Deutsche-Bank-Chef obenauf: Ackermann erklärt die Finanzkrise
VON MATTHIAS BEERMANN - zuletzt aktualisiert: 02.05.2009 - 14:50Düsseldorf (RP). Der in der Öffentlichkeit höchst umstrittene Chef der Deutschen Bank ist wieder obenauf: Sein Unternehmen erzielt Gewinne, sein Vertrag wurde verlängert. In Düsseldorf begründete er, warum die Finanzkrise nicht zu stoppen war.
Josef Ackermann lächelt dieses breite, selbstbewusste Lächeln, das seine Bewunderer charmant finden und seine Kritiker zur Weißglut treibt. Er hat Grund zum Lächeln. Der Chef der Deutschen Bank ist auf Einladung des "Liberalen Netzwerks" nach Düsseldorf gekommen, um über die Zukunft der gebeutelten Finanzbranche zu reden. Dabei hat er doch selbst gerade einen satten Quartalsgewinn verkünden können, mitten in der Krise. Seinen Vertrag als Vorstandschef der Deutschen Bank wurde nochmals um drei Jahre verlängert. Es sind gute Tage für Josef Ackermann, und dieser Abend in Düsseldorf, das weiß er, wird es auch.
Keiner von den 600 Gästen in der bis auf den letzten Platz gefüllten Eon-Glashalle wird ihm Gier vorwerfen, niemand ihn wegen überzogener Renditeforderungen kritisieren oder ihn gar als Zocker beschimpfen. Es ist ein Heimspiel, und Ackermann steht vor der Fan-Kurve. Er ist hier, um zu erklären, wie es geschehen konnte, dass die Welt über Nacht in die schlimmste Wirtschaftskrise seit der großen Depression rutschen konnte, und niemand, auch er nicht, das Verhängnis kommen sah.
"Es handelt sich um die erste Krise des globalisierten Finanzsystems, und wir waren alle schlichtweg nicht darauf vorbereitet", sagt Ackermann. Gewiss, Krisen-Szenarien in Schwellenländern, die habe man regelmäßig durchgespielt. Ein Zusammenbrechen des US-Immobilienmarkts indes und die sich daraus entwickelnde weltweite Schockwelle, "das konnte sich doch keiner vorstellen". Dann wird Ackermann technisch, redet über die Streuung von Risiken, deren stabilisierende Wirkung man leider überschätzt habe. Über ein unreguliertes "Schattensystem" der Banken, das man unterschätzt habe.
Am Ende, so vermittelt Ackermann, war das Verhängnis unausweichlich. Sorry. Jetzt gehe es darum, aus dem Schlamassel zu lernen, damit sich so etwas nicht so schnell wiederholt. "Nie" will Ackermann lieber nicht sagen – "das könnte keiner garantieren".
Eine Strukturreform des Bankensystems müsse her, fordert er. "Wir müssen erreichen, dass eine schlechte Bank wieder pleite gehen kann, ohne dass dadurch das ganze System kollabiert". Jetzt müssten viele Banken mit Steuergeld gerettet werden, "die das eigentlich gar nicht verdient haben". Die Deutsche Bank, darauf ist ihr Chef stolz, gehört nicht zu den Bittstellern. "Wir schaffen das alleine."
Und die Moral? Marktwirtschaft, da hebt Ackermann dann doch einmal die Stimme, sei eben auf Wettbewerb gebaut. "Ohne wäre es vielleicht bequemer; aber dann müssten wir auf Wohlstand verzichten". Applaus. Ackermann lächelt.
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