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Abgasskandal
Erste US-Strafanzeige gegen VW-Ingenieur

Hintergrund: Fragen und Antworten zum Abgas-Skandal
Hintergrund: Fragen und Antworten zum Abgas-Skandal
New York . Im Abgasskandal bei Volkswagen ist in den USA nach Angaben aus informierten Kreisen ein Ingenieur des Autobauers angeklagt worden.

James L. soll laut Klageschrift in Wolfsburg "direkt" an der Entwicklung der illegalen Software beteiligt gewesen sein, die in VW-Dieselfahrzeugen über eine Abschaltfunktion den Schadstoffausstoß senkt, sagte ein mit den Vorgängen Vertrauter am Freitag der Nachrichtenagentur AFP in New York.

Der langjährige Ingenieur des Konzerns habe sich beim zuständigen Gericht in Detroit bereits schuldig bekannt, berichteten der Finanzdienst Bloomberg und der Sender CNBC am Freitag. Damit hätten die seit fast einem Jahr andauernden Ermittlungen der US-Justiz erstmals ernsthafte Konsequenzen auf strafrechtlicher Ebene. Eine VW-Sprecherin wollte sich zunächst nicht äußern, kündigte aber ein Statement in Kürze an.

Der Bundesstaat New York hatte im Juli Klage gegen Volkswagen wegen des Abgasskandals eingereicht. VW hatte im September 2015 auf Druck der US-Behörden zugegeben, weltweit in rund elf Millionen Diesel-Fahrzeuge unterschiedlicher Marken des Konzerns eine illegale Software eingebaut zu haben. Das Programm reduziert den Ausstoß von schädlichen Stickoxiden bei standardisierten Tests.

In den USA hat sich VW zur Wiedergutmachung zur Zahlung von 14,7 Milliarden Dollar (rund 13,3 Milliarden Euro) bereit erklärt. Das deckt allerdings nur Teilaspekte der Affäre ab.

69 Autobesitzer und 350 Aktionäre klagen in Braunschweig

In Deutschland haben derweil im Rahmen des Abgasskandals bislang 69 Besitzer von VW-Modellen Klage am Landgericht Braunschweig eingereicht. Sie würden entweder den jeweiligen Verkäufer des Fahrzeugs - ein Autohaus oder die Volkswagen AG - auf Rückabwicklung des Kaufvertrages oder den Konzern als Hersteller auf Schadenersatz verklagen, erklärte ein Gerichtssprecher am Freitag.

Hinzu kommen bisher 350 Klagen von Kapitalanlegern. Sie verklagen den Autobauer auf Schadenersatz, weil dieser den Aktienmarkt zu spät über die möglichen finanziellen Konsequenzen der millionenfachen Manipulationen von Dieseln informiert haben soll. VW hatte dies zurückgewiesen. Der Kurs der Aktie war nach dem Bekanntwerden der Abgas-Affäre im Herbst vorigen Jahres zunächst stark eingebrochen.

Während die Schadenersatzklagen der Kapitalanleger alle gebündelt in Braunschweig verhandelt werden sollen, können Autobesitzer ihre Verfahren auch an anderen Gerichten eingereichen. Am kommenden Dienstag findet in Braunschweig die mündliche Verhandlung im Prozess eines Autobesitzers gegen VW als Verkäufer statt. Für den Oktober sind bisher sechs weitere Termine eingeplant. In etlichen Fällen hatten Autobesitzer bisher allerdings keinen Erfolg mit Klagen.

(felt/dpa/AFP)
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