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Staatsanwaltschaft ermittelt: 3100 Ärzte unter Korruptionsverdacht

zuletzt aktualisiert: 13.04.2007 - 20:13

Bielefeld (RPO). Den deutschen Ärzten steht offenbar ein handfester Skandal ins Haus. Einem Zeitungsbericht zufolge sollen Manager von vier Pharma-Konzernen rund 3000 Ärzte bestochen haben.

Wie das Bielefelder "Westfalen-Blatt" berichtet, ermittelt die Staatsanwaltschaft München in 3100 Fällen in der Mehrzahl gegen Mediziner sowie auch gegen Mitarbeiter der Firmen Fujisawa, Bristol-Myers Squibb (BMS) und Servier. Bundesweit sind den Angaben zufolge 600 Kliniken betroffen. Auch mehrere Chefärzte sollen unter Korruptionsverdacht stehen.

Zudem bestehe bei dem größten Biotechnologiekonzern der Welt, Amgen, der Verdacht der Vorteilsgewährung gegenüber Ärzten, sagte Oberstaatsanwalt Anton Winkler der Zeitung. Über die Zahl der Strafverfahren in diesem Fall, die deutsche Zentrale von Amgen befindet sich in München, könne noch keine Auskunft erteilt werden.

Allein im Fall der New Yorker Firma BMS, die ihren Deutschlandsitz in München hat, liefen noch 2500 Ermittlungsverfahren, sagte Winkler weiter. Insgesamt seien es 3000 gewesen.

500 Verfahren seien bereits abgeschlossen. Die meisten davon seien wegen geringer Schuld oder Geldauflage eingestellt worden. Die Geldauflage habe bei einigen Ärzten bis zu 10.000 Euro betragen. In den anderen eingestellten Fällen habe es keinen Tatnachweis gegeben.

Den beschuldigten Ärzte werde vorgeworfen, Vorteile der Firma BMS, wie Bargeld, Geschenke, die Finanzierung von Privatveranstaltungen sowie die Übernahme von Weihnachtsfeier-Kosten, genossen zu haben. Auch Studienreisen und Geräte seien finanziert worden.

Der Konzern soll zum Beispiel einem Arzt und seinem Team einen Schiffsausflug auf dem Ammersee in Bayern spendiert haben. Im Gegenzug habe BMS erwartet, dass die Klinik Präparate des Konzerns einsetze.

Im Fall des international tätigen japanischen Pharmakonzerns Fujisawa werde gegen 300 Ärzte und Firmenmitarbeiter ermittelt. Diese Verfahren würden im Spätsommer abgeschlossen, sagte Winkler. Die Firma soll durch die Bezahlung von vermutlich wertlosen Studien und Anwendungsbeobachtungen den Absatz eines Medikamentes gefördert haben. Ebenfalls 300 Korruptionsverfahren liefen nach den Worten des Oberstaatsanwaltes in Zusammenhang mit dem Pharma-Konzern Servier Deutschland GmbH.

Quelle: afp

 
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