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Wolfsburg
60.000 VW-Kunden beteiligen sich an Klage

Wolfsburg. Über eine niederländische Stiftung wollen Autobesitzer Schadenersatz. In den USA kommt VW nicht weiter. Von Florian Rinke

Immer mehr Autobesitzer schließen sich in Europa der geplanten Sammelklage gegen Volkswagen an. Bislang hätten sich mehr als 60.000 Autobesitzer bei der "Stichting Volkswagen Car Claim" registriert, sagte Rechtsanwalt Julius Reiter unserer Redaktion. Wöchentlich kämen mehrere hundert weitere hinzu.

Die Düsseldorfer Kanzlei Baum, Reiter und Kollegen organisiert in Deutschland die Klage für Volkswagen-Privatkunden, die über eine holländische Stiftung abgewickelt werden muss, weil es in Deutschland keine rechtliche Möglichkeit zu Sammelklagen gibt. "Das anhaltende Interesse zeigt, dass Volkswagenkunden weiterhin Schadenersatz verlangen und bis jetzt nicht mit der Rückerfüllung durch den Konzern zufrieden sind", sagte Reiter. Er kritisiert vor allem die Ungleichbehandlung von deutschen und US-Kunden.

Der Konzern hatte zuletzt angekündigt, in den USA auch Besitzern eines vom Abgasskandal betroffenen VW-Touareg 500 Dollar bar und 500 Dollar in Form eines Einkaufsgutscheins beim Händler zu zahlen. Zuvor hatte VW schon den Besitzern eines betroffenen Fahrzeugs mit Zwei-Liter-Motor einen 1000 Dollar-Gutschein angeboten. Von den gut 480.000 betroffenen Kunden haben diesen nach VW-Angabe 260.000 Kunden abgerufen. "Wieso sollte der deutsche Verbraucher Kunde zweiter Klasse sein?", fragt Reiter.

Die Erklärung ist einfach: Während in Deutschland sehr schnell eine Möglichkeit zur Nachbesserung gefunden wurde, muss Volkswagen in den USA deutlich mehr tun, um die Behörden zu besänftigen.

Dort hat das US-Justizministerium Volkswagen wegen des Einsatzes der Schummelsoftware bei Diesel-Motoren verklagt. Dem Konzern droht damit eine Strafe von 45 Milliarden Dollar (rund 42 Milliarden Euro). Hinzu kommen Millionen, die VW möglicherweise für den Rückkauf von Fahrzeugen aufbringen muss. Und auch bei der geplanten Nachbesserung der Fahrzeuge hakt es. Die kalifornische Umweltbehörde Carb hat die Pläne von VW abgelehnt. Auch ein Spitzentreffen von VW-Chef Matthias Müller mit der Chefin der US-Umweltbehörde EPA brachte gestern keinen Durchbruch. "Der Grundsatzfehler ist, dass Volkswagen die Besorgnisse der Amerikaner nicht ernst genommen hat", sagte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach.

Quelle: RP
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