GM will alle deutschen Opel-Werke erhalten: 4900 Opelaner müssen in Deutschland gehen
zuletzt aktualisiert: 25.11.2009 - 17:32Wiesbaden (RPO). Die Opel-Beschäftigten in Deutschland sollen die Hauptlast des Stellenabbaus bei der Sanierung des Autobauers tragen: 4900 Arbeitsplätze sollen gestrichen werden, wie der neue Europa-Chef des Mutterkonzerns General Motors, Nick Reilly, am Mittwoch in Rüsselsheim deutlich machte. Alle vier Opel-Standorte in Deutschland sollen aber erhalten bleiben. Der Betriebsrat hat die Pläne scharf kritisiert.
GM will europaweit 8684 Stellen streichen. Das sagte der Vorsitzende der europäischen Betriebsräte, Klaus Franz, am Mittwoch in Rüsselsheim nach einem Treffen mit GM-Europa-Chef Nick Reilly. Davon entfielen auf Rüsselsheim in Hessen rund 2500 Stellen, auf Bochum etwa 1800 Stellen und auf Kaiserslautern in Rheinland-Pfalz sowie Eisenach in Thüringen jeweils etwa 300 Stellen. Damit wären in Deutschland 4900 Jobs betroffen.
Die Kapazität der europäischen GM-Tochter solle um etwa 20 Prozent heruntergefahren werden, erklärte Reilly. Die Zukunft des Werkes im belgischen Antwerpen sei unsicher. Dafür solle eine Arbeitsgruppe nach Lösungen suchen. Reilly sagte weiter, der Beratungsprozess mit der Belegschaft über den Restrukturierungsplan solle im Laufe des Dezembers abgeschlossen werden. Die Kosten für die Sanierung bezifferte er wie schon in der Vergangenheit auf insgesamt 3,3 Milliarden Euro, wozu auch GM selbst einen Beitrag leisten werde.
Eisenach sehr wettbewerbsfähig
Zuvor hatte Reilly in Rüsselsheim nach einem Gespräch mit der thüringischen Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht auch eine Zusage für das lange als gefährdet geltende Werk in Eisenach abgegeben. Das Werk arbeite sehr effektiv und sei von den Produktionskosten her "sehr wettbewerbsfähig", sagte er.
Ministerpräsidentin Lieberknecht begrüßte es, dass Eisenach, wo rund 1800 Beschäftigte den Opel Corsa produzieren, Bestandteil des Konzeptes für Opel in Deutschland bleibe. Die Landesregierung werde den Prozess sehr konstruktiv begleiten und warte nun auf die konkrete Vorlage des Konzepts. Dann wolle man gemeinsam mit den anderen Standortländern und der Bundesregierung beraten, wie man die Pläne von GM weiter begleiten werde. Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende in Eisenach Reinhard Schäfer erklärte, durch Kurzarbeit solle Stellenabbau vermieden werden.
Nach Angaben des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch plant General Motors am größten Opel-Standort in Rüsselsheim mit seinen rund 15.000 Beschäftigten keine betriebsbedingten Kündigungen. Das sagte er im Anschluss an ein Gespräch mit Reilly in Wiesbaden. Reilly betonte: "Rüsselsheim ist nicht nur ein sehr guter Produktionsstandort, sondern auch das Entwicklungszentrum." Die Verlagerung der Europa-Zentrale von Zürich nach Rüsselsheim sei ein Zeichen, welche Bedeutung GM dem Standort beimesse. Reilly erklärte, dass es bei den Stellenstreichungen über das Magna-Konzept nicht hinausgehen werde. Magna wollte am Opel-Standort Rüsselsheim gut 700 Stellen abbauen.
Opel-Betriebsrat kritisiert geplanten Stellenabbau scharf
Betriebsratschef Klaus Franz hat den geplanten Stellenabbau von General Motors bei Opel zu Lasten Deuschlands und Belgiens scharf kritisiert. Der Betriebsrat akzeptiere "in keinster Weise" die Pläne von GM, sagte Opel-Betriebsratschef Klaus Franz am Mittwoch in Rüsselsheim. GM wolle in Europa insgesamt rund 8700 Stellen abbauen, davon 7230 in deutschen und belgischen Werken. Dies sei aus Sicht der Arbeitnehmer in Deutschland und Belgien kaum hinnehmbar.
Laut Franz sollen in Deutschland die meisten Arbeitsplätze im Stammwerk Rüsselsheim wegfallen. GM wolle dort rund 2500 Jobs abbauen, davon rund 1100 in der Verwaltung und 860 in der Produktion, sagte Franz. Im Werk Bochum sollen demnach knapp 1800 Stellen wegfallen, in Eisenach und Kaiserslautern jeweils rund 300 Arbeitsplätze. Im Werk im belgischen Antwerpen stünden für den Fall der Schließung alle rund 2300 Jobs auf der Kippe. Erhalte das Werke jedoch die Produktion eines neuen Geländewagens, fielen dort lediglich 750 Stellen weg.
NRW-IG Metall warnt vor Staatshilfe
Der Chef der IG Metall in NRW, Oliver Burkhard, warnt vor Staatsgeld für Opel: "Das ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht vertretbar", sagte Burkhard im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Opel-Mutter General Motors habe signalisiert, Opel auch aus eigener Kraft sanieren zu können. Außerdem sei noch nicht klar, wie hoch der Stellenabbau ausfallen werde. "Würden jetzt Staatshilfen gewährt, bestünde die Gefahr, dass der deutsche Steuerzahler am Ende ein Streichkonzert bei Opel finanziert", sagte Burkhard.
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