Glitzer-Emirat in Geldnöten: Abu Dhabi greift Dubai unter die Arme
zuletzt aktualisiert: 28.11.2009 - 19:06Abu Dhabi (RPO). Hilfe für das in Zahlungsnöte geratene Glitzer-Emirat Dubai: Die Nachbarn aus Abu Dhabi haben Unterstützung zugesagt - wollen aber keinen Blankoscheck ausstellen. Unterdessen fürchtet die deutsche Wirtschaft Auftragseinbußen.
In der letzten Woche schockte das Emirat Dubai die Finanzwelt: Das kleine Land, das für seine gigantischen Bauprojekte bekannt ist, hat sich finanziell verhoben. Eine Entwicklung, die sich bereits vor rund einem Jahr andeutete (unsere Redaktion berichtete) und nun offenbar ihren Höhepunkt fand. Doch Hilfe ist nicht weit, sondern gleich um die Ecke. Das Nachbaremirat Abu Dhabi will Dubai unter die Arme greifen.
Einen Blankoscheck für das Nachbarland werde es aber nicht geben, sagte ein Regierungsvertreter des weltweit drittgrößten Ölexporteurs am Samstag der Nachrichtenagentur Reuters. Die Hilfe werde von Fall zu Fall gewährt, was zu Verwunderung führte. Viele Investoren hatten damit gerechnet, dass das wohlhabende Abu Dhabi für Dubai ein komplettes Sicherheitsnetz aufspannen werde. "Abu Dhabi wird sich die Firmen heraussuchen und auswählen, denen es helfen wird", fügte der Regierungsvertreter hinzu. Abu Dhabi ist wie Dubai Teil der Vereinigten Arabischen Emirate.
60 Milliarden Schulden
Dubai hatte am Mittwoch die Gläubiger von Dubai World - dem staatseigenen Firmenkonglomerat, das unter anderem auch die Insel in Palmenform gebaut hat - um Zahlungsaufschub gebeten. Der Konzern hat fast 60 Milliarden Dollar Schulden, das entspricht drei Viertel der Verbindlichkeiten des Landes. Die Geldprobleme Dubais drohen die Bilanzen von Banken in Abu Dhabi zu belasten.
Das Finanzinstitut Abu Dhabi Commercial ist mit umgerechnet bis zu 1,6 Milliarden Euro bei Dubai World engagiert und muss nun entsprechende Rücklagen bilden. Banken aus Abu Dhabi haben Unternehmen in Dubai während des dortigen Immobilien-Booms Kredite in großem Umfang gewährt. Der Markt ist in Folge der Finanzkrise im vergangenen Jahr zusammengebrochen.
Wirtschaft fürchtet Auswirkungen
Die Finanznot des Emirats wird aus Sicht der Wirtschaft auch in Deutschland Spuren hinterlassen. Nachhaltige Auswirkungen auf die Konjunktur sind nach Einschätzung des DIHK-Hauptgeschäftsführers Martin Wansleben zwar nicht zu erwarten. Die deutsche Industrie müsse sich aber auf deutliche Auftragseinbußen einstellen, sagte Wansleben der "Neuen Osnabrücker Zeitung".
Auch der psychologische Effekt sei nicht zu verachten. "In der aktuellen labilen Situation ist jeder Rückschlag gefährlich. Vor diesem Hintergrund ist Dubai durchaus ein Schlag ins Kontor." Dubai sei über viele Jahre hinweg ein wichtiger Markt gewesen für jeden, "der Produkte und Leistungen rund ums Bauen liefert - von der Bohrmaschine über Bagger bis zu Armaturen und Fenstern", fügte er hinzu. "Viele Unternehmen werden betroffen sein."
Kein Flächenbrand erwartet
Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise rechnet wegen der Geldprobleme Dubais nicht wie beim Zusammenbruch der US-Traditionsbank Lehman Brothers mit einem Flächenbrand in der Finanzbranche. "Die Ausmaße sind bei weitem nicht so dramatisch wie nach der Lehman-Pleite", sagte Heise der "Berliner Zeitung". Internationale Banken dürften zwar deshalb neue Abschreibungen erleiden, die Weltwirtschaft aber nicht aus der Bahn geworfen werden. Die Nachbarstaaten Dubais würden einen Staatsbankrott Dubais nicht zulassen. "Ich gehe davon aus, dass die Dubai-Krise im Wesentlichen auf die arabische Region begrenzt bleiben wird und nicht auf andere Schwellenländer überschwappt", fügte er hinzu.
Daimler setzt ungeachtet der Schuldenkrise am Golf weiter fest auf seine beiden arabischen Großaktionäre. Die Lage in Dubai stehe nicht in Verbindung mit unseren Ankeraktionären in der Region, sagte Finanzchef Bodo Uebber der "Süddeutschen Zeitung". In der Hand Kuwaits und des staatlich kontrollierten Fonds Aabar aus Abu Dhabi liegen insgesamt 16 Prozent der Daimler-Anteile.
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