Mit iPod, Laptop oder Beamer geschmiert?: 480 deutsche Ärzte unter Bestechungsverdacht
zuletzt aktualisiert: 18.07.2009 - 11:27Hamburg (RPO). Die Staatsanwaltschaft Aachen hat das Ermittlungsverfahren gegen das Pharmaunternehmen Trommsdorff erheblich ausgeweitet. Zu den vor einem Jahr gestarteten Verfahren gegen Manager und Außendienstler kommen Medienberichten zufolge inzwischen noch 480 Ermittlungsverfahren gegen Ärzte im ganzen Bundesgebiet dazu.
"Ich kann nicht ausschließen, dass sich diese Zahl noch erheblich ausweitet", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Robert Deller gegenüber dem Magazin "Spiegel". Die Ermittler werfen den Ärzten Betrug und Untreue zu Lasten der Krankenkassen vor.
Dem Bericht zufolge hatten sie unter anderem an Anwendungsbeobachtungen (AWB) für Trommsdorff-Medikamente teilgenommen. In einem Formular konnten sie demnach ankreuzen, welche Belohnung sie wollten: Für 5 Patienten gab es einen Flachbildschirm oder einen iPod, für 7 Patienten einen DVD-Recorder, für 12 Patienten einen Jura-Kaffee-Vollautomaten, für 14 Patienten das Navigationssystem TomTom Go, und für 18 Patienten konnten sie wählen zwischen Laptop, Beamer oder Computer mit Drucker. Trommsdorff habe den Ärzten die Artikel als Gegenleistung für die Teilnahme an AWB zwischen 2004 und 2007 angeboten.
Bei AWB handelt es sich formal um Studien, die Nebenwirkungen eines Medikaments beobachten sollen. Sie stünden in zweifelhaftem Ruf, weil viele AWB vor allem dazu dienen, den Absatz anzukurbeln. Trommsdorff wollte dem "Spiegel" nicht sagen, wie viele Ärzte bundesweit derartige Elektrogeräte erhalten hatten.
Das Unternehmen habe aber versichert, "vollumfänglich mit der Staatsanwaltschaft Aachen" zu kooperieren. Die habe inzwischen die ersten zehn Verfahren gegen Außendienstler gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt.
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