HRE-Untersuchungsausschuss: Ackermann, der barmherzige Banker
VON MICHAEL BRÖCKER - zuletzt aktualisiert: 28.07.2009 - 20:57Berlin (RP). Bei seinem Auftritt vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestages zur Beinahe-Pleite der Hypo Real Estate inszeniert sich der Chef der größten deutschen Bank als großzügiger Retter eines maroden Wettbewerbers und wirft der Politik gefährliches Zögern bei den Verhandlungen vor. Am Ende räumt Ackermann trotzdem ein: "Ohne den Staat ging es nicht. Für die SPD war der Auftritt des Top-Bankers Gold wert.
Braungebrannt, dunkelblauer Anzug und ein freches Lächeln. Nur das Victory-Zeichen fehlt und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hätte bei seinem Auftritt vor dem Bundestags-Untersuchungsausschuss zur Krise der Hypo Real Estate dem ewigen Bild des abgehobenen Finanz-Managers einen neuen Anstrich verpasst. Doch der Chef der größten deutschen Bank weiß schließlich, dass er gleich zu Beginn seiner Ausführungen der Staatsmacht huldigen wird. Als Marktökonom sage ich das nicht gern", beginnt Ackermann kleinlaut. "Aber ohne den Staat ging es nicht."
Er meint die milliardenschwere Rettungsaktion für die strauchelnde Immobilienbank Hypo Real Estate im Herbst 2008. "Die Privatbanken alleine hätten das nicht stemmen können", sagt Ackermann. Mit insgesamt 108 Milliarden Euro hatten Bund, Bundesbank, Länder und Privatbanken den maroden Münchner Immobilienfinanzierer vor dem Kollaps bewahrt.
Reagierte die Regierung zu spät?
Der von der Opposition eingesetzte Untersuchungsausschuss soll klären, ob die schwarz-rote Bundesregierung zu spät auf die HRE-Krise reagierte. Erste Warnsignale, etwa der überraschende Abschreibungsbedarf von 390 Millionen Euro im Januar 2008, seien frühzeitig bekanntgeworden, lautet der Vorwurf von FDP, Linkspartei und Grüne. Vor allem Finanzminister Peer Steinbrück und sein Staatssekretär Jörg Asmussen (beide SPD) sollen 60 Tage vor der Bundestagswahl als schlechte Krisenmanager dastehen. Zeuge Ackermann soll dabei helfen.
Raubtier-Kapitalist stärkt der SPD den Rücken
Doch ausgerechnet der Spitzenbanker, den nicht wenige Genossen für den Inbegriff eines Raubtier-Kapitalisten halten, stärkt den Sozialdemokraten den Rücken. „Bis zum Kollaps von Lehman hatten wir das Gefühl, dass wir durch die Krise kommen”, sagt Ackermann. Die Lage habe sich im Spätsommer 2008 stabilisiert gehabt. Erst die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers am 15. September 2008 habe „dramatische Veränderungen” gebracht. Der Vertrauensverlust zwischen den Banken sei enorm gewesen. Keiner, weder die Politik noch Banken, hätten die Wirkung vorhersehen können. "Alles was danach geschah, war anders als vorher." Im Klartext: Das Rettungspaket von Finanzminister Steinbrück kam nicht zu spät. Und es war richtig. Eine Alternative gab es definitiv nicht.
"Um eins vor zwölf war das Schlimmste verhindert"
Wer nun einen reumütigen Banker erwartete, der eigene Fehler analysiert und dem Steuerzahler für die Milliardenhilfe dankt, sieht sich getäuscht. Geschickt verweist Ackermann darauf, dass seine Bank nur "wenige Hundert Millionen Euro" in Geschäfte mit der HRE investiert hatte. "Wir waren von dem Geschäftsmodell nie überzeugt." Trotzdem sei er es gewesen, der Deutsche-Bank-Spezialisten auf eigen Kosten zur irischen HRE-Tochter Depfa nach Dublin schickte und die dort prompt neue Milliardenlöcher entdeckten.
Und natürlich war es Ackermann, der den Bankenvertretern die Zustimmung zu den Milliardenhilfen abringen konnte. Ackermann, der barmherzige Banker, der einem strauchelnden Mitbewerber hilft. Die Politik hätte in den nächtlichen Diskussionen an dem September-Wochenende indes zögerlich agiert, mosert der Schweizer. "Das war gefährlich". Minutiös erläutert Ackermann, wie die Verhandlungen für das erste HRE-Rettungspaket kurz vor dem Aus standen.
Erst nach mehreren persönlichen Telefonaten mit Steinbrück und schließlich Kanzlerin Merkel habe er, Ackermann, den übrigen Bankenvertretern den Durchbruch melden können. "Wir hatten unsere Zelte schon abgebrochen. Aber dann hatten wir einen Deal." Ackermann ist sichtlich stolz auf seine Leistung. Er beugt sich vor, rückt das Mikrofon zurecht. "Um eins vor zwölf haben wir das Schlimmste verhindert." Wie auf einem türkischen Basar hatte der Deutschbanker zuvor mit der Bundesregierung um den Beitrag der Privatbanken gefeilscht. Erst 15, dann zehn, schließlich waren es 8,5 Milliarden Euro. Zu Lasten des Steuerzahlers.
Am Ende bleibt wenig von Vorwürfen übrig
Die Taktik der Bundesregierung, die offenbar möglichst wenig Kosten der Allgemeinheit aufbürden wollte, findet Ackermann schlicht riskant. "Wenn man taktisch gespielt hat, hat man es sehr gut getan und uns sehr weit getrieben - das war gefährlich." In dem Moment zuckt der SPD-Ausschussvorsitzende Hans-Ulrich Krüger sichtlich zusammen. Am liebsten würde er jetzt entgegnen. Doch der SPD-Politiker lässt den Zeugen gewähren.
Als Ackermann schließlich auf bohrende Nachfragen des FDP-Abgeordneten Volker Wissing betont, dass er seine Äußerungen nicht als generelle Kritik an dem Krisenmanagement der Bundesregierung verstanden sehen will, hellen sich die Gesichter der Sozialdemokraten auf. Der Auftritt des Top-Bankers hat genutzt. Nach vier Stunden Diskussion steigt Ackermann um 20.30 Uhr in seinen S-600-Mercedes und rauscht davon. Von den Vorwürfen der Opposition bleibt wenig im Saal zurück.
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