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Die Argumente im Streit um längere Arbeitszeiten: 40-Stunden-Woche: Wohl oder Übel?

zuletzt aktualisiert: 28.06.2004 - 15:23

Frankfurt/Main (rpo). Kaum kehren zwei Siemens-Werke zur 40-Stunden-Woche zurück, bricht sich eine generelle Diskussion über längere Arbeitszeiten in Deutschland ihre Bahn. Arbeitgebervertreter und die Union fordern eine Ausweitung dieses Beispiels. Die Gewerkschaften warnen hingegen eindringlich vor generell längeren Arbeitszeiten. Nachfolgend Argumente für beide Standpunkte:

PRO:

Das entscheidende Argument der Befürworter längerer Arbeitszeiten ist die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Denn bei einer Verlängerung ohne Lohnausgleich sinken die Lohnkosten pro Stunde: Arbeit wird also billiger und die Unternehmen können nach Ansicht etwa des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln besser gegen die internationale Konkurrenz bestehen. Eine Arbeitszeitverlängerung sei eine "sehr humane Möglichkeit", die Arbeitskosten zu verringern, sagt IW-Experte Christoph Schröder. Auch das Vorstandsmitglied des rheinisch-westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), Thomas Bauer, spricht von dem "geringsten Übel" für die Beschäftigten.

Die Unterstützer einer Ausweitung des Siemens-Modells erwarten, dass durch die geringeren Kosten Arbeitsplätze in Deutschland gehalten und nicht ins Ausland verlagert werden. Langfristig erhoffen sie sich durch eine höhere Wettbewerbsfähigkeit sogar neue Stellen. Allerdings setzen die meisten Experten auf flexible Lösungen wie einen Arbeitszeitkorridor und nicht auf eine generelle Verlängerung. Betriebliche Vereinbarungen, bei denen einzelne Unternehmen zum Beispiel auch eine 30-Stunden-Woche einführen könnten, seien wahrscheinlich am besten, sagt RWI-Experte Bauer.

CONTRA:

Statt neuer Arbeitsplätze befürchten die Gegner dagegen sogar einen Verlust von Jobs. Sie argumentieren, dass es keine entsprechende Nachfrage für einen solchen Schritt gibt. Die Folge aus ihrer Sicht: Es werden bei einer 40-Stunden-Woche weniger Beschäftigte gebraucht und es kommt zum Abbau von Arbeitsplätzen. Der Tarifexperte der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, Reinhard Bispinck, lässt auch den Vergleich mit anderen Industriesstaaten nicht gelten, in denen meist längere Arbeitszeiten bestehen. Die Lohnstückkosten seien in Deutschland in den vergangenen Jahren weniger als in anderen Staaten gestiegen, sagt Bispinck.

Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) verweist auf die steigenden Export in Deutschland. Das Argument der Wettbewerbsfähigkeit solle deshalb nicht zu hoch gehängt werden, sagt Brenke. Für den DIW-Experten ist die Binnennachfrage entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung. Der private Verbrauch bekomme durch die längeren Arbeitszeiten aber keine Impulse, sagt Brenke. Die Beschäftigten haben bei längeren Arbeitszeiten genauso viel Geld wie vorher in der Tasche. Indirekt könnte nach Ansicht von Kritikern sogar eine schwächere Nachfrage entstehen, wenn es etwa tatsächlich zum Abbau von Arbeitsplätzen käme.


 
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