandsmitglieder besser vergüten wollte, als es der Bund zuließ. Zwei von ihnen, Kai Wilhelm Franzmeyer und Frank Krings, wollen die HRE nach einem Bericht der "Welt am Sonntag" in Kürze verlassen. Beide könnten darauf zählen, bisher gestundete Boni sowie Pensionsansprüche ausgezahlt zu bekommen.
Auch bei der Kontrolle der Vorstandsgehälter der teilverstaatlichten Commerzbank zeigen sich FMSA und Regierung zahm: Deren Entgelte sollten bei 500 000 Euro gedeckelt werden. Da die FMSA annimmt, dass die Bank die Regel befolgt, sieht sie keine Notwendigkeit, eine "Überprüfung der tatsächlichen Auszahlung der Gehälter vor Ort vorzunehmen", beantwortete Kampeters eine Grünen-Anfrage.
Am Samstag wurde publik, dass zwei weitere Manager dem Beispiel Wieandts folgen wollen. Wie die "Welt am Sonntag" erfuhr, handelt es sich dabei um Kapitalmarktvorstand Kai Wilhelm Franzmeyer und Frank Krings, verantwortlich für die internen Abläufe. Unter Berufung auf Informationen aus dem Umfeld der Bank heißt es, beide hätten sich ihre Freigabe für den Herbst zusichern lassen. Die Manager sollen angeblich ab ihrem 60. Lebensjahr jeweils 186.000 Euro jährlich erhalten.
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