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Arbeitslosigkeit, Agentur für Arbeit, AP - 070501
  Foto: AP, AP
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Experten schlagen Alarm: Ab Sommer drohen Massenentlassungen

zuletzt aktualisiert: 21.02.2009 - 13:42

Berlin (RPO). Die Sorge vor den Auswirkungen der Wirtschaftskrise für Deutschland wächst. Führende Wirtschaftsexperten rechnen ab Sommer mit Massenentlassungen und einem drastischen Anstieg der Erwerbslosenzahlen.

Der Konjunkturchef des Münchner Ifo-Instituts, Kai Carstensen, sagte dem Onlineportal Bild.de: "Jetzt setzen viele Firmen noch auf Kurzarbeit. Wir rechnen aber ab Sommer mit einem sprunghaften Anstieg der Arbeitslosigkeit." Derzeit wolle jedes dritte Industrieunternehmen Stellen abbauen.

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) erwartet zunächst eine weitere Flut von Erstanträgen auf Kurzarbeit. "Der Trend aus dem Januar dürfte sich im Februar und März fortsetzen", sagte eine BA-Sprecherin der Wirtschaftszeitung "Euro am Sonntag". Insgesamt gehe man für das erste Quartal von rund 700.000 bis 800.000 Erstanträgen aus. Allein im Januar seien etwa 290.000 Anträge gestellt worden.

Carstensen sagte, auch die Kurzarbeit werde für viele Firmen dauerhaft zu teuer. Für das Gesamtjahr 2009 rechnet der Experte mit deutlich mehr Erwerbslosen als bisher prognostiziert: "Die Zahl der Arbeitslosen könnte im Jahresverlauf um bis zu 700.000 steigen."

Neuregelung für befristete Verträge gefordert

Auch der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, erwartet, dass die Zunahme bei der Kurzarbeit den Anstieg der Arbeitslosigkeit allenfalls dämpfen wird. Im Jahresverlauf werde dann die Kurzarbeit von Entlassungen abgelöst werden. Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norberg Walter, rechnet dem Bericht zufolge für 2009 mit dem Abbau von 600.000 Stellen.

Die durchschnittliche Arbeitslosenzahl werde damit von 3,3 auf 3,5 Millionen steigen, sagte Walter. Ein Ende des Jobbabbaus sei zunächst nicht in Sicht: 2010 könnte die durchschnittliche Arbeitslosenzahl nach Einschätzung des Experten auf 4,2 Millionen steigen. Commerzbank-Chefvolkswirt Krämer befürchtet sogar 4,34 Millionen.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) geht auch deshalb von einer spürbaren Zunahme der Erwerbslosigkeit aus, weil die Firmen befristete Verträge nicht weiter verlängerten. IW-Direktor Michael Hüther forderte, die Regelungen für befristete Verträge zu ändern und damit befristete Arbeitsverträge über die derzeit geltende Dauer von zwei Jahren hinaus zu ermöglichen. "Ein liberaleres Befristungsrecht würde uns helfen. Aber ich sehe keine Bereitschaft des Gesetzgebers, das wirklich zu tun", sagt Hüther laut Bild.de.

Brok optimistischer

Optimistischer äußerte sich der CDU-Europapolitiker Elmar Brok, der bereits im Mai 2010 wieder eine Trendwende auf dem Arbeitsmarkt mit zunehmender Beschäftigung und sinkender Arbeitslosigkeit erwartet. Bereits in diesem Spätsommer rechne die EU-Kommission mit dem Ende der konjunkturellen Talfahrt, sagte das Mitglied im Auswärtigen Ausschuss des Europaparlaments der Berliner Tageszeitung "BZ".

Um die Weihnachtszeit werde es trotz des Winters mit der Konjunktur wieder aufwärtsgehen. Für die Arbeitslosen kämen die positiven Auswirkungen dann ein paar Monate später, sagte Brok. Er begrüßte, dass Arbeitsnehmer und Verbraucher trotz der Krise nicht in Panik verfallen seien. "Die Zuversicht der Bürger ist auch begründet", betonte der CDU-Politiker.

Quelle: DDP

 
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