"Schmerzhafte Preissprünge": Ab Mittwoch kostet Butter bis zu 1,19 Euro
zuletzt aktualisiert: 29.07.2007 - 13:09Dortmund (RPO). Deutschland steht ein Preisruck bevor: Ab Mittwoch müssen Verbraucher mit deutlich teureren Preisen bei Milchprodukten rechnen - teilweise um bis zu 50 Prozent. So könnte ein Päckchen Butter dann 1,19 Euro statt 79 Cent kosten.
In den kommenden Tagen soll Butter bis zu 50 Prozent und Quark um 40 Prozent teurer werden, wie die "Ruhr-Nachrichten" am Wochenende unter Berufung auf die Zentrale Markt- und Preisberichtstelle (ZMP) der Agrarwirtschaft berichteten. Bei Milch rechnen die Experten mit einem Preisanstieg um fünf bis zehn Cent je Liter. Nach Meinung des Einzelhandelsverbandes wird jedoch die Konkurrenz auf dem Lebensmittelsektor schmerzhafte Preissprünge verhindern.
"Es wird einen Preisruck geben, wie ihn Deutschland noch nicht erlebt hat", zitierte das Blatt den ZMP-Experten Erhard Richarts. In dem Bericht wird darauf verwiesen, dass Lebensmittel insgesamt vor Preisanhebungen stünden. So seien schon heute Brot- und Backwaren laut Statistischem Landesamt Nordrhein-Westfalen 4,7 Prozent teurer als noch im Juli vergangenen Jahres.
Auch Schokolade wird aller Voraussicht nach deutlich teurer. "Der entscheidende Rohstoff für Schokolade ist teurer geworden", sagte der Geschäftsführer des Vereins der am Rohkakaohandel beteiligten Firmen, Roger Wegner, dem Tagesspiegel. Lag die Kakaoernte laut Wegner im vergangenen Jahr noch auf Rekordniveau, werde bei der laufenden Ernte nur noch mit 3,4 Millionen Tonnen gerechnet, was einem weltweiten Rückgang um mehr als sieben Prozent entspräche.
Fachleute gehen laut "Ruhr-Nachrichten" generell davon aus, dass die Lebensmittelpreise hoch bleiben. Verantwortlich dafür seien nicht nur Missernten und Tierseuchen, sondern auch die steigende Nachfrage von Ländern wie China und Indien sowie Anbau nachwachsender Rohstoffe, etwa für Biodiesel. "Das bekommen jetzt auch die deutschen Verbraucher zu spüren", sagte der Konjunkturexperte Torsten Schmidt vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) dem Blatt.
Einen Zusammenhang zwischen Biokraftstoffen und Lebensmittelpreisen bestätigte auch der Deutsche Bauernverband (DBV). Verbandspräsident Gerd Sonnleitner sagte der "Wirtschaftswoche", allein der Markt werde entscheiden, ob es eine Steigerung des Anteils der Bioenergie am deutschen Energieangebot von derzeit 4,6 Prozent auf mögliche zehn Prozent im Jahr 2010 geben werde. So müsse berücksichtigt werden, dass reiner Biodiesel wegen seiner Besteuerung seit Angang 2007 nicht mehr attraktiv sei.
Nach den Worten Sonnleitners gefährden zudem hohe Preise auf dem Agrarmarkt den Ausbau der Bioenergie. So rechneten sich Biogas-Anlagen bei einem Weizenpreis bis zu 120 Euro die Tonne. Jedoch bringe die Tonne Weizen wegen weltweiter Missernten zurzeit 180 Euro, womit sich eher der Getreideverkauf auf dem Weltmarkt für die Landwirte lohne. Darüber hinaus werde der Milchpreis stark anziehen, bestätigte Sonnleitner die Vorhersage der ZMP. "Wenn es so bleibt, werden die Landwirte künftig mehr für den Lebensmittelmarkt produzieren und weniger in nachwachsende Rohstoffe investieren", sagte der DBV-Chef.
Was die künftigen Ladenpreise von Lebensmitteln angeht, riet der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) zu Gelassenheit. Der starke Wettbewerb werde die Konsumenten auf längere Sicht vor überhöhten Preisen schützen, sagte Verbandssprecher Hubertus Pellengahr.
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