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Starker Anstieg der Firmenpleiten
35.000 Jobs in NRW wackeln

Düsseldorf (rpo). Immer mehr Firmen in NRW gehen in die Knie. Die Pleitewelle ist erneut sprunghaft angestiegen, was zur Folge hat, dass 35.000 Jobs im bevölkerungsreichsten Bundesland auf der Kippe stehen.

Im ersten Halbjahr 2003 beantragten landesweit rund 5800 Unternehmen die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens bei den Amtsgerichten, teilte das Landesamt für Statistik am Montag in Düsseldorf mit. Gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres nahm damit die Zahl der Firmenpleiten in der Wirtschaft von Nordrhein-Westfalen um gut ein Drittel zu.

Die Pleitewelle fiel noch stärker aus als von Experten befürchtet. Das Neusser Wirtschaftsinformations-Unternehmen Creditreform hatte rund 5100 Firmenpleiten in Nordrhein-Westfalen im ersten Halbjahr 2003 prognostiziert. Das Bundesland liege mit dem Zuwachs von einem Drittel in der Spitzengruppe in Deutschland, sagte eine Sprecherin. Zahlreiche Insolvenzen gebe es dieses Jahr vor allem im Einzelhandel. Daneben sei auch die Baubranche weiter besonders stark betroffen.

Durch die Insolvenzen im ersten Halbjahr 2003 drohen fast 35 000 Arbeitsplätze wegzubrechen. Jeder dritte Unternehmensantrag auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens wurde mangels Masse abgewiesen, hieß es beim Landesamt für Statistik weiter. Neben den Unternehmen beantragten 5400 weitere Schuldner die Eröffnung eines Verfahrens. Darunter waren gut 4200 Verbraucherinsolvenzen von Arbeitnehmern, Arbeitslosen, Rentnern - 87 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2002.

Die CDU-Landtagsfraktion bezeichnete die Zahlen als einen "Beleg für die verfehlte Wirtschaftspolitik" der rot-grünen Landesregierung. Ein trauriger Rekord sei auch der Anstieg der Verbraucherinsolvenzen. "Der Pleitegeier ist zum neuen Wappentier in NRW geworden", betonte der wirtschaftspolitische Fraktionssprecher Christian Weisbrich. Der Pleitegeier komme Privatleuten genauso bedrohlich nahe wie Firmen.

Das Düsseldorfer Wirtschaftsministerium sieht die allgemein schwache Konjunktur als Ursache des Pleiterekords. In finanzielle Schwierigkeiten geratene Unternehmen sollten sich frühzeitig beim Service-Center Mittelstand (Rufnummer 0180-1301300) über konkrete Hilfsmöglichkeiten informieren. Das Ministerium verwies darauf, dass immer noch mehr Unternehmen gegründet als abgemeldet würden. Eine Insolvenz bedeute nicht automatisch Liquidation eines Unternehmens. In vielen Fälle verlaufe ein Sanierungsprozess heute erfolgreich.

Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft in NRW sieht die Gefahr, dass viele Existenzgründungen bereits nach einer kurzen Zeit der Pleitewelle zum Opfer fallen könnten. "Über die Ich-AG werden viele Arbeitslose in die Selbstständigkeit getrieben. Nicht einmal ein Business-Plan muss dem Arbeitsamt vorgelegt werden", erklärte der Landesgeschäftsführer des Verbandes, Hajo Döllgen, in Düsseldorf.

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