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Deutschland
278 Aktionäre verklagen VW auf 3,255 Milliarden Euro

278 Aktionäre verklagen VW auf 3,255 Milliarden Euro in Deutschland
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München . Nicht nur in den USA drohen dem Volkwagenkonzern teure Prozesse wegen des Abgasskandals: Einem Bericht zufolge kommen nun auch die ersten milliardenschweren Verfahren in Deutschland auf das Unternehmen zu.

Beim Braunschweiger Landgericht reichten 278 Aktionäre eine Sammelklage ein, wie die "Süddeutsche Zeitung" sowie die Sender NDR und WDR berichteten. Wegen der Manipulation von Abgas-Werten bei Diesel-Fahrzeugen verklagen die Investoren den VW-Konzern demnach auf 3,255 Milliarden Euro.

Volkswagen hatte im September eingeräumt, weltweit in rund elf Millionen Dieselfahrzeugen eine Schummelsoftware eingesetzt zu haben, die Emissionstests manipuliert. Der Anwalt Andreas Tilp verlangt dem Bericht zufolge Schadenersatz für alle Mandanten, die ab Mitte 2008 VW-Aktien erworben hatten. Die Anteilseigner fordern demnach einen Ausgleich für die hohen Kursverluste, die sie mit ihren VW-Papieren erlitten haben.

VW - Eine Übersicht über betroffene Motoren und Modelle

MOTOREN - Laut VW ist der Dieselmotor mit der Bezeichnung EA 189 Kern des Problems. Er wurde bei etlichen Marken eingesetzt, erfüllt die EU-Abgasnorm Euro 5 und wird mit 1,2, 1,6 oder 2,0 Litern Hubraum angeboten. Betroffen vom Stickoxid-Skandal sind die Baujahre 2009 bis 2014. Seit dem 29. Februar läuft offiziell der Rückruf für die großen 2,0-Liter-Antriebe, dabei machen Varianten des Passat und Audi A4 den Anfang. Für den kleinen 1,2-Liter-Motor nennt der Konzern in einem Kundenbrief einen Beginn der Werkstatt-Aktionen ab dem 30. Mai. Die mittelgroßen 1,6-Liter-Aggregate sind dann ab dem 5. September dran.

Insgesamt müssen in Deutschland rund 2,5 Millionen VW-Modelle zurück.
Beim 1,6-Liter-Antrieb soll neben einem Software-Update ein Bauteil eingesetzt werden. Volkswagen betont, dass alle Fahrzeuge aber auch ohne diese Nachbesserungen "technisch sicher und fahrbereit" seien.

VW prüfte außerdem, ob frühe Versionen des EA-189-Nachfolgers zurückgerufen werden müssen. Es ging um die anfängliche Variante des ab 2012 eingesetzten EA 288 mit Euro-5-Norm. Hier sei aber "keine Software verbaut, die eine unzulässige Abschalt-Einrichtung im Sinne der Gesetzgebung darstellt", hieß es nach Prüfungen. In den USA sind zudem 85 000 Autos mit dem von Audi gelieferten, großen 3,0-Liter-TDI unterwegs, die eine nach US-Recht verbotene Motorsoftware enthalten.

MODELLE - Bei der Kernmarke VW-Pkw sind unter anderem der Golf der sechsten Generation, der Passat der siebten Generation und der Tiguan der ersten Generation betroffen. Die Software steckt auch in Modellen der Reihen A1, A3, A4 und A6 sowie Q3 und Q5 der Oberklasse-Tochter Audi. Dieselmotoren, die bei Skoda und Seat verwendet wurden, fallen ebenfalls unter den Abgas-Skandal. Bei den leichten VW-Nutzfahrzeugen sind ältere Ausgaben des Caddy und Amarok betroffen. Die in den USA unzulässige Software der 3-Liter-Diesel findet sich im VW Touareg und Porsche Cayenne sowie in den Audi-Modellen Q5, Q7, A6, A7 und A8.

VW hatte im Herbst außerdem von "Unregelmäßigkeiten" bei CO2-Werten berichtet. Hier sind nicht - wie anfangs befürchtet - bis zu 800.000, sondern höchstens 36.000 Fahrzeuge betroffen. Audi, Skoda und Seat konnten Entwarnung für die komplette Flotte geben. Bei der Kernmarke VW gab es bei 9 Modellvarianten Abweichungen zwischen tatsächlichen und angegebenen C02-Werten: dem Polo (1,0l), Scirocco (2,0l), Jetta (1,2l und 2,0l), Golf (2,0l), Golf Cabriolet (2,0l), Passat Alltrack (2,0l), Passat Variant (2,0l) und Passat Variant (1,4l).

MARKEN - VW-Vorstandschef Matthias Müller gab in einer Rede vor der Belegschaft im vergangenen Oktober an, dass weltweit insgesamt rund fünf Millionen Autos der Hauptmarke VW-Pkw unter die Affäre fallen. Hinzu kommen etwa 2,1 Millionen Audis, 1,2 Millionen Skodas, 700.000 Seats sowie 1,8 Millionen leichte Nutzfahrzeuge.

(felt/dpa/AFP)
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